Heimatkunde

Als die Fricktaler Gemeinden halfen, die Not der Deutschen zu lindern

In der Jahreschrift «Vom Jura zum Schwarzwald» der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde liegt der Fokus auf der Kriegs- und Nachkriegszeit.

Das Heute ist das Gestern im Morgen. Und damit dieses Gestern im Heute präsent bleibt, damit das, was war, nicht verloren geht, damit es greifbar bleibt, hörbar, fühlbar auch, schreiben es Menschen mit Affinität zur Geschichte, zur Kultur, zur Region auf.

In diesem Kontext leistet die Fricktalisch-Badische Vereinigung für Heimatkunde seit 1925 mit ihrer Schrift «Vom Jura zum Schwarzwald» wertvolle Arbeit, hält in Worten und Bildern fest, was sonst womöglich verloren ginge, verloren wäre – für immer.

Das Layout, die Schrift, die Fotos haben sich in all den Jahren, in denen die Schrift nunmehr erscheint, geändert, haben sich dem Zeitgeist angepasst und sind doch, im besten Sinn des Wortes, zeitlos geblieben.

Die aktuelle Ausgabe, Nummer 92, die am Donnerstagabend präsentiert wurde, kommt in rundum erneuertem Gewand daher. Es sei ein tolles Werk geworden, befand David Wälchli, Präsident der Vereinigung, entstaubt, lebendiger, farbiger.

Man habe die Druckerei wechseln müssen, erklärte Redaktor Linus Hüsser, und diesen Moment habe man genutzt, um etwas Neues zu wagen. Anders ist auch das Papier; vom Glanzpapier hat die Redaktion auf mattes Papier umgestellt. Eine Angleichung an den Zeitgeist, denn mattes Papier ist heute bei Publikationen «in».

Im Innern überzeugt die Schrift mit Themen, die zu Herzen gehen, die nachdenklich stimmen, zum Staunen anregen, auch mal ein Schmunzeln auf das Gesicht zaubern. Vier der neun Artikel befassen sich mit einem der düstersten Kapitel der Geschichte, dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach.

Wie gross die Not damals war, das Leid, das Elend, sei für uns Menschen heute kaum mehr vorstellbar, meinte Hüsser. Aber auch die Hilfsbereitschaft war, gerade nach dem Krieg, immens.

Wolfgang Bocks etwa zeigt in seinem lesenswerten Beitrag die vielfältige Schweizer Hilfe für die badischen Notstandsgebiete zwischen 1945 und 1949 auf.

Schweizer Gemeinden halfen mit Lebensmittelspenden

Es war eine Zeit, in der in Deutschland die Lebensmittel knapp waren, in denen die Menschen, gerade auch Kinder, Hunger litten. Gemeinden aus dem Bezirk Laufenburg versuchten, wie der Artikel von Franz Schwendemann eindrücklich zeigt, die Not im badischen Grenzgebiet mit Lebensmittelspenden zu lindern.

Wie gross die Not war, zeigt eine fingierte Todesanzeige aus dem Jahr 1947, die ebenfalls im Beitrag von Schwendemann abgedruckt ist: «Schmerzerfüllt teilen wir Ihnen mit», stand da, «dass heute früh sechs Uhr unser letztes Brot im Alter von nahezu zwei Tagen heimgegangen ist. Es folgte ihm gleichzeitig das letzte halbe Achtel Butter in die Ewigkeit. Mit knurrendem Magern werden wir ihrer stets gedenken.»

Eveline Klein rückt in ihrem Beitrag die Flüchtlinge und Vertriebenen ins Licht, die nach dem Ende des Krieges Bad Säckingen zugewiesen wurde.

«Deren Unterbringung, Verpflegung, Beschäftigung und Integration stellte für die Kleinstadt in den kommenden Jahren eine grosse Herausforderung dar», heisst es im Intro des Artikels.

Der vierte Artikel aus der Kriegs- und Nachkriegszeit handelt von der Kunststrickerin Mathilde Riede-Hurt. Gerhard Trottmann spürt in seinem Beitrag ihrem Leben nach, das vor, während und nach dem Krieg manche Schicksalsschläge erdulden musste, die in ihren Werken und Tagebucheinträgen greifbar werden.

Von den Römern auf die Burg nach Laufenburg

In die Römerzeit nimmt derweil Luisa Trottmann die Leser in ihrem Beitrag über die römische Wasserleitung in Mumpf mit, auf die Burg Laufenburg entführt Edith Hunziker die Leser und zeigt, wie sich die Burg von einer Ruine zu einem Tummelplatz und beschaulichen Aussichtspunkt entwickelte.

Die letzten beiden Artikel nehmen die Leser nach Bad Säckingen mit – zur Musik am Damenstift (Adelheid Lang) und zu den Biermarken als Dokumente der Regionalgeschichte (Jürgen Wild).

Die Fricktalisch-Badische Vereinigung für Heimatkunde legt, einmal mehr, eine ebenso spannende wie tiefgründige Ausgabe vor. Sie ist ein weiteres Puzzlestück im Gedächtnis der Region.

Dieses Gedächtnis ist nun auch elektronisch verfügbar: Auf www.e-periodica.ch, einer von der der ETH Zürich verantwortete Plattform für Schweizer Zeitschriften, können sämtliche bisher erschienen Ausgabe abgerufen werden.

Gedruckt bezogen werden kann die 140 Seiten starke Jahresschrift in der Buchhandlung Letra in Frick oder bei der Vereinigung (www.fbvh.org) für 30 Franken.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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