Münchwilen
Da kommt ein Stiefel geflogen: Feuerwehrverein bereitet sich auf Weitwurf-Wettkampf vor

Der Feuerwehrverein in Münchwilen führt den zweiten Stiefelweitwurf-Wettkampf durch – bis auf den Wurfstil ist dabei so gut wie alles geregelt.

Thomas Wehrli
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Und er fliegt und fliegt: Die Stiefelweitwurf-Premiere im letzten Jahr war ein voller Erfolg.

Und er fliegt und fliegt: Die Stiefelweitwurf-Premiere im letzten Jahr war ein voller Erfolg.

Horatio Gollin

Beim Teutates, ist man mit Asterix versucht zu sagen. Bei den Münchwilern fliegen zwar keine Römer und auch keine Wildschweine durch die Gegend, aber immerhin Gummistiefel. Diese dafür zuhauf: Am 8. September findet auf dem Sportplatz der zweite Stiefelweitwurf-Wettkampf statt.

Zu den sieben Oberstiefelwerfern, pardon: zum OK gehört auch Gemeindeammann Bruno Tüscher. Er lacht, wie ich ihn am Telefon mit Herrn Stiefelweitwurfexperte anspreche und erzählt dann, dass alles als Jux begann. Bei der Einweihung des Feuerwehrfahrzeuges 2014 führte die Feuerwehr einen internen Stiefelweitwurf-Wettkampf durch. «Das kam so gut an und machte derart Spass, dass der Feuerwehrverein daraus einen Event machte.»

Die Premiere im letzten Jahr glückte; 65 Stiefelwerfer nahmen am Einzel- und am Gruppenwettkampf – immer drei Werfer bilden ein Team – teil. «Es war eine Riesengaudi», blickt Tüscher zurück. Der weiteste Wurf gelang dabei dem nachmaligen Sieger Walter Käch mit 28,27 Metern. In diesem Jahr, so hofft Tüscher, werde die 30-Meter-Marke geknackt. Trainiert werde, weiss er.

Natürlich liess auch er sich nicht lumpen; er trat im Teamwettkampf an. In Diskuswerfer-Manier nahm er Anlauf, drehte sich, warf – und der Stiefel landete bei 18,42 Metern. Immerhin flog sein Stiefel damit fast vier Meter weiter als jener des damaligen Gemeindeammanns Willy Schürch. Für Tüscher ist trotzdem klar: «Da ist noch viel Luft nach oben.» Oder besser: nach vorne. Anders als im letzten Jahr will er diesmal etwas trainieren. «Mehr als 20 Meter», sagt er vorsichtig an.

Das ist nichts gegenüber dem, was Antti Ruusuvirta wirft. Der Finne hält den Weltrekord mit satten 68,03 Metern. «Eine gewaltige Distanz», raunt Tüscher. Das wird in Münchwilen nicht so schnell einer toppen.

Internationale Luft kann man zumindest bei den Regeln schnuppern. Die richten sich nach den Richtlinien des Weltverbandes. Für Männer gilt: linker oder rechter Stiefel, Grösse 43, Schaftlänge rund 40 Zentimeter, Gewicht 950 bis 1050 Gramm. Die Frauen steigen mit fünf Schuhnummern kleiner in den Ring und müssen rund 300 Gramm weniger durch die Luft katapultieren.

Geregelt ist so gut wie alles – bis auf den Wurfstil. Dieser ist jedem überlassen. Entsprechend sieht man auch allerlei Techniken. Die einen schleudern den Stiefel über Kopf, andere werfen ihn von unten, dritte drehen sich im Kreis, schnell und schneller und der Stiefel fliegt (hoffentlich) in Richtung Messbereich. Manchmal trifft er auch einen Offiziellen, wie das Video auf der Facebook-Seite «SWWW – Stiefelweitwurf Wettkampf» zeigt. «Die Technik ist entscheidender als die Kraft», ist Tüscher nach vielen Wurfstudien überzeugt. Sein Tipp: «Mit der Diskuswerf-Technik kann man am meisten Schwung entwickeln.»

Handschuhe zu tragen, ist erlaubt, die Finger zu tapen, nicht. Und: «Der Stiefel muss in seiner natürlichen Form geworfen werden.» Tüscher lacht, wie ich ihn frage, ob das OK Angst davor habe, jemand schneide die Stiefel entzwei. «Das nicht», sagt er dann. «Aber sonst käme womöglich noch jemand auf die Idee, den Stiefel zu falten und zusammenzukleben.» Und das wäre, beim Teutates!, ein veritabler Gummistiefel-Weitwurf-Beschiss.