Auszeichnung
Über 40 Jahre Einsatz für Schule und Dorf: Ehemalige Primarlehrerinnen zu Niederwiler Ehrenbürgerinnen ernannt

Die ehemaligen Primarlehrerinnen Susi Moser und Doris Hufschmid prägten über Jahrzehnte das Gesicht der Schule Niederwil. Genossen hätten die beiden ihre Arbeit bis zum letzten Tag.

Pascal Bruhin
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«Es ist ein Dessert und eine riesige Ehre für uns», sagen Doris Hufschmid und Susi Moser (l.).

«Es ist ein Dessert und eine riesige Ehre für uns», sagen Doris Hufschmid und Susi Moser (l.).

Pascal Bruhin

«Es ist ein Dessert und eine riesige Ehre für uns», sagen Doris Hufschmid und Susi Moser aus Niederwil unisono. Ende November wurden die beiden langjährigen Primarschullehrerinnen an der Gemeindeversammlung einstimmig zu Ehrenbürgerinnen Niederwils ernannt.

Hufschmid und Moser prägten über Jahrzehnte das Gesicht der Schule Niederwil. Ein eigentliches Dream-Team waren sie, ohne das viele Veranstaltungen an der Schule und in der Gemeinde gar nicht möglich gewesen wären. 1973 nahm Doris Hufschmid als 19-Jährige, direkt nach dem Lehrerseminar, ihre Stelle in Niederwil an. Ein Jahr später folgte ebenfalls 19-jährig Susi Moser. Obwohl charakterlich unterschiedlich, fanden sich die beiden sofort.

Auch grosses Engagement in den Vereinen

Letztes Jahr ging Doris Hufschmid nach 35 Jahren – 11 Jahre lang legte sie zwischenzeitlich eine Mutterschaftspause ein – als Lehrerin an der Primarschule Niederwil in Pension. Als begeisterte Turnerin und Fasnächtlerin engagierte sich Hufschmid nicht nur an der Schule, sondern auch in den Vereinen. So entstanden schon manche Turnshownummern für verschiedenste Riegen aus der Feder von Doris Hufschmid.

Auch als OK-Mitglied für das Jugendfest, grosse Unterstützung beim Sternsingen, Gestaltung der Erstkommunionfeier oder des Räbeliechtliumzugs und als Dekorateurin diverser Anlässe wurde Doris Hufschmid stets geschätzt.

Engagement weit über das Schulzimmer hinaus

Nach eindrücklichen 46 Jahren als Lehrerin an der Schule Niederwil konnte Susanne Moser dieses Jahr in den Ruhestand verabschiedet werden. Ob als Organisatorin und Initiantin von verschiedenen Anlässen wie der Schul- und Seniorenfasnacht, dem «Schnellscht Niederwiler», Theateraufführungen oder als Lagerbegleiterin, Dekorateurin, unterstützende Hand für diverse Anlässe – das Engagement von Susanne Moser ging weit über das Schulzimmer hinaus.

«Ich habe es bis zum letzten Tag genossen», sagt Susi Moser. Dass Moser überhaupt Lehrerin wurde, war eigentlich einem Zufall zu verdanken. «Ich wusste damals nicht, was ich machen sollte», sagt sie. Da ihre ältere Schwester das Lehrerseminar, übrigens zusammen mit Doris Hufschmid, besuchte, beschloss sie, es ihr gleich zu tun. «Heute sagen mir viele: Du wärst nicht 46 Jahre lang Lehrerin geblieben, wenn es nur ein Zufall gewesen wäre. Da haben sie wohl recht», meint Moser lachend.

Tendenz zu viel zu arbeiten

Auch Doris Hufschmid sagt: «Ich würde es wieder genauso machen.» Im Gegensatz zu Moser war für sie bereits in der Primarschule klar, dass sie einmal Lehrerin oder Kindergärtnerin werden würde. «Lehrer zu sein, bedeutet zwar viel Arbeit, aber die Kinder geben einem auch sehr viel mehr zurück.» «Alle Hobbys kannst du in diesem Beruf ausleben», fügt Susi Moser an.

Hufschmid zog 1979 als gebürtige Wohlerin mit ihrem Mann nach Niederwil, die Besenbürerin Moser 1989. «Damals gab es noch eine Ortszulage, wenn die Lehrperson in der Gemeinde wohnt», sagen die beiden schmunzelnd. Das Wohnen und Arbeiten in derselben Gemeinde habe Vor- und Nachteile. «Damals als 19-Jährige hätte ich noch nicht in Niederwil wohnen wollen», sagt Moser, der das Abgrenzen von Berufs- und Privatleben immer etwas schwerfiel. Beide geben denn auch unverhohlen zu: «Wir haben die Tendenz, zu viel zu arbeiten.»

Im Fernunterricht von den Jüngeren profitiert

«Uns wurde in all den Jahren nie langweilig», sagt Moser. Die Schule Niederwil sei schon immer sehr innovativ gewesen. «Wir konnten nie nach dem alten Muster fahren, mussten uns immer weiterentwickeln. Und das war gut so», sagt sie. «Da muss man einfach flexibel bleiben», meint Moser. Auch den Austausch mit den jungen Lehrpersonen schätzen beide sehr. Gerade in der Coronazeit während des Fernunterrichts im Frühling hätten sie viel vom technischen Know-how der jüngeren Kollegen profitiert.

Beide wollen der Gemeinde erhalten bleiben

Investiert haben beide Lehrerinnen während ihrer Laufbahn sehr viel Zeit in die Elternarbeit. Das Verständnis der Eltern war ihnen stets wichtig: «Ich muss die Eltern spüren», sagt Susi Moser. «Wenn wir als Lehrpersonen nicht dasselbe wollen wie die Eltern, haben wir verloren.»

Susi Moser zog sich nach ihrer Pensionierung im September aus dem Schulalltag zurück. Sie engagiert sich seither vermehrt für den Bärenpark Arosa und ist nach wie vor voll ins Gemeindeleben integriert. Doris Hufschmid hat wohl ihr Pensum reduziert, ist aber noch heute als Fachlehrerin an der Schule Niederwil tätig. Beide wollen der Gemeinde Niederwil erhalten bleiben – als Ehrenbürgerinnen jetzt erst recht.