Tempolimit

Bremst Oeschgen bei Tempo 30? Der Gemeinderat will für eine Teilstrecke am bisherigen Limit festhalten

Nicht überall in Oeschgen soll bald Tempo 30 gelten.

Nicht überall in Oeschgen soll bald Tempo 30 gelten.

Nicht überall soll Tempo 30 eingeführt werden. So will der Gemeinderat für eine Teilstrecke der Dorfstrasse an den momentanen 50 Kilometern pro Stunde festhalten. Am Freitag wird in der Gemeindeversammlung darüber abgestimmt.

Geht Oeschgen nun doch nicht so stark vom Gaspedal wie ursprünglich gedacht? Tempo 30 im Gemeindegebiet nordöstlich der Sissle soll zwar kommen, doch nicht überall. Im Abschnitt von der Postauto-Haltestelle Hinterdorfstrasse (Höhe Restaurant Schwanen) bis zum Dorfausgang Richtung Frick soll weiter Tempo 50 gelten. Am Freitag stimmt der Oeschger Souverän in der Gemeindeversammlung darüber ab.

Hauptargument des Gemeinderates für den Teilrückzieher – der öffentliche Verkehr. Tempo 30 bremse diesen auf seiner Fahrt durchs Dorf zu stark aus. Schon jetzt seien die Anschlusszeiten in Stein (Richtung Basel) und Frick (Richtung Zürich) sehr knapp. Zur Rushhour schaffe es das Postauto oft schon nicht mehr, die Passagiere rechtzeitig zu den Bahnhöfen zu chauffieren. Ein Problem, das sich mit Tempo 30 noch verschärfe. Zu dem Schluss kommt auch das jüngste Verkehrsgutachten des Planungsbüros Ballmer und Partner, auf das sich der Gemeinderat für seinen Antrag stützt. «Der grösste Zeitverlust wird bei Tempo 30 im Abschnitt Haltestelle Hinterdorfstrasse bis zum Dorfausgang ausgemacht», heisst es folglich in der Botschaft zur Gemeindeversammlung. Weil dort ein durchgehend ausgebauter Gehweg bestehe, sei die Gefährdung der Fussgänger vergleichsweise gering und Tempo 50 auf dem 800 Meter langen Abschnitt weiterhin «verantwortbar».

Gefahr, ganz vom Posti abgehängt zu werden

Demgegenüber stehe das Risiko, dass Oeschgen womöglich ganz vom Postauto abgehängt werden könnte, gibt Gemeindeammann Christoph Koch zu bedenken. Dass der Bus dann die direkte Verbindung über die Kantonsstrasse nimmt und nicht mehr den Schlenker ins Dorf macht. «Darüber muss man sich bei seinem Votum am Freitag schon bewusst sein», so Koch.

Mit dem Thema Verkehrsberuhigung beschäftigen sich die Oeschger schon seit knapp zwei Jahren. Bei der Wintergmeind 2018 wurde mit einem Überweisungsantrag der Gemeinderat beauftragt, Tempo 30 im Dorf zu prüfen. Im Sommer 2019 lag das Konzept vor, das sogar noch einen Schritt weitergegangen war. Denn zusätzlich zu Tempo 30 im ganzen Dorf wollte die Exekutive den zum Teil unübersichtlichen Bereich der Dorfstrasse zwischen Pfarrhaus und Sisselbachbrücke zur Begegnungszone machen, wo Tempo 20 gegolten hätte und Fussgänger immer Vortritt gehabt hätten. Doch der Souverän zog in der Sommergmeind nicht mit. Er bewilligte nur 75000 Franken für die Umsetzung von Tempo 30.

Bei Tempo 30 bis zu 25 Sekunden mehr

Hätte im Falle der Verwirklichung einer Begegnungszone Postauto nicht noch grössere Bedenken gehabt? «Die Begegnungszone hätte das Postauto nicht so stark betroffen», erklärt Koch. In diesem Bereich vom Dorf sei es aufgrund der engen Kurven ohnehin kaum schneller unterwegs. Und jetzt soll es noch einen Schritt mehr in die andere Richtung gehen – mit weiterhin erlaubten 50 Kilometern pro Stunde auf dem 800 Meter langen Abschnitt der Hinterdorfstrasse Richtung Frick.

Laut Ballmer und Partner würde sich, wenn auch dort 30 Kilometer pro Stunde vorgeschrieben wären, die Bus-Fahrzeit um 15 bis 25 Sekunden erhöhen. Ob das wirklich die Ver­spätungs-Pro­ble­matik so stark verschärft, stellte jüngst ein Lesebrief-­Schreiber in dieser Zeitung in Frage. Koch vermag das nicht zu beurteilen. «Das ist die Argumentation von Postauto», sagt der Gemeindeammann.

Falls die Oeschger Stimmbürger am Freitag Ja zum Antrag des Gemeinderates sagen, beginnt laut Koch die entsprechende Signalisation. Von den 2019 bewilligten 75000 Franken ist schon ein Teil für das Verkehrsgutachten von Ballmer und Partner ausgegeben worden. Bau­liche Massnahmen sind Koch zufolge im Zusammenhang mit Tempo 30 in der Gemeinde Oeschgen keine geplant.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1