Möhlin

Brennender Tiefkühler: «Der Einsatz war völlig unverhältnismässig»

Möhlin: Kritik an Grosseinsatz

Möhlin: Kritik an Grosseinsatz

Für die Anwohner ist klar: Der Grosseinsatz wegen eines Kühlschrankbrandes war unverhältnismässig. Was übrig bleibt, sind der liegengebliebene Kühlschrank und eine saftige Rechnung.

Möhlins Gemeindeammann Fredy Böni übt Kritik am Grosseinsatz vom Dienstagabend – dieser kostet mehrere zehntausend Franken – und das nur wegen eines brennenden Tiefkühlers.

Vier Rega-Helikopter, 15 Ambulanzen sowie hunderte Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Care-Teams, Samariter und dem kantonalen Katastrophenelement – das Aufgebot beim Brand in Möhlin vom Dienstagabend war enorm (siehe Kontext).

«So etwas habe ich noch nicht erlebt», sagte der Möhliner Feuerwehrkommandant Jürg Wirthlin verblüfft. Und Gemeindeammann Fredy Böni befindet zwei Tage später gar: «Das war unverhältnismässig.»

Die Feuerwehr habe den Brand schliesslich im Griff gehabt und die Betroffenen gerettet. Böni hat sich inzwischen mit einem Fragekatalog an das zuständige Departement gewandt. Er will unter anderem wissen, wie der Grosseinsatz genau zustande kam. «Wir haben dieses Gesetz für Grossereignisse. Und das war der Brand vom Dienstag nicht», so Böni.

Er rechnet mit weit über 10 000 Franken, die dem Feuerwehrbudget der Gemeinde belastet werden müssen.

Im Einsatz standen rund 80 Mitglieder der Möhliner Feuerwehr und das über mehrere Stunden. Besoldet werden sie mit je 40 Franken pro Stunde. Da drängen sich auch die Fragen auf, was der gesamte Einsatz gekostet hat – und: Wer das bezahlt?

Rechnung an die Patienten

Angefangen bei den 15 Ambulanzen. Hier gibt das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) einen Einblick in die entstandenen Kosten.

So wird beim GZF-Rettungsdienst pro Einsatz eines Krankenwagens eine Grundpauschale von 702 Franken verrechnet. Hinzu kommt ein Betrag für den «zusätzlichen Zeitaufwand», sofern dieser mehr als eine Stunde beträgt – was in Möhlin der Fall war.

Grossalarm wegen Kühlschrank

Grosseinsatz wegen Kühlschrankbrand

«Jede Ambulanz kostet so rund 1150 Franken», sagt Sprecherin Miriam Crespo. Im Einsatz waren am Dienstag drei GZF-Rettungswagen, was Kosten in der Höhe von rund 3500 Franken ergibt.

Natürlich lässt sich daraus nicht einfach mittels Hochrechnung ableiten, wie viel die 15 Ambulanzen in Möhlin gekostet haben. Anfahrtsweg und Grundgebühren sind unterschiedlich. Aber: Es entsteht eine Grössenordnung. Und die beträgt zwischen 15 000 und 20 000 Franken.

Trägt die Rega die Kosten?

Das GZF schickt die Rechnung für den Einsatz an die behandelten Hausbewohner oder an die Versicherung des Brandverursachers. Anders bei der Schweizer Rettungsflugwacht Rega. Sie war am Dienstag mit drei Helikoptern (aus Basel, Bern und Zürich) in Möhlin. Ein vierter Helikopter aus St. Gallen hatte im Landeanflug umgedreht.

Rega-Sprecher Philipp Keller kann zwar keine genauen Angaben zu den Kosten für den Einsatz in Möhlin machen. Aber: «Eine Flugminute kostet 89 Franken.» Es ist daher davon auszugehen, dass der Einsatz in Möhlin einige tausend Franken gekostet hat.

Möglich ist, dass die Rega diese Kosten selber übernehmen muss. «Generell gilt: Wird kein Kostenträger gefunden, schreibt die Rega die Ausgaben für den Einsatz ab», sagt Keller. Kostenträger ist im Normalfall der behandelte Patient – in Möhlin aber wurde niemand behandelt.

Zu den Einsätzen der Rettungskräfte kommen im Fall von Möhlin noch die Entschädigungen für die anderen Einsatzkräfte – etwa das kantonale Katastrophenelement.

«Diese beziffern sich auf einige tausend Franken», sagt Balz Bruder, Sprecher des kantonalen Gesundheitsdepartements. Verrechnet werden die Ausgaben dem Verursacher des Ereignisses, sofern dieser ermittelt werden kann. Falls nicht, übernehmen die Institutionen oder deren Träger die Ausgaben.

Obwohl er die Verhältnismässigkeit des Einsatzes vom Dienstag infrage stellt, sieht Gemeindeammann Fredy Böni übrigens auch Positives: «Es hat alles geklappt mit dem Grosseinsatz – sollte wirklich einmal ein Grossereignis sein, ist der Aargau sicher gewappnet.»

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