Wohlen
Verwaltung fehlt der Platz: Betreibungsamt soll ins Migrosgebäude umziehen

In Wohlen wurde gerade der Umbau des Schulzentrums Halde für 56 Mio. Franken vom Einwohnerrat genehmigt und kommt vors Volk. Die Verwaltung muss, wenns ums Geld geht, warten. Nun beantragt der Gemeinderat, dass das Gemeindehaus, das komplett saniert werden sollte, zumindest besser aufgeteilt wird. Das Projekt soll 270'000 Franken kosten.

Andrea Weibel
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Das Gemeindehaus Wohlen muss dringend saniert werden. Nun kommt ein Projekt für 270'000 Franken vor den Einwohnerrat.

Das Gemeindehaus Wohlen muss dringend saniert werden. Nun kommt ein Projekt für 270'000 Franken vor den Einwohnerrat.

Chris Iseli (20.4.2020)

Viele Liegenschaften der Gemeinde Wohlen sind seit Jahren sanierungsbedürftig. Doch Schritt für Schritt macht sich die Gemeinde daran, diese wieder zu modernisieren und den heutigen Gegebenheiten anzupassen. Aushängeschilder sind Badi und Eisbahn. Künftige Aushängeschilder werden auch das Schulzentrum Halde und die Doppel-Dreifachturnhalle Hofmatte sein. Nicht zu den Aushängeschildern gehören wird aber nach wie vor das Gemeindehaus.

Das graue Gebäude an der Kapellstrasse 1 sei zwar eigentlich fällig für eine Gesamtsanierung, wie der Gemeinderat in seinem Bericht und Antrag an den Einwohnerrat schreibt. Aber: «Kurz- und mittelfristig lassen es weder die finanzielle Situation der Gemeinde noch die personellen Ressourcen der Abteilung Liegenschaften & Anlagen zu, eine umfassende Sanierung der beiden Verwaltungsimmobilien Gemeindehaus und Bankweg 2 ins Auge zu fassen», ist dem Gemeinderat schmerzlich bewusst. Er ergänzt:

«Die finanzielle Tragbarkeit einer Gesamtsanierung der beiden Verwaltungsimmobilien ist in den nächsten Jahren nicht gegeben.»

Dennoch muss etwas gemacht werden. Der Gemeinderat hat zusammengestellt, was zwingend unternommen werden muss – zum kleinstmöglichen Preis von 270'000 Franken.

Betreibungsamt zieht vorläufig über die Migros

«In unmittelbarer Zukunft besteht dringender Handlungsbedarf bezüglich Raumangebot im Gemeindehaus, da es überbelegt ist. Der laufende Verwaltungsbetrieb ist dadurch beeinträchtigt und verliert an Effizienz», hält der Gemeinderat fest. Aus diesem Grund sollen vorläufig zwei, in zwei Jahren dann ein drittes Projekt angepackt werden.

Als erstes soll das regionale Betreibungsamt für eine Frist von fünf bis zehn Jahre im dritten Obergeschoss über der Migros eingemietet werden. Dort müssen einige bauliche Änderungen vorgenommen werden, doch dann könnten die Mitarbeiter dieser Abteilung schon im Juli an der Bahnhofstrasse einziehen. Hier würde ein jährlicher Bruttomietzins von 59'100 Franken fällig, die nicht in den erwähnten 270'000 Franken Umbaukosten enthalten sind.

So würden zweitens Räume frei, die für die Bereiche Planung, Bau & Umwelt sowie Gesellschaft, Soziales & Bildung räumlich aufgeteilt werden könnten. Im August sollten diese Bereiche ihre neuen Büros beziehen können.

Die Regionalpolizei Wohlen wird an die Wilstrasse 57/59 ziehen.

Die Regionalpolizei Wohlen wird an die Wilstrasse 57/59 ziehen.

Christian Breitschmid

Etwas länger muss auf die dritte Änderung gewartet werden: Im Januar 2023 wird die Regionalpolizei (Repol) an die Wilstrasse 57/59 ausgelagert, wo sie mit der Feuerwehr und der regionalen Zivilschutzorganisation unter einem Dach unterkommt. Im Februar 2023 sollten dann die ehemaligen Repol-Räume im Gemeindehaus umgebaut werden können, um Besprechungs- und Sitzungszimmer für alle Abteilungen im Gemeindehaus schaffen zu können.

Mitarbeiter werden trotzdem unterdurchschnittlich viel Platz haben

Das langfristige Ziel des Gemeinderats ist es, dass sich die Gemeindeverwaltung an einem Ort befindet. Das Betreibungsamt soll also langfristig unbedingt zurück ins Gemeindehaus zügeln können. Um dies zu erreichen, sei es nicht anders möglich, als die Verwaltungseinheit Betreibungsamt kurzfristig auszulagern. Dennoch bleiben vorläufig zehn Verwaltungsbereiche im Gemeindehaus und dem Nebengebäude am Bankweg 2.

Das Schöne am Wohler Gemeindehaus ist einzig die Aussenfläche.

Das Schöne am Wohler Gemeindehaus ist einzig die Aussenfläche.

Marc Ribolla (10.7.2020)

Der Gemeinderat hält fest: «Gemäss Immobilien-Standard der Verwaltungsgebäude des Kantons Aargau wird als Planungsgrundlage mit einer Hauptnutzfläche von rund 15 m2 pro Arbeitsplatz gerechnet.» Aber: «Trotz Auslagerung des Betreibungsamtes kann die empfohlene Hauptnutzfläche pro Arbeitsplatz nicht eingehalten werden.» Den Gemeindemitarbeitern werden künftig immerhin 13 m2 pro Person zur Verfügung stehen.

Der Gemeinderat schreibt: «Mit der Genehmigung der Mittel für die Umsetzung der beschriebenen Konzeption kann der nächste Schritt zur Behebung des akuten Arbeitsplatzmangels und zur Anpassung der Büroräume im Gemeindehaus vorgenommen werden.» Und: «Für den Gemeinderat ist eine gut funktionierende und effiziente Verwaltung unabdingbar und die Arbeitsplatzsituation ebenso ein Faktor, um die Attraktivität der Gemeinde im Umfeld eines herausfordernden Arbeitsmarktes weiter zu stärken.» Im April soll der Einwohnerrat darüber entscheiden.

Gemeinderat soll ab 2022 höher entschädigt werden

Mit der neuen Amtsperiode 2022/25 muss auch das Reglement der Vergütungen für politisch gewählte Personen überprüft werde. Zuständig ist der Einwohnerrat. Der Gemeinderat beantragt diesem wegen der Abschaffung der Schulpflege, die dem Rat einen Mehraufwand bringen wird, eine Anpassung. Zurzeit stehen den vier nebenamtlich tätigen Mitgliedern des Gemeinderates pro Jahr folgende Bruttovergütungen zu: Ein Sockelbetrag pro Mitglied von 30000 Franken sowie ein Globalbetrag von 40000 Franken, den der Gemeinderat individuell nach Arbeitsbelastung unter sich aufteilen kann. Die bisherige Schulpflege erhielt gesamthaft 70000 Franken Entschädigung. Neu soll der Sockelbetrag pro nebenamtliches Gemeinderatsmitglied 40000 Franken betragen und der Globalbetrag 60000 Franken. Von alldem nicht betroffen ist der hauptamtliche Gemeindeammann. Er verdient je nach Stellenpensum (zwischen 60 und 80 Prozent), einen Lohn zwischen 114 000 und 152 000 Franken. (az)