Das Museum Schiff gehört heute zu den Perlen von Laufenburg. Es gibt Einblicke in die Stadtgeschichte und vermag mit seinen Jahresausstellungen jeweils zu überzeugen.
Vor 40 Jahren gab es das Museum noch nicht – und es war im Städtchen umstritten, ob die Stadt dem Museumsverein für den Kauf des Hotels Schiffs ein Darlehen von 250 000 Franken gewähren soll. Damit – und mit weiteren (Eigen-)Mitteln – wollte der Verein die Liegenschaft erwerben und sanieren. Der «Tagblatt»-Redaktor fand die Idee wohl ganz gut, schrieb er doch: «Damit wäre Laufenburg Schweiz endlich in den Besitz eines Dorfmuseums gekommen, wie dies Badisch-Laufenburg seit nun geraumer Zeit vorweisen kann.»

Wäre, hätte – die Wortwahl lässt es erahnen: So einfach ging es dann doch nicht mit dem Darlehen für das Museum. An der Gemeindeversammlung im Dezember 1978 ging der Kredit zwar «ohne Aufhebens» über die Bühne, wie das «Aargauer Tagblatt», das später mit dem «Badener Tagblatt» zur «Aargauer Zeitung» fusionierte, Ende Januar 1979 rückblickend schrieb. Doch das Engagement für ein Museum mit Steuergeldern passte, aus unterschiedlichen Gründen, nicht allen Laufenburgern und so weibelten einige Einwohner mit Unterschriftenbögen durch die Gassen.

93 Unterschriften hätte es für das Referendum gebraucht – 99 kamen zusammen. Stadtammann (und Vereinsmitglied) Alfred Kuratle sagte zum Tagblatt, dass er das Referendum «gar nicht erwartet» habe. «Diverse kleinere Gründe, die nun zusammengeballt» das Referendum ermöglicht hätten, seien wohl ausschlaggebend gewesen, mutmasste Kuratle im «Tagblatt». Do, so Kuratle weiter, dies sei eben Demokratie und so müsse nun das Volk an der Urne entscheiden.

Das tat es im Februar 1979 auch – und zwar hauchdünn, mit nur drei Stimmen Unterschied. «Stimmbeteiligung 62 Prozent!», steht dazu in den Annalen des Museumsvereins. «Dem Darlehensbeschluss von Fr. 250 000 stimmen 272 Stimmberechtigte zu, 269 sind dagegen.» Damit konnte der Verein den Kaufvertrag über 188 000 Franken abschliessen. «Die Beratungen über Renovation und Ausbau beginnen», vermerken die Museumsannalen zudem unter «1979, Feb. 18».

Ein gutes Jahr später, am 14. März 1980 stimmt der Verein an seiner zweiten Generalversammlung im Hotel Roter Löwen – auch den gab es damals noch als Gastwirtschaft – dem Beginn der ersten Bauetappe zu. Wiederum gut ein Jahr später, vom 26. bis 28. Juni 1981, lädt der Verein zum grossen Museumsfest ein – mit «gleichzeitiger Eröffnung des Museums».

Auch die Saurier werden museal

Es war, damals, Ende der 1970er-Jahre, ohnehin die Zeit der Museen im Fricktal. In der gleichen Ausgabe, in dem das «Tagblatt» über das Referendum in Laufenburg berichtete, schrieb es auch über das «Fricker Saurierproblem», wie es im Lead heisst.
Am Stammtisch mit dem Fricker Gemeinderat – noch etwas, was es damals noch gab – wartete Gemeinderat René Picard mit Neuigkeiten für die Plateosaurier-Fans auf. Die «bedeutendsten Saurier-Koryphäen der Schweiz» seien der Meinung, die Fricker Funde seien «von nationalem Interesse», hält der Artikel fest. Mehr noch: Eventuell könnten die Funde in der Grube der Tonwerke Keller AG, so informierte Picard die rund 30 Stammtischteilnehmer, «sogar internationales Echo finden», da verschiedene Anzeichen vorhanden seien, «wodurch die Lehrmeinungen über diese Urviecher geändert werden müssten.» Roaaar, kann man mit den Fricker Dinos da nur sagen.

