Ringen
Pascal Strebel: Mit Herzblut und eigenem Fanklub zur Medaille

Der Freiämter Pascal Strebel aus Birri träumt bei seiner ersten Olympiateilnahme von einer Medaille. Doch der Grat zwischen Triumph und Absturz kann schmal sein.

Marcel Kuchta, London
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Pascal Strebel träumt von einer Medaille. Keystone

Pascal Strebel träumt von einer Medaille. Keystone

Beim offiziellen Medientermin der Schweizer Ringer-Delegation in London hält sich das Interesse in überschaubarem Rahmen. Vorne am Pult sitzen neben dem Moderator noch Pascal Strebel und sein Coach Andrej Malzew. Vier Journalisten verlieren sich im grossen Konferenzsaal des House of Switzerland. Die Szenerie unterstreicht: Pascal Strebel steht an diesen Olympischen Spielen in London nicht gerade im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Dabei hätte der 23-Jährige aus Birri wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Job als Elektro-Monteur rückte in Hintergrund

In den vergangenen Monaten hat sich beim Aargauer alles um seinen olympischen Traum gedreht. Sein Alltagsjob als Elektro-Monteur bei einer Firma im Freiamt rückte völlig in den Hintergrund. Die Vorbereitung auf London war intensiv, mit langen Trainingslagern in Armenien, der Ukraine und zuletzt in Weissrussland. Ermöglicht hat ihm dies ein grosszügiger Chef. Und tollen Arbeitskollegen, die die fehlende Manpower Strebels mit Überstunden kompensierten. Rund 80 Leute stark ist die Fandelegation, die Pascal Strebel heute Nachmittag bei seinem olympischen Abenteuer auf der Zuschauertribüne zur Seite stehen werden. Das zeigt, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt, wie gross die Anteilnahme in der Ringerhochburg Freiamt ist.

Pascal Strebel sagt, dass er von einer Medaille träumt. Blickt er zurück auf jenen Wettkampf in Taiyuan, wo er sich mit einem zweiten Platz das Ticket für London geholt hatte, dann glaubt er daran, dass sich der Traum in Realität umwandeln lässt. «Wenn ich heute so einen Tag erwische wie damals, dann ist alles möglich», sagt er. Pascal Strebel weiss aber auch, dass der Grat zwischen Triumph und Absturz hier, an den Olympischen Spielen schmal sein kann. So lang und intensiv die Vorbereitung war, so schnell kann alles vorbei sein.

Der Aargauer griechisch-römisch-Ringer ist sich der delikaten Ausgangslage bewusst. Druck von aussen spürt er keinen. Aber an Olympia, vor Tausenden von Zuschauern im richtigen Moment die optimale Leistung abzurufen, ist eine Aufgabe, an der schon viele hoffnungsvolle Sportler gescheitert sind.

Pascal Strebel hat sich auf jeden Fall so gut wie möglich vorbereitet. Nicht nur in den unzähligen, harten Trainings auf und neben der Matte, sondern auch mit einem Mentaltrainer, der ihm die Kunst des positiven Denkens gelehrt hat. Und auch mit einigen Gesprächen mit Reto Bucher. Der Auftritt des Freiämter Ringers an den Olympischen Spielen in Athen 2004 ist nicht nur Strebel in bester Erinnerung geblieben. Bucher kämpfte sich damals völlig überraschend in die Halbfinals und schrammte schliesslich haarscharf am Medaillengewinn vorbei. «Reto hat mir geraten, dass ich möglichst cool bleiben und mich von der Atmosphäre nicht zu sehr beeindrucken lassen soll», erzählt Strebel.

Von 68 auf 66 und wieder auf 71

Noch am Tag vor dem «Einwiegen» war Pascal Strebel, der in der Kategorie Greco bis 66 kg ringen wird, übrigens zwei Kilo zu schwer. Das sei völlig normal versichert er. Mit einer Flüssigkeits-Entzugskur fastete er sich innert kürzester Frist knapp unter die geforderte Limite. Bis heute vor dem ersten Wettkampf werden die leeren Speicher aber wieder aufgefüllt. «Am Wettkampftag werde ich wohl 71 kg auf die Waage bringen», sagt er. Und dazu sicher noch sein ganzes Kämpferherz in die Waagschale werfen.

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