Ringen
Pascal Strebel qualifiziert sich für Olympische Spiele in London

Der 23-jährige Greco-Ringer Pascal Strebel aus Birri/Aristau hat sich mit einem zweiten Platz im Qualifikationsturnier in China für die Olympischen Spiele in London qualifiziert. Strebel tritt damit in die Fussstapfen seines Vorbildes Reto Bucher.

Wolfgang Rytz
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Pascal Strebel nach dem Exploit in China.

Pascal Strebel nach dem Exploit in China.

Volker Hirt

Die Ringerstaffel Freiamt hat acht Jahre nach Buchers viertem Platz in Athen einen neuen Vorzeigeathleten. Die Parallelen sind augenfällig: Der 23-jährige Elektromonteur aus Birri/Aristau profitiert von demselben sportfreundlichen Arbeitgeber (Elektro Bütler), ringt ebenfalls griechisch-römisch und verfügt über ähnliche mentale Stärken.

Am Qualifikationsturnier in China passte für Strebel alles zusammen. Nach enttäuschender EM-Leistung in Belgrad und einer unglücklichen Niederlage beim ersten Qualifikationsturnier in Sofia packte er seine Chance in Taiyuan beim Schopf. «Ich hatte vor dem ersten Kampf ein gutes Gefühl und wollte mein ideales Los nützen.» Der Überlegenheitssieg gegen den Ringerexoten Umang aus Palau löste in Strebels Kopf jegliche Zweifel. Über den Polen Melkumov qualifizierte er sich souverän für den Viertelfinal. In diesem schulterte er den Kolumbianer Duque Arango.

Mit List zum Exploit

Die Olympiaqualifikation sicherte sich der Aristauer mit viel List gegen den favorisierten Serben Aleksandar Maksimovic. Dem osteuropäischen Kraftpaket gelang im angeordneten Bodenkampf ein Durchdreher. Strebel liess dem Gegner etwas Spielraum, sodass dieser einen zweiten Durchdreher wagte. Darauf hatte der Freiämter spekuliert. Blitzschnell konterte er den Angriff und verwandelte den 0:2-Rückstand zum 3:2-Rundensieg.

In der zweiten Runde glückte Strebel in der Oberlage kein Punkt, weshalb er 0:1 verlor. Auch in der Entscheidungsrunde gelang im Standkampf keinem Ringer eine Wertung. Gemäss Losentscheid musste der Schweizer für die letzten 30 Sekunden in die Unterlage. Diesmal liess sich Strebel nicht mehr drehen, womit er die Runde 1:0 gewann und das Ticket nach London schnappte. Der verlorene Finalkampf gegen den Ungaren Tamas Lorincz (0:3, 0:1) zählte nur noch für die Statistik.

Strebel betont, dass er seine Olympiaqualifikation zahlreichen Helfern und Betreuern zu verdanken habe. Grossen Anteil haben sein persönlicher Trainer Andrej Malzew und der als Organisator im Hintergrund wirkende Reto Bucher. «Basis ist jedoch mein Chef Hermann Bütler, der mir mit seiner sportfreundlichen Einstellung optimale Voraussetzungen bietet», dankte Strebel aus China seinem Arbeitgeber, der auch als Sponsor auftritt.

Der entscheidende Punkt auf dem Weg zum Exploit in Asien war Strebels Bereitschaft, mit einem Mentaltrainer zusammenzuarbeiten. «Nach der EM-Enttäuschung habe ich Schritt um Schritt wieder mehr an die Olympiaqualifikation geglaubt», beschreibt der Freiämter Ringer seine Entwicklung der letzten Wochen.

WM-Resultate bestätigt

Strebel sprach am Tag nach dem Exploit von einer grossen Überraschung. Nach vielen Enttäuschungen für die Schweizer Ringer mag dies aktuell so sein. Doch ein Blick auf die letzten zwei Jahre belegt, dass Strebel in der 66er-Klasse mindestens zu den 15 besten Greco-Ringern der Welt gehört. An der Weltmeisterschaft 2010 war er auf Rang 7 vorgestossen, und im Vorjahr, als bereits die ersten Olympiaplätze vergeben wurden, erreichte er unter 52 Teilnehmern den 13. Platz. In London treten pro Gewichtsklasse 20 Ringer an. Strebel hat also sein Olympiaticket keineswegs «gestohlen».

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