So feiert man Weihnachten unter Palmen

Die Murianer Geschwister Alice und Berni Iten fanden ihr Glück in Costa Rica. An den Advent bei 30 Grad gewöhnten sie sich schnell.

Marc Ribolla
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Alice und Berni Iten schmücken ihre Lodge und das Restaurant immer mit einem Christbaum. Die beiden Cousinen Marian (links) und Gilian sind die Töchter der Itens – hier bei einer Weihnachtsfeier 2007. Blick auf den Poolbereich der Guacamaya Lodge der Geschwister Iten an der Pazifikküste von Costa Rica.
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Alice und Berni Iten schmücken ihre Lodge und das Restaurant immer mit einem Christbaum. Die beiden Cousinen Marian (links) und Gilian sind die Töchter der Itens – hier bei einer Weihnachtsfeier 2007. Blick auf den Poolbereich der Guacamaya Lodge der Geschwister Iten an der Pazifikküste von Costa Rica.
Alice und Berni Iten schmücken ihre Lodge und das Restaurant immer mit einem Christbaum. Die beiden Cousinen Marian (links) und Gilian sind die Töchter der Itens – hier bei einer Weihnachtsfeier 2007. Blick auf den Poolbereich der Guacamaya Lodge der Geschwister Iten an der Pazifikküste von Costa Rica.

Alice und Berni Iten schmücken ihre Lodge und das Restaurant immer mit einem Christbaum. Die beiden Cousinen Marian (links) und Gilian sind die Töchter der Itens – hier bei einer Weihnachtsfeier 2007. Blick auf den Poolbereich der Guacamaya Lodge der Geschwister Iten an der Pazifikküste von Costa Rica.

Bilder: zvg

So richtig gefroren haben sie an Weihnachten schon seit bald drei Jahrzehnten nicht mehr. Und Eis gibt’s bei ihnen höchstens in Würfelform in den Drinks. «Nein, den Schnee vermisse ich nicht. Und auch die Kälte fehlt mir gar nicht», erzählt Alice Iten mit einem Lachen am Telefon.

Die 52-Jährige befindet sich rund 9500 Kilometer von ihrer ehemaligen Heimat Muri entfernt. Vor 27 Jahren hat sie die Schweiz mit Sack und Pack zusammen mit ihrem Bruder Berni, der sieben Jahre älter ist, verlassen – und in Costa Rica eine neue Heimat gefunden. Die Geschwister haben das kleine Ferienresort Guacamaya Lodge mit aktuell zehn Cabinas (Hütten) und einem Restaurant in Playa Junquillal an der Pazifikküste aufgebaut. Seither verbrachten die Itens die Weihnachtstage stets in Costa Rica.

Palmen mit Lichterketten und ein Plastiktannenbaum

«Bei fast 30 Grad kommt verständlicherweise keine grosse Weihnachtsstimmung auf, wie man sie in der Schweiz kennt. Es ist nicht so wie daheim. Meistens schmücken wir in der Lodge ein paar Palmen mit Lichterketten und haben ein Tannenbäumchen aus Plastik», sagt Alice Iten. Das entspreche ganz der costa-ricanischen Art.

«Hier ist alles viel üppiger dekoriert. Teilweise verzieren die Leute ganze Hauswände mit farbigen Lichterketten. Die Weihnachtsfeiern selbst sind oft in grösserem Kreis mit einem Fest und Tanz verbunden», berichtet die Exil-Freiämterin.

Sowohl Alice wie auch Berni Iten fanden nach der Auswanderung auch das private Glück in Costa Rica. Beide haben vor Ort im mittelamerikanischen Land Partner gefunden und haben je eine erwachsene Tochter im Alter von 22 und 26 Jahren. «Für unsere Familien war Weihnachten vor allem für die Kinder früher einfach mit ein paar Geschenken verbunden. Weil wir normalerweise über die Festtage in der Lodge Hochsaison haben, konnten wir nie im Familienkreis feiern, sondern waren stets am Arbeiten», erzählt ­Alice Iten. An ihre eigene Kindheit in Muri zurückdenkend, meint sie deshalb: «Manchmal finde ich es etwas traurig, dass ich unsere Weihnachtserinnerungen wie das Guetzlibacken meiner Tochter nicht vermitteln konnte. Andererseits kennt sie es nicht anders.»

Ein wenig Familienverbundenheit spürten die Itens in der Vorweihnachtszeit dennoch. Früher seien jeweils ihre Eltern Anfang November für sechs Wochen zu Besuch gekommen. «Aber an Weihnachten wollten sie immer wieder zu Hause in der Schweiz sein», sagt Iten. Dieses Jahr fehlte der elterliche Besuch erstmals. Im vergangenen Februar verstarb die Mutter, der Vater starb vor zwölf Jahren.

Viele Stammgäste aus dem Freiamt über die Festtage

In ihrer Lodge bieten sie ihren Gästen am Weihnachtstag ein Weihnachtsmenü an. «Wir haben über Weihnachten und Neujahr sehr viele Stammgäste aus dem Freiamt, die immer kommen. Allgemein begrüssen wir hier viele Schweizer», sagt Alice Iten. Mittlerweile würde bereits die zweite Generation zu Besuch kommen, die als Kind mit den Eltern bereits in der Guacamaya Lodge Ferien gemacht hätten.

Dieses Jahr sind die Buchungszahlen über die Festtage zwar gut, doch auch in Costa Rica hat die Coronapandemie das Land im Griff. Mit Auswirkungen auf die Tourismusindustrie, die ein wichtiger Arbeitgeber ist. Auch die Guacamaya Lodge war betroffen. «Im März kam der Lockdown, alles war zu. Ausser dem Gärtner mussten wir unsere anderen neun Angestellten in unbezahlten Urlaub schicken», erzählt Alice Iten.

Um diese unterstützen zu können, starteten sie eine Aktion. Wer 100 oder mehr Franken spendete, bekam ein Gratis-­Nachtessen in der Lodge beim nächsten Besuch. Die Resonanz war enorm. «Die Solidarität unserer Gäste und Bekannten war sehr grosszügig. Dank der Spenden konnten wir allen Angestellten bis September jeweils einen halben Monatslohn zahlen», sagt Iten. Für die Costa ­Ricaner ein wichtiger Zustupf, denn der Staat leistete nur dreimal 200 Dollar Soforthilfe. Im November öffnete sich das Land wieder für Touristen. «Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder mehr Gäste empfangen können», sagt Alice Iten.