Wohlen
Private Initiative mit grosser Wirkung: Der Gemeinnützige Ortsverein

Der Gemeinnützige Ortsverein besteht seit 125 Jahren und ist nach wie vor unentbehrlich. Die Wohler verdanken dem Verein unter anderem ihre erste Eisbahn und die Gründung des Elektrizitätswerks.

Jörg Baumann
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GOV-Präsident Peter Isler vor der Wettersäule, einem Geschenk des Vereins an die Gemeinde.

GOV-Präsident Peter Isler vor der Wettersäule, einem Geschenk des Vereins an die Gemeinde.

Jörg Baumann

Grosses hat der Gemeinnützige Ortsverein Wohlen in den letzten 125 Jahren geleistet, worauf die Wohler nie verzichten würden: Die Gemeinde verdankt dem Verein nicht nur ihre Kindergärten. Vielmehr gab der Gemeinnützige Ortsverein (GOV) auch den Anstoss für die erste Eisbahn, für die ersten Nistkästen, die Gründung des Elektrizitätswerks, den Bau der Wasserversorgung, die Friedhofhalle, den Bau von Arbeiterhäusern und des Bezirksschulhauses mit der Turnhalle und dem Gemeindesaal.

Der GOV feiert dieses Jahr seinen 125. Geburtstag. Er engagierte sich auch für die Wohler Geschichtsschreibung, indem er den Dorfchronisten Friedrich Beyli bei der Publikation seiner Mitteilungen aus dem Stillleben und den Haushalten der Gemeinde Wohlen und weiterer Schriften mit einem Beitrag unterstützte; die Schriften benützte die Historikerin Anne-Marie Dubler für die 1974 abgeschlossene Ortsgeschichte.

Grösster Beitrag: Kindergärten

Der Politiker, Arzt und Unternehmer Anton Bruggisser gründete den Gemeinnützigen Ortsverein am 27. Oktober 1891 – im Jahr, als die Eidgenossenschaft ihren 600. Geburtstag feierte. 1903 stiftete der GOV der Gemeinde zum 150. Kantonsjubiläum eine Wettersäule. Sie steht noch immer bei der Gemeindebibliothek und soll in absehbarer Zeit restauriert werden. Früher als in vielen anderen Gemeinden nahm sich der Verein der Kindergärten an. Am Schulweg entstand das erste Kindergartengebäude mit einem Musikprobelokal. Der Kindergarten konnte 1914 eingeweiht werden. Der Bau kostete 60 000 Franken. Wesentlich mitgeholfen hat die Schenkung von Emilie Isler von 15 000 Franken. Weitere Private und die Gemeinde beteiligten sich an den Baukosten, so auch Carl Vock, von 1905 bis 1921 Präsident des GOV. Auch an Vocks Sohn Charly Vock erinnern sich die Wohler gerne. Er stand dem Gemeinnützigen Ortsverein von 1944 bis 1979 mit überaus grossem privatem Engagement vor.

Bis heute gehören die sechs Kindergartengebäude dem Verein. Er ist auch für deren Unterhalt besorgt. Der Gemeinnützige Ortsverein kam im Lauf der Jahre noch zu einigen weiteren «Kindern», die er mit der grössten Selbstverständlichkeit betreut: So übernahm er die Trägerschaft für die Aufgabenhilfe, die Ludothek und den Kinderhort Peter Dreifuss. Die Entschädigungen der Aufgabenhelferinnen übernimmt der GOV. Die Ludothek hat eine eigene Geschäftsführung. Das Gebäude des Kinderhorts Peter Dreifuss gehört dem GOV. Der Hort wird von einer eigenen Betriebskommission geführt. Für die Integration von ausländischen Kindern spielt er eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Auch im Besitz des Alpenzeigers

Weniger bekannt ist, dass dem GOV der bekannte Wohler Aussichtspunkt Alpenzeiger oberhalb von Anglikon mit einem Alpenpanorama sowie ein kleines Grundstück am Rebebänkli gehören. Damit unterstreicht der Verein, wo seine Wurzeln auch noch liegen. Die Vereinsgründer verstanden den GOV immer auch als einen Verschönerungsverein und stellten deshalb vor über hundert Jahren die ersten Ruhebänke im Dorf auf.

Seit mittlerweile bereits 14 Jahren präsidiert Peter («Pitsch») Isler den GOV. Er übernahm das Amt vom früheren Einwohnerratspräsidenten und Direktor Theo Burkard, der von 1979 bis 2002 Präsident war und nach seinem Rücktritt zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.

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