Frick

Das Forschungsinstitutes für biologischen Landbau hat drei Direktoren – aber eine Vision

Lucius Tamm, Knut Schmidtke und Marc Schärer (v.l.) leiten in einem Dreier-Gremium seit 1. April das FiBL in Frick.

Lucius Tamm, Knut Schmidtke und Marc Schärer (v.l.) leiten in einem Dreier-Gremium seit 1. April das FiBL in Frick.

Ein Kompetenzgerangel unter dem Leitungs-Trio des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau (FiBL) bleibt aus. Wachstum und Nachhaltigkeit ist ihr gemeinsamer Nenner.

Vorher war es einer, jetzt sind es drei: Per 1. April haben Knut Schmidtke, Lucius Tamm und Marc Schärer die Leitung des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau (FiBL) in Frick von Urs Niggli übernommen. Schmidtke, Vorsitzender der Geschäftsleitung und Direktor für Forschung, Extension & Innovation, betont, dass es eine Herausforderung sei, die Leitung zu dritt gut zu realisieren. «Man ringt zuweilen um den besten Kompromiss», sagt er. Wachse jedoch ein Unternehmen aus dem Pionierstadium heraus, sei es aufgrund der komplexer werdenden Aufgaben klug, die Führung zu teilen. «Kompetenzgerangel gibt es bei uns keines», ergänzt Schmidtke denn auch.

Lucius Tamm, Direktor für Kooperation, unterstreicht dies. «Wir teilen eine ganz klare Vision – die Förderung des biologischen Landbaus, der Nachhaltigkeit und der damit verbundenen Werte.» Neben diesem Wertesystem seien es aber auch die unternehmerischen Gene, welche die drei Direktoren teilen. «Wir wollen auf die Nachfrage aus unserem Umfeld dynamisch reagieren und gute Qualität in der Forschung und Beratung liefern», so Tamm.

Dass die neuen Direktoren nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Unternehmer sind, zeigt etwa die strategische Partnerschaft, die das FiBL und der Agrar-Riese Fenaco vor wenigen Tagen eingegangen sind. Mit einer jährlichen Unterstützung von 150'000 Franken will Fenaco die Entwicklung für einen nachhaltigen Pflanzenschutz forcieren. Konkret geht es hier um den Ersatz von Kupfer in Pflanzenschutzmitteln. Für ein entsprechendes Extrakt hat das FiBL bereits ein Patent eingereicht. «Jetzt geht es darum, mit Industriepartnern die Produktion aufzuziehen und Registrierungsdossiers zu entwickeln. Das sind langwierige und kostspielige Unterfangen», so Tamm.

Eine Kernherausforderung wird der adäquate Ersatz durch das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitenden aus der Baby­boomer-Generation in den nächsten Jahren sein. Gemäss Tamm keine leichte Aufgabe, hat sich doch die Ausbildung an den Unis und technischen Hochschulen vermehrt in Richtung Elfenbeinturm-Forschung zu Lasten der Ausbildung solider Agronomen verschoben. «Wir müssen relativ viel investieren, bis die Leute, die frisch von der Uni zu uns kommen, voll einsetzbar im Sinne unserer Bedürfnisse sind», sagt Tamm. Schmidtke schiebt nach: «Wir wollen ja auch durch Beratung Wissen in die Praxis bringen. Da brauchen wir Personen, die unter anderem auch wissen, wie ein Pflug einzustellen ist.» Solche Leute zu finden, sei aber schwierig, wenn nur noch Masterarbeiten in Molekularbiologie gewünscht würden.

Wachstum auf 230 ­Mitarbeiter denkbar

Eine Trumpfkarte in Sachen Rekrutierung und Halten des Personals ist der Forschungscampus – für rund 30 Millionen Franken, der seit 2018 etappenweise entsteht. «Die moderne Infrastruktur stärkt unsere Stellung als attraktiver Arbeitgeber», sagt Marc Schärer, Direktor für Finanzen und Administration. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten im nächsten Jahr sei mittelfristig eine Aufstockung des Personals von derzeit 200 auf 230 Mitarbeitende denkbar.

Bereits entstanden auf dem Gelände sind ein Gewächshaus, ein Laborgebäude sowie ein Rinder- und Kleintierstall für die Forschung. Das Tagungsgebäude samt Aula und Restaurant soll noch vor Planungsende 2021 bezugsbereit sein, so Schärer. «Es ist schön, zu sehen, wie das Gebäude in die Höhe wächst, auch wenn es manchmal laut wird und rüttelt.»

Autor

Dennis Kalt

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