Laufenburg bekommt einen Burgschreiber. Gut, er wird wohl kaum auf der Burg leben wollen (es sei denn, er suche den ultimativen Outdoor-Kick). Und, gut, es wird den «Burgschreiber zu Laufenburg» nur alle zwei Jahre für jeweils drei Monate geben. Aber dennoch: Es ist ein innovatives Projekt, das die beiden Kulturschaffenden Martin Willi und Petra Gabriel da grenzüberschreitend initiiert haben. «Wir wollen die Literatur und die Kultur fördern», sagt Willi, «und wir wollen Laufenburg bekannter machen.»

Zum ersten Ziel gehört «eine dringend nötige Förderung der Künstlerszene in der Region», sind die beiden Initianten überzeugt. «Denn eine Kultur ohne Künstler ist zum Sterben verurteilt, weil sie sich nicht weiterentwickeln kann.» Einen Werbeeffekt versprechen sich Gabriel und Willi nicht nur für die beiden Städte, sondern für die ganze Region. «Dies durch Beachtung des Stipendiums in der Presse, sowie Veröffentlichungen des Burgschreibers über die Städte Laufenburg während des Stipendiums.»

Die Burgschreiber-Idee hatten Gabriel und Willi vor rund einem Jahr. Die Idee lehnt an ähnliche Projekte in anderen Städten an und greift das Kunststipendium wieder auf, das Laufenburg zwischen 1996 und 2004 vergab. Damals war das Stipendium bildenden Künstlern vorbehalten, jetzt wird die wortgewandte Kunst bedacht.

Drei Monate lang wird ein Autor in Laufenburg leben und sich mit der Stadt befassen. Wohnen wird er in dieser Zeit bei einer Gastfamilie – je rund sechs Wochen auf deutschem und auf Schweizer Boden. Die Unterbringung in Privatquartieren soll «die Einbindung der Gäste ins Leben der beiden Kommunen» ermöglichen. «Ideal ist es, wenn der Burgschreiber bei der Gastfamilie ein eigenes Zimmer hat», sagt Willi. Frühstück inklusive. Dafür wird die Gastfamilie mit umgerechnet rund 70 Franken pro Nacht entlöhnt. Der Burgschreiber selber bekommt knapp 1000 Franken im Monat.

Finanziert wird das BurgschreiberProjekt primär von den beiden Städten. Der Gemeinderat auf Schweizer Seite hat dafür bereits 3000 Franken für die erste Ausschreibung bewilligt und am Montag zog der Gemeinderat auf badischer Seite nach. Weitere rund 1700 Franken wollen die Initianten mit Kollekten an Lesungen hereinholen; der Autor, der mindestens schon ein Werk publiziert haben muss, stellt sich und sein Werk am Anfang des dreimonatigen Gastspiels vor und zieht am Schluss Bilanz. Für «wünschenswert» halten es die Initianten zudem, wenn die Ortsteile und Nachbargemeinden einbezogen und dort jeweils weitere Lesungen organisiert werden.

Gabriel und Willi verzichten zudem auf Honorare – und auch der «Pate», der dem Burgschreiber die Stadt näherbringen wird, sowie die sechsköpfige Jury arbeiten kostenlos. Neben Willi und Gabriel gehören der Jury Schriftsteller Christian Haller, Buchhändlerin Renata Vogt und je ein Gemeindevertreter an.

Herbert Weiss, Stadtammann von Laufenburg, begrüsst das Projekt. «Mir gefällt der Ansatz, dass sich ein Autor mit der Stadt und der Gegend beschäftigt.» Weiss sieht das Projekt als Chance, die Stadt über die Region hinaus bekannt zu machen. Wichtig findet er, dass hinter dem Projekt bekannte Kunstschaffende, wie es die Initianten sind oder wie es vor allem ein Christian Haller ist, stehen. «So schwebt das Projekt nicht im luftleeren Raum, sondern ist geerdet.» Er jedenfalls sei jetzt schon gespannt, was beim Projekt herauskomme.

Bis dahin muss sich Weiss allerdings noch etwas gedulden. Erstmals ausgeschrieben wird das Stipendium im Herbst. Martin Willi rechnet mit fünf bis zehn Bewerbungen. Bis Ende Jahr soll dann der Jury-Entscheid fallen, wer als erster «Burgschreiber zu Laufenburg» vom März bis Mai 2019 im Städtchen residieren wird.

Das Ergebnis wird publiziert

Gespannt ist auch Willi, was beim Projekt herauskommt. «Es ist vieles möglich», sagt er. Ein kleiner Roman, ein Kurzgeschichtenband, ein Theaterstück, ein Drehbuch – «wir sind offen». Einzige Bedingung: Das Wort, das geschriebene, muss einen direkten Bezug zu Laufenburg haben.

Noch offen ist, mit welchem Thema sich der Burgschreiber auseinandersetzen wird. Themenideen haben Willi und Gabriel bereits einige. Heimat ist eines; Flucht, Ankommen, Geschichte und Grenze sind andere. Bis zur ersten Ausschreibung wird klar sein, mit welchem Thema sich der erste Burgschreiber befassen wird.

Geplant ist, das Entstandene in geeigneter Form zu veröffentlichen. Das könne in Buchform sein, so Willi, aber auch als Präsentation im Internet. «Das hängt ganz davon ab, was beim Projekt herauskommt.» In diesem Sinne: Lasset die Schreiber beginnen.