Bezirksgericht Rheinfelden
Betrug in Aargauer Kirchenchor: Frau schuldet Rentner 75'000 Franken

Ein Rentner hat einer Frau insgesamt 75'000 Franken ausgeliehen. Die angebliche Freundin zahlte ihm das Geld jedoch nicht zurück. Nun sahen sie sich vor dem Richter wieder.

Stefania Telesca
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Die Frau bat den Rentner um ein Darlehen, er überwies ihr insgesamt 75'000 Franken. (Symbolbild)

Die Frau bat den Rentner um ein Darlehen, er überwies ihr insgesamt 75'000 Franken. (Symbolbild)

Keystone

Es begann als vermeintliche Freundschaft in einem Aargauer Kirchenchor und endete als Rechtsstreit vor Gericht. Eine 50-jährige Frau lernte 2014 bei einer Vereinsversammlung ihres Chors einen viel älteren Herrn kennen. Zwischen ihr und dem Rentner entwickelte sich nach und nach ein Vertrauensverhältnis. Immer wieder soll sie sich bei ihm über finanzielle Probleme ausgeheult haben. Dies in Folge ihrer Scheidung.

Sie bat ihn um ein Darlehen – nur wenige Wochen später überwies der Mann ihr 10'000 Franken. «Nach der ersten Zahlung kamen dauernd neue Forderungen dazu», sagte der geprellte Rentner gegenüber der Rheinfelder Gerichtspräsidentin, als der Fall Ende August verhandelt wurde. Der Rentner soll der Frau über einen Zeitraum von fast einem Jahr insgesamt 75'000 Franken übergeben haben. Jeweils ohne Quittung, wie diese es gewünscht hatte. Eine Schuldanerkennung hatte sie nicht unterschreiben wollen, wie der Mann erläuterte: «Sie war erbost, als ich sie darum bat.» Sie hatte ihm versprochen, ihm das Geld zurückzuzahlen. Den Betrag wollte sie aus dem angeblichen Verkauf einer Wohnung generieren. «Sie sagte, ich solle ihr doch vertrauen.»

Doch der Rentner sah das Geld nie wieder. Auf Nachdruck hin soll die Beschuldigte sogar mit Selbstmord gedroht haben. «Ich dachte, ich darf doch nicht schuld sein, dass sie sich umbringt», so der Mann. Weiter soll sie damit gedroht haben, seinen Kindern alles über die Darlehen zu erzählen. «Sie wären dagegen gewesen und ich hatte ein schlechtes Gewissen», sagte der Rentner. Nebst Bargeld soll er ihr auch einen Fernseher, einen Ring und gemeinsame Nachtessen finanziert haben.

«Es war offensichtlich, dass er mit Geschenk beeindrucken wollte»

Vor Gericht hüllte sich die Beschuldigte in Schweigen. Sie sagte lediglich, dass sie sich ungerecht behandelt fühle. Ihr Verteidiger nannte die ersten 10'000 Franken eine Schenkung. Doch für alle weiteren Geldübergaben oder allfällige Rückzahlungsverpflichtungen gebe es keine ausreichenden Beweise, argumentierte er. Ausserdem habe der Rentner nicht aus Selbstlosigkeit gehandelt, sagte der Verteidiger der Frau. «Es ist offensichtlich, dass er mit den Geschenken Eindruck machen wollte.» Er forderte für seine Mandantin einen Freispruch.

Nun hat das Bezirksgericht Rheinfelden das Urteil gefällt: Die Beschuldigte wird wegen mehrfachen Betrugs zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 100 Franken, total 8000 Franken, verurteilt. Ausserdem hat das Gericht die Zivilklage gutgeheissen: Die Frau muss dem Rentner den Betrag von 75'000 Franken zurückzahlen. Sein Anwalt hatte dies gefordert. Das Urteil kann an die nächste Instanz weitergezogen werden und ist noch nicht rechtskräftig.