Die Gemeinde ging den Kanton gleichzeitig, so orientierte Picard weiter, um einen Beitrag von gut 100'000 Franken für die Präparierung der «ausgebuddelten Knochen» an. «Zudem wurde der Regierungsrat eingeladen, die ‹schrecklichen Echsen› (Dinosaurier in der Übersetzung) aus der Nähe zu betrachten», schrieb der Journalist, ergänzte dann flugs: «Zumindest deren Knochen.»

Die Fricker Saurierfunde strahlten damals tatsächlich weit über die Region hinaus aus und sorgten nicht nur in der Fachwelt für Furore, was sie auch heute noch tun. Bereits im Jahr zuvor, 1978, wurde in den Räumlichkeiten der Tonwerke Keller AG ein kleines Museum eröffnet. Als 1985 dann ein vollständiges Plateosaurierskelett – eine kleine Sensation! – gefunden wurde, war schnell klar: Das muss gezeigt werden. Im bisherigen Museumsraum war das nicht möglich und so kam die Idee auf, ein richtiges Museums zu bauen. Wobei: Gebaut werden musste nichts, als Lokalität kam das Untergeschoss des Schulhauses 1912 zum Zuge. Dort, wo früher Schüler am Reck turnten, recken sich heute die Dinosaurier in die Luft. Das Museum wurde im Herbst 1991 eröffnet.

Der Fricker Saurier in Brüssel

Auch dieses Museum ist längst zu klein, um die vielen Funde zu zeigen. Statt die Knochen nur einzulagern, hat man einige Funde anderen Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt. So räkelt sich seit rund einem Jahr ein fürwahr ansehnliches Exemplar eines Plateosauriers im königlichen belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel vor bis zu 300 000 Besuchern pro Jahr.

Doch zeigen würde man mehr Dinos ja lieber in Frick. Deshalb geistert seit einigen Jahren die Idee eines neuen Museums herum – am liebsten gleich hinter dem Bahnhof. Dort also, wo die Saurier-Fundstellen sind, dort, wo Ben Pabst, der Dinopapst von Frick, mit seinem Team alle paar Monate für eine neue kleinere oder grössere Sensation sorgt – sei es, dass er einen XXL-Saurier ausbuddelt, sei es, dass er auf einen XS-Dino stösst.

Inzwischen ist die Vision zumindest schon zu einer Idee gereift, die nun von einer siebenköpfigen Arbeitsgruppe konkretisiert wird. «Die Arbeitsgruppe hat den Auftrag, die Voraussetzungen für ein neues Sauriermuseum mit überregionaler Ausstrahlung zu schaffen», sagte Gemeinderätin Susanne Gmünder im letzten November zur AZ. Geklärt werden soll dabei der genaue Standort des Museums ebenso wie die Finanzierung.

Neues Museum in zehn Jahren?

Beim Standort liegt die Präferenz auch deshalb beim Grabungsareal, weil die Tatsache, «dass diese Fundstellen in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs liegen, die einzigartige Chance birgt, in einem Museum auch die Fundorte erlebbar zu machen», sagte Gmünder zur AZ.

Klären muss die Arbeitsgruppe sowohl die Frage der Finanzierung des Neubaus als auch jene des späteren Betriebs. Dass Frick sich daran finanziell beteiligt, ist naheliegend, schliesslich ist der Saurier das Markenzeichen von Frick und taucht an allen Ecken und Enden auf, sei es als Kreiselschmuck, Sitzbank oder Abfalleimer. «Der grösste Teil der Mittel ist jedoch über Spenden, Sponsoren und andere Quellen wie Swisslos-Beiträge aufzubringen», sagte Gmünder.

Noch ist der Weg zu einem neuen Museum weit und hürdenreich. Bis die Dinos ein neues Zuhause haben, so schätzte Gmünder im November, dauere es mindestens fünf bis zehn Jahre. Gut Ding will eben Weile haben – und fünf bis zehn Jahre sind bei Knochen, die schon Millionen Jahre alt sind, nicht gerade viel.