Muri
Patrick zügelt mit dem Elektrorollstuhl – das Wohnheim Roth-Haus zieht um

Das Wohnheim für Schwerstbehinderte Roth-Haus zieht dieser Tage für 1½ Jahre in die Pflegi hinauf.

Andrea Weibel
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Das Wohnheim für Schwerstbehinderte Roth-Haus zieht um
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Mitarbeiterinnen Heidi Dommisch und Ramona Niederberger sowie Leiter Uwe Tischer helfen, die Container zu beziehen.
In den Gängen stapelten sich gestern noch Einrichtungsgegenstände, doch mit so viel Hilfe war die Arbeit bald getan.

Das Wohnheim für Schwerstbehinderte Roth-Haus zieht um

Andrea Weibel

Auf dem Platz vor dem Roth-Haus geht es zu wie in einem Bienenstock. Kisten werden aus dem Haus getragen, Möbel hinterher, Betten auseinandergeschraubt, sodass sie in den Lift passen, und ebenfalls auf dem Vorplatz abgestellt. Dort werden sie von vielen helfenden Händen in einen Lastwagen gepackt und nur einen Steinwurf weiter den Klosterhügel hinauf wieder ausgeladen. Und in all dem geordneten Durcheinander fährt Patrick mit seinem Elektrorollstuhl und einem angehängten Wägelchen hin und her. Immer wieder wird ihm Material aufgeladen, das er am neuen Standort abliefern kann. Patrick strahlt wie ein König. «Besonders, als wir die Pflanzen aus den Büros geräumt haben, lief sein Rollstuhl auf Hochtouren, denn er durfte sie alle ein Haus weiter transportieren», freut sich Uwe Tischer, Geschäftsleiter des Roth-Hauses.

Roth-Haus wird ausgehöhlt

Patrick ist einer der einzigen Klienten, die Lust haben und auch kognitiv dazu in der Lage sind, beim Umzug zu helfen. Auch Manfred ist bei den Zügelarbeiten mit dabei, schaut sich aber vor allem interessiert um, was da mit all den Kisten und Möbeln aus dem Roth-Haus passiert. Denn alle 28 Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnheims müssen für anderthalb Jahre ausquartiert werden. In der Zeit wird das Roth-Haus komplett ausgehöhlt und umgebaut, dazu entsteht daneben ein Neubau. So wird künftig jede Klientin und jeder Klient ein eigenes Zimmer beziehen können, denn Zweierzimmer, wie sie bisher im Roth-Haus die Regel waren, sind schlicht nicht mehr zeitgemäss, hält der Geschäftsleiter fest. So werden zwei der Wohngruppen bis im Frühling 2021 in der Pflegi selbst untergebracht, während zwei andere in den Containern zwischen der Pflegi und dem schönen Pflegipark daheim sein werden.

Und das alles ist natürlich spannend, findet Manfred. Aber auch etwas beängstigend für einige. Denn die Zimmer, aber auch die Wege zu den Toiletten oder zur Beschäftigungsstätte waren für die Klienten bereits selbstverständlich und gaben ihnen Sicherheit. Das müssen sie nun erst einmal neu lernen. Mitarbeiterin Heidi Dommisch erzählt nach der ersten Nacht, in der die erste Wohngruppe gezügelt hat und am neuen Ort schlafen konnte: «Es herrscht schon noch eine gewisse Unruhe, aber die wird sich legen. Im Moment fühlt es sich an, als wären wir in den Ferien an einem neuen Ort. Alle müssen erst herausfinden, was wo ist, auch wir Angestellten.» Aber sie alle machen das mit einer so guten Laune, dass wirklich eine Art Lagerstimmung aufzukommen scheint.

Zivilschützer mussten nach Aarau

Neben den Mitarbeitenden des Roth-Hauses helfen viele Familienangehörige der Klienten beim Umzug mit. Ausserdem wurde ein Zügelunternehmen angestellt. «Und uns waren eigentlich ganz viele Zivilschützer versprochen worden, aber dann hat man die auf einmal zum kantonalen Turnfest nach Aarau abkommandiert», sagt Uwe Tischer. Doch er sieht es positiv: «Wir sind schon über die zwei Zivilschützer froh, die dann doch kommen konnten. Und überhaupt laufen die Arbeiten hervorragend.» Das bestätigen auch die Profis vom Zügelunternehmen. Eine so gute Organisation und gute Laune sei nicht selbstverständlich. Tischer nickt und erklärt: «Das ist alles Roger Wyss, unserem Leiter des technischen Dienstes, zu verdanken. Er hat das alles unglaublich gut organisiert. Und er ist halt Murianer und kennt daher jede Menge Handwerker, die auch einmal kurzfristig zu Hilfe kommen können.»

Das gute Wetter hilft natürlich ebenfalls. Vor allem aber ist es die Positivität der Mitarbeitenden, die es gewohnt sind, auch schwierige Situationen zu meistern und einander zur Hand zu gehen. Und mit den neuen Farben an den Wänden und den hübschen Wandbildern, die Mitarbeiterin Ramona Niederberger gemalt hat, werden sich auch die anderen Klienten bald so wohl fühlen wie Patrick.

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