Laufenburg

Besucher sassen im Dunkeln

Erik Nolmans, Murielle Kälin und Natalia Dauer (hinten von links) mit Christian Haller am Lesetisch. Bild: Peter Schütz

Erik Nolmans, Murielle Kälin und Natalia Dauer (hinten von links) mit Christian Haller am Lesetisch. Bild: Peter Schütz

In der Kulturschüür fand die dritte Ausgabe von «Reading by Night» statt.

«Im Dunkeln lässt sich gut munkeln» oder «Nachts sind alle Katzen grau»: Zitate und Sprüche, die sich um die Dunkelheit drehen, gibt es viele und sind schnell dahin gesagt. Aber wenn Geschichten über dunkle Orte, düstere Handlungen und sogar den Tod in der Dunkelheit erzählt werden, ist das etwas anderes. Dann wird es, wie am Samstag in der Kultschüür in Laufenburg, ein wenig unheimlich. Schleicht sich ein Hauch von Düsternis heran, klimmt die Beine hoch oder legt sich leise in den Nacken.

Trotz der drei Teelichter, die Betriebsleiter Martin Willi als Orientierungshilfe aufgestellt hat, für den Fall, dass jemand dringend muss. Was bei einer Dauer von knapp zwei Stunden vorkommen kann. Immerhin drang zwischen den Lesungen ein bisschen Licht von einer kleinen Leselampe in den Raum, damit die Musikerin Natalia Dauer im Obergeschoss an Piano oder Cello die Noten lesen konnte. Sobald die Autoren Passagen aus ihren Büchern zu lesen begannen, war die Kultschüür aber wieder in tiefes Schwarz gehüllt. Wem es dann immer noch ein Tick zu hell war, musste einfach nur die Augen schliessen.

Die dritte Austragung von «Reading by Night» wurde passend besetzt. Christian Haller, für ihn war es ein Heimspiel, entführte die Zuhörer als Ich-Erzähler in eine «schattendunkle Welt», berichtete von nackten Leibern, Toten, leeren Flaschen, von einer Höllenwelt, in der sogar Dante erschien.

Murielle Kälin aus Starrkirch-Wil SO hatte ihr Buch «Hin-über – tot, töter am tötesten» im Gepäck – ein Buch, das nach eigenen Angaben «alles beinhaltet, was das Leben so ausmacht». Kälin beschrieb den Tod als kaffeetrinkenden, Popcorn nicht verschmähenden Kumpel eines blauen Schutzengels, der kein Schlumpf, aber nahe dran war und Sonnencrème mit Schutzfaktor 300 bevorzugte. In ihrer Erzählung war das Sterben zwar eine morbide Angelegenheit, aber unvermeidlich und in der Konsequenz mit einer Prise Humor annehmbar.

Erik Nolmans aus Rapperswil-Jona schliesslich las aus «Die vierzig Tage der Lagune», eine Liebesgeschichte während des Carnevale in Venedig. Auch er zog die Zuhörer in dunkle Gefilde hinab, erzählte von Grabstätten, von einem Friedhof, verdorrten Sträuchern und schuf dadurch das entsprechende Ambiente für den soeben erst angebrochenen November.

Während die Zuhörer in der Dunkelheit sassen, kamen die Worte via Mikrofon und Lautsprecher aus einem Nebenraum. Anders als beim Kino flimmerten keine Bilder vor den Augen. «Reading by Night» war eher eine Art Kopfkino und eine Aufforderung, genau hinzuhören, sich nicht ablenken zu lassen und die eigene Imagination auszuloten.

Peter Schütz

Meistgesehen

Artboard 1