Freiamt
Warum illegale Gartenhäuschen auffliegen

Auf Luftbildern wird der Kanton auf Bauten ohne Genehmigung aufmerksam – aktiv sucht man sie aber nicht.

Dominic Kobelt
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Auch für kleinere Bauten wie Gartenhäuschen braucht es eine Baubewilligung. (Symbolbild)

Auch für kleinere Bauten wie Gartenhäuschen braucht es eine Baubewilligung. (Symbolbild)

Martin Töngi/Archiv

Immer wieder weisen die Gemeinden darauf hin, dass es auch für kleinere Bauten eine Bewilligung braucht. Villmergen wurde unter anderem durch Fotos aus der Luft auf Fälle aufmerksam, in denen kein Baugesuch eingereicht wurde, wie es in den Gemeinderatsnachrichten heisst.

«Der Kanton macht regelmässig Luftaufnahmen und teilt uns mit, wenn ausserhalb der Bauzonen gebaut wird – das betrifft aber nicht nur unsere Gemeinde, sondern kommt überall vor», macht Bauverwalter Reto Studer klar. Die Zahl der Verstösse variiere, es gehe um knapp ein Dutzend Fälle pro Jahr.

Hans Wipf, Inhaber der Regionalen Bauverwaltung Muri, spricht hingegen nur von wenigen Fällen pro Jahr. «Eine Zu- oder Abnahme gibt es nicht», sagt er. Und das, obwohl sein Unternehmen die Bauverwaltung von 20 Gemeinden führt.

Keine Drohnen

Wie die «Neue Luzerner Zeitung» kürzlich berichtete, macht die Gemeinde Horw mit Drohnen Luftaufnahmen, um illegalen Bautätigkeiten auf die Spur zu kommen. Läuft das im Aargau ähnlich? «Nein», sagt Felicitas Siebert, Abteilungsleiterin der Abteilung für Baubewilligungen beim Kanton: «Die jährlichen Luftaufnahmen dienen nicht dem Ziel, ‹Bausünder› aufzuspüren.» Es fände keine systematische Suche nach unbewilligten Bauten statt. Beim Aargauischen Geografischen Informationssystem (Agis) handle es sich mehr um einen Service public (siehe Kontext). Trotzdem stossen die Beamten dank der Luftaufnahmen auf Bausünder: «Werden der Abteilung für Baubewilligungen nicht bewilligte Bauten angezeigt, ist sie von Amtes wegen verpflichtet, den Sachverhalt abzuklären.»

Die Luftbilder mit den eingezeichneten Bauzonen (hier Villmergen) sind auf der Website des Kantons Aargau abrufbar (unter Themen/Agis).

Die Luftbilder mit den eingezeichneten Bauzonen (hier Villmergen) sind auf der Website des Kantons Aargau abrufbar (unter Themen/Agis).

Kanton/zvg

Siebert erklärt, wie die Arbeit abläuft: «Wenn ein Baugesuch eingereicht wird, wird im AGIS mit den entsprechenden Layern abgeklärt, welche Punkte geprüft werden müssen. Dabei geht es zum Beispiel um die Zonierung, Gewässer, Altlasten, Leitungen oder archäologische Fundstellen. Bei dieser Gelegenheit kann es vorkommen, dass auf der fraglichen Parzelle Bauten entdeckt werden, die noch in keinem Verfahren beurteilt worden sind.» In der Regel werden – das Einverständnis der Bauherrschaft vorausgesetzt – die unbewilligten Bauteile in das laufende Verfahren mit einbezogen, sagt Siebert.

Häufig wird aber die Abteilung für Baubewilligungen von dritter Seite auf unbewilligte Bauten aufmerksam gemacht. «Nicht selten geschieht dies, wenn Baugesuche abgewiesen werden und im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens dargelegt wird, dass andernorts vergleichbare Bauten stehen», sagt Siebert. In diesen Fällen sei die Abteilung für Baubewilligungen gesetzlich verpflichtet, den Hinweisen nachzugehen, um die Gleichbehandlung vor dem Gesetz sicherzustellen. Der Gemeinde wird in solchen Fällen eine Liste mit den Bauten zugestellt und sie wird gebeten, zu prüfen, ob kommunal Akten dazu bestehen.

Hinweise von Nachbarn

Auch vom Boden aus muss die Gemeinde Villmergen keine grossangelegten Kontrollen durchführen. «Meistens kommen die Hinweise von Nachbarn», sagt Studer. Häufig seien es Kleinbauten wie Stützmauern oder Gartenhäuser, die ohne Bewilligung errichtet würden. Das Baugesuch muss nachträglich eingereicht werden – wird es abgelehnt, dann muss das betreffende Objekt wieder verschwinden. Oft sind es auch Umnutzungen, die ohne Bewilligung vorgenommen werden, also zum Beispiel ein Estrich, der zu einem Wohnraum ausgebaut wird, weiss Studer. «Die meisten Leute erkundigen sich bei uns, ob es eine Baugenehmigung braucht. Da ist es schade, dass es einige schwarze Schafe gibt.» Die Gemeinde kann Bausünder mit bis zu 2000 Franken bestrafen oder in schlimmeren Fällen eine Strafanzeige einreichen.

AGIS: Karten sind ein Service public

Das Aargauischen Geografischen Informationssystem (Agis) besteht aus Orthobildern, also Fotos, die von ihren Verzerrungen befreit worden sind. Sie sind allgemein zugänglich und der bestgenutzte Online-Dienst des Kantons. Dementsprechend sieht Felicitas Siebert, Abteilungsleiterin der Abteilung für Baubewilligungen beim Kanton, die Daten auch als Service public. «Ausserdem werden die Karten zu Dokumentationszwecken erstellt, zum Beispiel zum Aufzeigen der längerfristigen Veränderung der Landschaft.» Und sie dienten der Aktualisierung der Daten, also Aufnahme von neuen Leitungen und Ähnlichem. Die Luftaufnahmen werden einmal jährlich vom Kanton in Auftrag gegeben, abwechselnd werden die Fotos in belaubtem und unbelaubtem Zustand gemacht. (kob)

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