Weihnachtsserie
So feiern andere Kulturen: Das Zuckerfest ist fast wie Weihnachten

Zufikon Muslime feiern Weihnachten nicht. Sie haben mit dem Zuckerfest aber ein ähnliches religiöses Fest.

Chantal Gisler
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Moslem Anes Filan aus Zufikon verbringt Weihnachten meist mit seiner Familie in Bosnien.

Moslem Anes Filan aus Zufikon verbringt Weihnachten meist mit seiner Familie in Bosnien.

Chantal Gisler

«Mami? Weshalb sind alle Häuser ausser diesem dort weihnachtlich dekoriert?» Ich war etwa sechs Jahre alt, als ich meiner Mutter diese Frage während eines Spaziergangs stellte. «Die Leute, die dort wohnen, haben eine andere Religion», erklärte sie mir.

«Sie feiern Weihnachten nicht.» Damals schien mir das völlig unmöglich. Wieso sollte man Weihnachten nicht feiern? Und was feiert man stattdessen? Wie sieht das christliche Fest in anderen Religionen aus? Der Islam ist mit rund 1,3 Milliarden Anhängern die zweitgrösste Weltreligion. Alleine im Aargau gehören rund 5,5 % der Bevölkerung zum islamischen Glauben.

Um die erwähnten Fragen beantworten zu können, treffe ich mich mit Anes Filan. Seine Eltern kommen aus Bosnien, er wurde in der Schweiz geboren und ist in Zufikon aufgewachsen. «Ich würde mich nicht als sehr religiös bezeichnen», sinniert der 20-Jährige. «Ich verzichte zwar auf Schweinefleisch und Alkohol, aber ich besuche die Moschee nur freitags.»

Zeit für die Familie

An Weihnachten reist seine Familie in die Heimat der Eltern, um die dort lebenden Verwandten zu besuchen. «Das machen die meisten Muslime so. Denn den Grundgedanken von Weihnachten, Zeit mit der Familie zu verbringen, teilen viele.» Obwohl er Muslim ist, besucht er den Bremgarter Christchindli-Märt und er würde auch an einem Weihnachtsessen teilnehmen. «Traditionen anderer Menschen sollte man respektieren», findet er. «Das gehört für mich zur Integration.»

Seine Familie feiert Weihnachten sowie andere christliche Feste wie Ostern und Pfingsten nicht. War es für ihn nie schwer, zwischen zwei so verschiedenen Kulturen aufzuwachsen? «Eigentlich nicht», erzählt er. «Mir war schon früh bewusst, dass diese Feste religiös bedingt sind und dass meine Familie einen anderen Glauben hat.»

Im Kindergarten sang er mit den anderen Kindern Weihnachtslieder und machte auch am vorweihnachtlichen Wichteln mit. «Aber ich hatte nie das Gefühl, etwas zu verpassen, weil wir Weihnachten nicht feiern. Ich hatte auch nie ein Problem damit, dass andere Kinder Geschenke erhielten und ich nicht. Im Islam haben wir ein ähnliches Fest, das reicht mir.» Das Opferfest und das Zuckerfest sind im Islam die beiden höchsten Feste – vergleichbar mit Ostern und Weihnachten im Christentum.

Ist eines dieser Feste mit Weihnachten vergleichbar? Nach kurzem Überlegen meint Anes Filan: «Am ehesten könnte man wohl das Zuckerfest damit vergleichen, weil wir uns dann ebenfalls gegenseitig beschenken.»

Während des Fastenmonats Ramadan verzichten die Moslems von Sonnenaufgang bis -untergang auf Essen und Trinken. So will man sich in die ärmeren Menschen hineinversetzen und sich seines Glücks bewusst werden. Der Islam orientiert sich bei seinen religiösen Festen am Mondkalender, der nur 354 Tage dauert.

Somit verschieben sich die Feste jährlich um elf Tage. Das Ende des Fastens wird mit dem Zuckerfest gefeiert: «Bei Sonnenaufgang trifft man sich in der Moschee zum gemeinsamen Beten. Anschliessend wird der Abschluss vom Ramadan mit einem Festessen und vielen Süssigkeiten mit der Familie gefeiert.» Ein Weihnachtsbaum oder festlich dekorierte Häuser gehören jedoch an keinem der beiden Feste dazu.