Fricktal

91 Seiten über beide Laufenburg: Erster Burgschreiber veröffentlicht Buch

«Ankommen in Laufenburg» heisst das Buch von Markus Manfred Jung über seine Zeit in Laufenburg.

«Ankommen in Laufenburg» heisst das Buch von Markus Manfred Jung über seine Zeit in Laufenburg.

Von März bis Mai 2019 war Markus Manfred Jung als erster Burgschreiber von Laufenburg aktiv. Im Rahmen dieses grenzüberschreitenden Literatur­stipendiums hielt sich der Autor aus Hohenegg ein Vierteljahr in der Doppelstadt am Rhein auf und verfasste Gedichte und Geschichten.

Die Texte sind nun in dem Buch «Ankommen in Laufenburg» erschienen. Der von beiden Städten herausgegebene Band mit Prosa, Lyrik und Glossen Jungs wird am 29. Januar im Buch & Café am Andelsbach vorgestellt.

Das Buch ist eine bleibende Erinnerung an Jungs literarisches Wirken in Laufenburg. Mit Jung sei ein idealer erster Burgschreiber gefunden worden, der das von der Jury vorgegebene Thema «Ankommen» hervorragend umgesetzt habe, so Bürgermeister Ulrich Krieger und Stadtammann Herbert Weiss im Vorwort. In den Texten könne man die beiden Städte durch die «Brille eines Aussenstehenden» mit völlig neuen Augen sehen. Diesen «unbefangenen und erfrischenden Blick von aussen» heben auch die Initiatoren des Projekts, Petra Gabriel und Martin Willi, hervor. Jungs augenzwinkernde, aber auch ernste Einsichten machten das Lesen zu einem Erlebnis.

Im Buch finden sich Texte sowohl in Schriftdeutsch als auch in alemannischer Mundart. In acht Geschichten unter dem Titel «Ankommen» beschreibt Jung, auf welchem Weg man nach Laufenburg gelangen kann: auf Strasse, Schiene, Fluss, im Auto, Bus, Zug, Fahrrad oder zu Fuss. Er schreibt vom «Stau, Stau, Stau» auf der Fahrt auf der Schweizer Seite und vom «Stau» im übertragenen Sinn, bezogen darauf, wie es mit der denkmalgeschützten Altstadt weitergehen soll.

«Klein-Amerika» im ­Laufenpark

Der Autor hat sich der «Doppelstadt mit Herz» aus verschiedenen Richtungen und Blickwinkeln angenähert. Von Süden her vom Fricktaler Höhenweg, wo ihm beim Abstieg zur Stadt «stockbewehrte Tictac-Stechschrittler» und ein «Goretexpaar» entgegenkommen und ihm die vielen Schilder im Wald auffallen. Auf dem Wasser-Weg, auf dem Rhein paddelnd, oder am Ufer entlang gehend, sinniert Autor Jung über die Salmenwaage, die Fischereitradition und das einstige grandiose Naturschauspiel des tosenden Laufen, das grosse Maler festgehalten haben. Eine andere Route führte ihn auf einer Wanderung vom Hotzenwald herab, am naturbelassenen Bach entlang, durch Wirtschafts- und Bannwald.

Von Osten her auf der Bundesstrasse herkommend richtet sich Jungs Fokus auf «Klein- Amerika», wie er das Einkaufszentrum Laufenpark nennt, wo es «schier alles» gibt: «Hier sieht man, warum die Innenstädte beider Laufenburg mehr und mehr zu Schlafstädten mutieren.» Mit wachem, liebevollem, auch kritisch-hinterfragendem Blick hat sich Jung die beiden Laufenburg erwandert und Beobachtungen, Erfahrungen, Eindrücke, Gedanken in den Texten «Ankommen 1–8» zusammengefasst. Es sind literarische Impressionen, die Natur, Landschaft, Ortschaften und Erlebtes detailgenau, präzise und bildhaft beschreiben und auch vieles aus der Geschichte Laufenburgs reflektieren.

Prosasplitter über kuriose Begegnungen

Was für ein genauer Alltagsbeobachter Jung ist, verraten seine «Schwarzen Miniaturen». In diesen kurzen Prosasplittern, die mit dem Wort «schwarz» spielen, schreibt Jung über ungewöhnliche Dinge, kuriose Begegnungen und seltsame Beobachtungen, die ihm aufgefallen sind, etwa eine junge Frau, die in der Codman-Anlage als lebende Statue posiert, eine Kuh, die aus dem Rhein gerettet wird, eine «Hochzeitsparkuhr» oder einen Plausch beim Bärlauch-Pflücken im Frühling. Aus spontanen Notizen hat Jung diese pointierten Miniaturen verfasst.

Die verschiedenen sprachlichen Formen machen das Buch spannend. So sind darin auch Gedichte und Glossen in Mundart enthalten. Mit Witz, Humor und Ironie bringt Jung in den Glossen Wunderliches und Skurriles aus dem Alltag auf den Punkt. Die Satiren über einen missverständlichen Dialog in der Buchhandlung oder «Des Rätsel Frau» zeigen Jung von seiner humorvollen Seite. Auch die Wirtschaftsepisoden wie in «Brutsches Rebstock» sind ein grosses Lesevergnügen. Aus ­Bildern im Kopf sind die Mundartgedichte entstanden, in denen Jung lyrisch verdichtet das Ankommen in Laufenburg, den Rhein, die Menschen, denen er hier begegnet ist, in wortschöpferische assoziative Sprachbilder umsetzt: auf das Wesentliche konzentrierte Lyrik von ganz eigenem Wortklang.

Spannend zu lesen ist auch das Theaterstück «D Bluetschuld vo Laufeburg», das Jung 2007 als Auftragsarbeit zum 800-Jahre-Stadtjubiläum verfasst hatte. In dem Historienspiel geht es um tragische Ereignisse während des Dreissigjährigen Kriegs, als der Hochrhein Schauplatz von Kämpfen, Plünderungen und Verwüstungen war.

Buch wird Ende Monat ­öffentlich vorgestellt

Auf 91 Seiten bietet das Buch den «ganzen» Markus Manfred Jung: den Mundartlyriker, Glossenschreiber, Essayisten und Theaterautor, und es fasst zusammen, was er in den 13 Wochen als Burgschreiber in Laufenburg erlebt und was ihn literarisch inspiriert hat.

Das Buch «Ankommen in Laufenburg» mit Texten von Markus Manfred Jung, erschienen im Drey-Verlag, ist bei Buch & Café am Andelsbach und in der Tourist-Info Laufenburg erhältlich. Buchvorstellung am 29. Januar, 19 Uhr, Buch & Café am Andelsbach. Der zweite Teil der Lesung findet nach einem Spaziergang über die Grenze direkt anschliessend in der Kultschüür auf Schweizer Seite statt.

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