Zufikon
Rigimarsch ist abgesagt: Die Enttäuschung der Wanderfreunde ist gross

Die Enttäuschung ist sowohl bei den Organisatoren als auch bei den Teilnehmern gross: Schon zum zweiten Mal muss der Rigimarsch abgesagt werden und die Wandergemeinde muss auf das Abenteuer verzichten. Der Marsch hätte am 12. Mai stattgefunden mit 2000 Teilnehmern, die von Zufikon bis auf die Rigi marschiert wären.

Nathalie Wolgensinger
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Grossaufmarsch am Start in Bremgarten: Dieses Bild wird es heuer nicht geben, der Rigimarsch ist abgesagt.

Grossaufmarsch am Start in Bremgarten: Dieses Bild wird es heuer nicht geben, der Rigimarsch ist abgesagt.

AZ-Archiv (2007)

Wer eine der 2000 Startnummern für den traditionellen Rigimarsch ergattern will, muss normalerweise schnell sein. Letztes Jahr waren innerhalb von fünf Stunden sämtliche Startplätze vergeben. Und das für eine nicht zu unterschätzende Leistung, denn der Marsch von Zufikon auf die Rigi hat es in sich.

Bis nach Rotkreuz führt die Strecke entlang der Reuss. Dort biegt sie ab in Richtung Zugersee. In Immensee wartet das letzte und anspruchsvollste Stück auf die Wanderer. Es führt via unzählige Kehren bis ganz hinauf auf die Königin der Berge. Oben, auf 1798 Metern über Meer angekommen, lockt ein feines Buffet, wo man sich in geselliger Runde von den Strapazen erholen kann. Zurück ins Freiamt geht es anschliessend mit Transportbussen.

OK-Präsident Florian Schüepp weiss, weshalb der Lauf die Sportler derart fasziniert:

«Man startet am Abend und absolviert dann die Mehrheit der Strecke in der Nacht. Sobald es dämmert, hat man das Ziel, die Rigi, vor Augen. Dieser Marsch ist einfach etwas Einmaliges.»

Und nun muss er bereits zum zweiten Mal abgesagt werden. Das ist für die Organisatoren und auch für die Teilnehmer eine grosse Enttäuschung. «Wir mussten uns irgendwann entscheiden. Und derzeit sieht es leider nicht danach aus, dass im Mai Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern durchgeführt werden können», kommentiert Schüepp.

Der Sonnenaufgang ist eine Motivation für viele

Letztes Jahr mussten sich die Organisatoren um solche Fragen weitaus weniger Gedanken machen. Der Lauf hätte mitten im ersten Lockdown stattfinden sollen. Wer damals einen Startplatz ergatterte, hätte dieses Jahr wieder antreten dürfen.

Nun aber möchte das Organisationskomitee Tabula rasa machen. «Wir wollen nächstes Jahr auf Feld eins beginnen und haben deshalb beschlossen, dass die Teilnehmer ihre Startgelder wieder einfordern können», so Schüepp. Nächstes Jahr wird dann wie gewohnt am 3. Januar das Startfenster geöffnet und es gilt einmal mehr: «De Gschneller esch de Gschwender.»

Erstmals durchgeführt wurde der Rigimarsch 1975, er wurde damals als Vorbereitung auf den 100-Kilometer-Lauf Biel ins Leben gerufen. Während in Biel Läufer an den Start gehen, sind es im Freiamt zur Hauptsache Wanderer. Längst stammen die Teilnehmer nicht nur aus der näheren und weiteren Umgebung. Schüepp berichtet:

«Wir hatten schon Engländer und Schweden am Start.»

Lachend erzählt er von jenen Teilnehmern aus dem Reusstal, welche die Strecke von Baden nach Zufikon, quasi zum Aufwärmen, jeweils zu Fuss absolvieren. Die Motivation, an diesem Marsch teilzunehmen, sei vielfältig. Einige wollen ihre Kondition testen, andere wiederum geniessen die besondere Stimmung mitten in der Nacht und freuen sich auf den Sonnenaufgang auf der Rigi.

Alle Jahre wieder eine logistische Herausforderung

Der Marsch erfreut sich grosser Beliebtheit. Das führte 1991 dazu, dass man den Verein Rigi91 gründete. Die Organisation wurde professionalisiert und für alle geöffnet, die mitmachen wollten. Die Teilnehmerzahl stieg von damals 110 auf 2300 im Jahr 2016.

Die Organisatoren erbringen jedes Jahr eine logistische Meisterleistung. Sie empfangen die Teilnehmer in Zufikon und leiten sie in Gruppen aufgeteilt auf die Strecke. Unterwegs sind Streckenposten eingerichtet, wo den Frauen und Männern Bouillon und Äpfel ausgeteilt werden. Auch Sanitäter stehen im Einsatz und versorgen Blasen an den Füssen.

An neuralgischen Stellen stehen Helfer bereit, die den Verkehr leiten. Und schliesslich werden die Teilnehmer und ihr Gepäck wieder zurück an den Ausgangspunkt gefahren. Jahr für Jahr stehen 130 Leute dafür im Einsatz. Es bleibt zu hoffen, dass sie nächstes Jahr wieder zu einem Einsatz kommen.