Digitalisierung

Chancen und Risiken: So können Gemeinden Social Media nutzen

Soziale Medien sind für die Gemeinden Chance und Risiko zugleich. (Symbolbild)

Soziale Medien sind für die Gemeinden Chance und Risiko zugleich. (Symbolbild)

Am Gemeindeseminar in Frick wurden Vor- und Nachteile von Gemeinde-Aufritten auf sozialen Medien diskutiert. Auch Verwaltungen können von Shitstorms getroffen werden.

Für die Verwaltungen der Gemeinden ist der digitale Wandel Herausforderung aber auch gleichzeitig ein Lösungsansatz. Mit diesem Satz eröffnete Matthias Meyer, Partner bei der Qualinet Consulting AG in Hünenberg, seinen Vortrag am Mittwochachmittag am Gemeindeseminar in Frick.

Zweifelsohne würden die Mitarbeiter im Umgang mit neuer IT-Infrastruktur oder Software gleich doppelt – inhaltlich und organisatorisch – gefordert. Für den Aderlass an Kaderpersonal aus der Babyboomer-Generation in den nächsten fünf Jahren sei jedoch die «smarte Verwaltung» eine Lösung, damit die gleiche Arbeit mit weniger Personal bewerkstelligt werden könne.

Twitter, Facebook, Youtube und Co

Auch die sozialen Medien sind ein kleiner Mosaikstein im Bild des digitalen Wandels. In ihrem Vortrag über Twitter, Facebook und Co. referierte Loredana Goldenberger, derzeit Gemeindeschreiberin ad interim in Wölflinswil, welche Chancen und Risiken für die Gemeinden beim Bespielen der virtuellen Plattformen entstehen.

Etwa könne man Informationen schneller und zielgruppengerechter adressieren. Hier nennt sie etwa die Gemeinde Schinznach-Bad, die Informationen via Whatsapp direkt auf das Smartphone ihrer Einwohner sendet – sofern sie sich für diesen Dienst angemeldet haben.

Zudem erreichen die Gemeindeverwaltungen etwa über Youtube, Instagram oder Facebook auch die jüngere Generation und können die Kommunikation mit niedriger «Amtlichkeitsschwelle» führen.
Sofern eine Gemeinde auf Facebook vertreten sei, böte sich für deren Einwohner über die Dialogfunktion die Möglichkeit, niederschwellig mit der Verwaltung in Kontakt zu treten.

Dass es jedoch auch Risiken gibt, wenn die Gemeindeverwaltung in die digitale Welt eintaucht, verhehlt Goldenberger nicht. Solch ein Risiko liegt etwa in einem Shitstorm – das lawinenartige Auftreten von negativen Äusserungen, die sich gegen die Gemeinde im Netz richten.

«Da muss man schnell reagieren und kann nicht erst eine Gemeinderatsitzung in drei Tagen einberufen», sagt Goldenberger. Denn keine Reaktion führe oftmals zu einer unkontrollierten Eigendynamik. Auch das Löschen kritischer Beiträge sei eine ungünstige Strategie.

Vorteilhaft sei es, kritische Themen zu antizipieren und sich bereits vorher einen Notfallplan zurechtzulegen. Solche kritischen Themen seien etwa Einbürgerungen und Umweltthemen. «Auf Erzürnte sollte man zugehen und der Kritik Argumente entgegensetzen», so Goldenberger.

Wichtig sei es, einen sachlichen Umgang mit der Angelegenheit einzufordern. «Dazu gehört es auch, Fehler offen zuzugeben», so Goldenberger.

Negative Äusserungen in «Kaiseraugst lebt»

Françoise Moser, Gemeindepräsidentin von Kaiseraugst, wollte wissen, wie die Gemeinde reagieren soll, wenn es in der Facebook-Gruppe «Kaiseraugst lebt» zu negativen Äusserungen gegenüber der Gemeinde kommt.

Bei wenigen kritischen Äusserungen, so Goldenberger, sollte man zuerst beobachten, dann jedoch, wenn sich die Stimmen häufen, könne man als Gemeinde auch eine Stellungnahme direkt als Kommentar in die Facebook-Gruppe schreiben – sofern es sich um Themen von öffentlichem Belang handelt.

Um eine direkte Kommunikation mit der Bevölkerung zu pflegen, wird die Gemeinde Stein ab März Facebook und Instagram bewirtschaften, so Gemeindeschreiber Sascha Roth. Für das Social-Media-Team suche man noch eine Person jüngeren Alters mit dem Blickwinkel eines «Digital Natives».

Frick und die elektronische Geschäftsverwaltung

Der Fricker Gemeindeschreiber Michael Widmer referierte über seine Erfahrungen mit der elektronischen Geschäftsverwaltung. Ein grosser Vorteil sei, dass einzelne Dokumente zeit- und ortsunabhängig abgerufen werden können. Zudem spare man auf Dauer Platz, weil die Papier-Archivierung entfiele. Probleme bereite unter anderem das Einscannen von Bauplänen mit grossem Format. Jedoch bilanzierte Widmer, dass die elektronische Geschäftsverwaltung nicht mehr wegzudenken sei.

Autor

Dennis Kalt

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