Am Rand der Strassen im Dorfteil Lieli stapelten sich gestern Morgen teils Beigen von Sperrgut. Und die meisten Container waren bis oben gefüllt mit vollgestopften Kehrichtsäcken. Die allerletzte «Gratis»-Tour in der Gemeinde mit den rund 2200 Einwohnern und den 1000 Haushaltungen wurde sehr rege genutzt.

Zum letzten Mal durften die Bewohner den Müll «kostenlos» entsorgen lassen, genauer: Letztmals finanzierte die Gemeinde das Einsammeln, den Transport und die Verbrennung des Abfalls aus den allgemeinen Steuergeldern, ohne dass die Bewohner eine Grundgebühr oder eine Verursachergebühr berappen mussten.

2015 nur halb so viel Güsel?

Der ansehnliche gestrige Abfallberg war weder für die Entsorgungsequipe der Firma Hürlimann aus Bremgarten noch für Stefan Kaufmann, den Chef des Gemeindewerks Oberwil-Lieli, eine dicke Überraschung. «Ist doch verständlich, dass viele die letzte Gratischance beim Schopf packen», sagte Kaufmann. Auch die zwei Touren in der Vorwoche hätten mit total 35 Tonnen Sperrmüll und Hauskehricht schon ein Spitzenergebnis gebracht.

Im neuen Jahr führen Oberwil-Lieli und Arni als letzte Freiämter Gemeinden Kehrichtgebühren ein. Von der Umstellung aufs Gebührensystem erwartet Stefan Kaufmann einen deutlichen Effekt: «Unser Müllberg dürfte sich beinahe halbieren.» Statt rund 16 Tonnen Hauskehricht und Sperrgut pro Tagestour sollen es in Oberwil-Lieli fortan im Schnitt nur noch acht bis höchstens zehn Tonnen je Tour werden.

2015 dürfte Oberwil-Lieli die wenig schmeichelhafte Bezeichnung «Freiämter Güselhochburg» verlieren. 2013 lieferte die Gemeinde mit 358 Kilo Abfall je Einwohner bei der Kehrichtverbrennungsanlage Turgi den mit Abstand höchsten Pro-Kopf-Anteil aller rund 80 Liefergemeinden ab. Platz zwei belegte 2013 die Nachbargemeinde Arni mit 301 Kilo pro Einwohner.

Kleines Weihnachtsgeschenk

Kurz vor Weihnachten überraschte die Gemeindebehörde Oberwil-Lieli die Dorfbewohner mit einem kleinen Präsent im Hinblick auf die Gebühreneinführung. Der Dorfzeitung «Wochenfalter» lag ein Bogen mit zehn Gebührenmarken (Gesamtwert: 12 Franken) bei. Diese Marken fürs Sperrgut und die handelsüblichen Kehrichtsäcke können die Dorfbewohner bei der Gemeindeverwaltung, der Post, der Bäckerei Huber und im Volg-Laden in Lieli kaufen, genauso Jahres-Vignetten für Container sowie Schlaufen für einzelne Containerleerungen.

Nebst dieser verbrauchsabhängigen Gebühr – sie ist mit einer Marke für Fr. 1.20 pro 35-Liter-Sack tief angesetzt – müssen alle Haushaltungen, Landwirtschaftsbetriebe und Gewerbebetriebe neu eine recht happige jährliche Grundgebühr entrichten. 180 Franken beträgt diese Jahresgebühr.

Auf der anderen Seite winkt 2015 eine weitere Steuerentlastung. Der ohnehin sehr tiefe Gemeindesteuerfuss von 65% taucht in Oberwil-Lieli um 3 Prozentpunkte auf 62%.