Freiamt
Suche nach Ökostrom frisst viel Energie

Der Versuch, sich im Informationsdschungel der Elektra-Genossenschaften zurechtzufinden.

Eddy Schambron
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Wer eine kleinere Photovoltaikanlage montiert, leistet einen Beitrag zur Energiewende, macht aber nicht viel Geld. Archiv/EB

Wer eine kleinere Photovoltaikanlage montiert, leistet einen Beitrag zur Energiewende, macht aber nicht viel Geld. Archiv/EB

zvg

Sie möchten, dass Ihre Stubenlampe mit Strom aus der Region brennt? Oder Sie planen, mit einer Photovoltaikanlage selber Strom zu produzieren? Die lokalen Energieversorger machen den Zugang zu nützlichen Informationen unterschiedlich leicht oder schwer.

Auf der Website der Elektra Sins macht das Signet «Sinser Ökostrom» sofort neugierig. Ein Klick und es heisst: «Was, wenn nicht heute». Der einheimische, erneuerbare und umweltfreundliche Sinser Ökostrom stamme von modernen Solaranlagen, die auf Dächern in Sins installiert sind. Man kann sehen, wer Öko-Strom produziert. Und wer ihn nutzt. Nicht ganz so einfach ist es bei der EFA Energie Freiamt AG in Muri. Das sucht man unter «Elektrizität» zuerst einmal die Unterlagen für die Strompreise, entdeckt die «Produkteblätter für Netznutzung und Energie», stösst auf unverständliche «Econo»-, «Avanti»-, «Turbo»-, «Flex»- und «Komet»-Energie und weiter unten schliesslich auf das «Produkteblatt Naturstrom». Diese Blätter zu studieren und drauszukommen, bedeutet schon etwas Aufwand.

Deutliche Unterschiede

Unterschiede gibt es auch bei kleineren Stromversorgern. Während die Elektra Hermetschwil-Staffeln die Rubriken «Energieprodukte» und «Naturstromprodukte» anbietet und unter Letzterem mit einem Klick die Preise für Freiämter Naturstrom aufzeigt, findet man bei der Elektra Beinwil/Freiamt zwar einen zehnminütigen Imagefilm, aber keine Preise für Ökostrom. «Das ist untergegangen», räumt Geschäftsführer Albert Betschart ein. Dabei produziert seine Elektra selber Ökostrom, im Jahr bis 45 000 kWh Wasserstrom und bis 23 000 kWh Solarstrom. «Alles verkauft», wie er feststellt, für 8 Rappen über dem normalen Stromtarif.

Wer zahlt wie viel?

Ähnlich «energiefressend» ist die Suche nach den Tarifen, welche kleine Naturstrom-Produzenten bei der Einspeisung ihres überschüssigen Stromes ins Netz erwarten können. Die Elektra Auw ist dabei vorbildlich: Unter «Tarife» findet man die Rubrik «Photovoltaikanlagen» und die entsprechenden Vergütungspreise. Diese sind übrigens je nach Elektrizitätsversorgerin ziemlich unterschiedlich und bewegen sich zwischen knapp 4 bis 6,5 Rappen pro Kilowattstunde, je nach Tarif oder Zone. «Der Markt bestimmt letztlich den Preis», stellt Markus Wey, Elektroberater und Präsident der Elektra Hermetschwil-Staffeln, fest. Der Preis kann jährlich schwanken, wie das Bundesamt für Energie in einem Faktenblatt festhält.

Im Durchschnitt beträgt er 6 bis 10 Rappen pro kWh. Das grosse Geld mit selber produziertem Strom kann man mit kleinen Photovoltaik-Anlagen also nicht machen. «Am wirtschaftlichsten ist es, den Strom selber zu verbrauchen», weiss Wey. Für jede selbstkonsumierte Kilowattstunde kann man rund 20 Rappen Strombezugskosten sparen. Den Überschuss nicht ins Netz zu liefern, sondern selber zu speichern, ist nicht wirtschaftlich, weil der Speicher zu teuer ist. «Jetzt noch, das wird sich jedoch ändern», glaubt Wey, der sich allgemein an der von der Elcom, der unabhängigen staatlichen Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich, verlangten Bürokratie stört. Die ElCom überwacht die Einhaltung des Stromversorgungs- und Energiegesetzes, trifft die dazu nötigen Entscheide und erlässt Verfügungen.

Viel Halbherzigkeit

«Zurückhaltend» empfindet Stefan Staubli das Verhalten der meisten Elektra-Genossenschaften in Sachen Ökostrom. Der Präsident des Energie Forums Muri, Förster und engagierte Energiesparer, bedauert, dass erneuerbare Energie und deren Vermarktung von ihnen nur ausnahmsweise aktiv unterstützt werden. «Es bringt nicht viel, zwar transparente, aber schwer lesbare Stromrechnungen zu verschicken und hinten noch den Flyer für Naturstrom ins Couvert zu legen. Halbherzigkeit führt nicht zum Erfolg.» Staubli wünschte sich mehr Engagement seitens der Energieversorger. «Das wäre in ihrem eigenen Interesse, denn erneuerbare Energie wird über kurz oder lang zum sehr rentablen Geschäftsfeld.»

Die Energiewende finde statt, zunehmend in den Köpfen der Menschen und dann zwangsläufig im Alltag. «Immer mehr Leute erkennen, dass Atomstrom keine Zukunft haben kann, weil die Entsorgung des radioaktiven Abfalls nicht gelöst ist. Was beim Atomkraftwerk anfällt, können wir nicht entsorgen, sondern müssen es jahrhundertelang um- und besorgen.» Der Weg zur erneuerbaren Energie sei darum vorgegeben. «Es wäre ein Gebot der Stunde, dass die Elektrizitätsversorger der erneuerbaren Energie engagiert den Weg ebnen und ihr nicht Steine in den Weg legen.» Als wichtigen Schritt dazu sieht er verständliche und einfach erschliessbare Informationen, die zum Bezug von Ökostrom aufmuntern. «Das Marketingkonzept der Elektra Sins gefällt mir sehr gut, man merkt, dass da wirklich ein Wille vorhanden ist.»

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