Vorstoss

CVP-Grossräte wollen die Rheintal-Bahnlinie wieder einführen – GLP-Agustoni noch nicht

CVP-Grossräte fordern in einem Postulat die Wiedereinführung der Bahnlinie Basel-Winterthur. Auch Rheinfelden soll ein Haltestelle sein.

CVP-Grossräte fordern in einem Postulat die Wiedereinführung der Bahnlinie Basel-Winterthur. Auch Rheinfelden soll ein Haltestelle sein.

Laut dem Vorstoss im Aargauer Grossen Rat hat die Bahnlinie Basel-Winterthur ein grosses Potenzial. Roland Agustoni hält den Zeitpunkt des Postulats für falsch.

Es kommt Zug in die stillgelegte Bahnlinie dem Rhein entlang von Winterthur nach Basel: CVP-Grossräte haben am Dienstag ein Postulat eingereicht, in dem sie den Regierungsrat einladen, die Wiedereinführung der Interregio-Bahnverbindung zwischen Winterthur und Basel mit Halt in Bülach, Bad Zurzach, Koblenz, Stein-Säckingen und Rheinfelden beim Bund zu beantragen.

Gleichzeitig fordern sie, dass die Schweiz nur dann etwas an die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke auf deutscher Seite zahlt, wenn auf Schweizer Seite die Interregio-Bahnverbindung ebenfalls umgesetzt wird.

Den Vorstoss begründen die CVP-Grossräte um Sprecher Andreas Meier (Klingnau) mit einer neuen Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). «Die Interregioverbindung ist mit relativ kleinen Infrastrukturkosten umsetzbar und bietet den Passagieren eine komfortable, schnelle Verbindung ohne Umsteigen», bilanzieren die Grossräte.

Das Passagierpotenzial schätzen sie als gross und «gut abgreifbar» ein. «Die lokalen Reisezeiten würden im Vergleich zu heute massiv verkürzt», werben sie im Postulat für die neu-alte Verbindung.

Sie nütze Pendlern und Umwelt. Die Postulanten verweisen auch auf das Sisslerfeld, wo in den nächsten Jahrzehnten viele neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Der Bahnlinie komme hier eine grosse Bedeutung zu.

Die Erschliessung des Sisslerfelds ist auch für Mitunterzeichner Werner Müller aus Wittnau ein Grund, weshalb die Rheintallinie reaktiviert werden soll. «Ein solches Bahnprojekt braucht viele Jahre. Deshalb müssen wir es heute angehen, damit die Linie bereit ist, wenn das Sisslerfeld erschlossen wird.»

Ein zweiter Grund ist für Müller die angespannte Lage auf der Bözberglinie. «Die Linie ist heute schon stark ausgelastet», sagt Müller. Die Lage werde sich in den nächsten Jahren mit dem zusätzlichen Güterverkehr noch zuspitzen. «Da bringt die Rheintallinie eine spürbare Entlastung», ist er überzeugt.

Investitionen in Deutschland nur bei Umsetzung der Rheintallinie

Müller findet es auch richtig, dass man eine Mitfinanzierung der Elektrifizierung auf deutscher Seite an die Reaktivierung der Rheintallinie kopple. Auf deutscher Seite will der Bund 200 Millionen Franken an den Ausbau der Hochrheinstrecke beisteuern, dies deshalb, weil auch die Schweiz ab Basel von einem Ausbau des Angebots profitiert. «Es kann nicht sein, dass wir einfach in Deutschland investieren und wichtige Projekte auf Schweizer Seite nicht umgesetzt werden», findet Müller.

Skeptisch beurteilt öV-Spezialist und GLP-Grossrat Roland Agustoni den Vorstoss. Inhaltlich sei er in Ordnung, so Agustoni, «aber er kommt zum falschen Zeitpunkt». Zentral ist für den Rheinfelder, dass nun zuerst einmal der versprochene Halbstundentakt auf dem S1-Ast zwischen Stein und Laufenburg umgesetzt wird. Dieser sei noch nicht im Trockenen, warnt er.

Der Grosse Rat hat zwar seine Motion für die Einführung des Halbstundentakts gegen den Willen der Regierung überwiesen und der Regierungsrat hat damit nun den Auftrag, das Bahnprojekt umzusetzen. Das Geschäft muss aber nochmals vor den Grossen Rat. «Deshalb ist der Vorstoss zum jetzigen Zeitpunkt eher kontraproduktiv», befürchtet Agustoni.

Agustoni: Zuerst muss der Halbstundentakt umgesetzt sein

Für Agustoni ist klar: Eine Erweiterung der Strecke respektive eine Reaktivierung der Bahnlinie dem Rhein entlang für den Personenverkehr – Güterzüge verkehren bis heute auf der streckenweise einspurigen Strecke – soll man dann prüfen, wenn der Halbstundentakt umgesetzt ist und er sich eingependelt hat. Die Reaktivierung sei nicht so einfach, ist Agustoni überzeugt, zumal viele Bahnanlagen nach der Stilllegung der Strecke für den Personenverkehr zurückgebaut wurden.

Ein Fragzeichen macht Agustoni aber auch bei den im Postulat genannten Haltestellen. Namentlich werden, wie in der ZHAW-Bachelorarbeit, neben den Endbahnhöfen Winterthur und Basel die Stationen Bülach, Bad- Zurzach, Koblenz, Stein und Rheinfelden genannt.

«Wenn man die Strecke ertüchtigt, müssen alle Seitentäler an die Strecke angehängt werden.» Sprich: Dann braucht es – neben schnellen Verbindungen – auch Halte in Laufenburg, Sisseln oder Etzgen. «Eine Reaktivierung bringt nur etwas, wenn alle profitieren», so Agustoni.

Für problematisch hält der GLP-Grossrat zudem die Verknüpfung der Forderung mit der Schweizer Beteiligung an der Elektrifizierung der Hochrheinstrecke auf deutscher Seite. «Dazu hat der Kanton nichts zu sagen. Das ist Sache des Bundes.»

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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