Pandemie
Keine Erholung zu Ostern: Ungewissheit, Testpflicht und Quarantäne trüben die Reisefreude der Freiämter

Eigentlich herrscht in der Reisebranche im Frühling Hochkonjunktur. Doch die Ungewissheit der Pandemie lässt die Freiämter zögern, ihre Reisen zu buchen.

Pascal Bruhin
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In der Hängematte am Strand zu liegen, das wünschen sich viele. Doch eine Reise zu buchen, das trauen sich noch immer die wenigsten Freiämter.

In der Hängematte am Strand zu liegen, das wünschen sich viele. Doch eine Reise zu buchen, das trauen sich noch immer die wenigsten Freiämter.

zvg

Sonne, Strand und Meer, das haben wir uns nach über einem Jahr Pandemie wohl mehr als verdient. Pünktlich zu Ostern und den darauf folgenden Frühlingsferien steigen in gewöhnlichen Jahren die Buchungszahlen deutlich. Doch die Freiämter sind nach wie vor zurückhaltend, wie eine Umfrage der «Aargauer Zeitung» bei den Reiseanbietern in der Region zeigt.

«Leider besteht gar keine Nachfrage», sagt auch Amanda Zäh, Inhaberin der Reiselounge in Kallern. «Die Reisefreude der Freiämter ist nach wie vor sehr getrübt.» Die gebürtige Niederländerin betreut mit ihrem mobilen Reisebüro Kunden in der ganzen Region. «Neubuchungen habe ich derzeit überhaupt keine», sagt sie. Lediglich zwei Dossiers konnte sie für die Frühlingsferien bearbeiten. Gebucht wurden die Reisen allerdings schon im Mai letzten Jahres.

Dass die Reiselust trotz Lockerungen im Grenzverkehr noch nicht wieder zunimmt, sieht auch sie in der omnipräsenten Ungewissheit:

«Herr und Frau Schweizer sind gerne auf der sicheren Seite. Und diese Sicherheit kann derzeit niemand bieten.»

Sie fügt an: «Wenn ich eine Reise vermittle, muss ich mit gutem Gewissen dahinter stehen. Und das kann ich derzeit nicht.» Es gäbe sicher die einen oder anderen, die sich nun für die Ferien über die Grenzen wagen würden, aber wenn, dann würden sie dies im Auto oder im Zug machen und nicht im Flugzeug.

Coronatest und Quarantäne im Ferienland drücken auf die Stimmung

Diesen Trend bestätigt Pia Därendinger vom Reisebüro Orion in Bremgarten. «Das Problem ist immer noch, dass für sämtliche Flugreisen ein negatives Testresultat vorliegen muss», sagt die Geschäftsführerin. «Die Leute wollen reisen und fragen auch nach, trauen sich aber letztlich doch nicht zu buchen.» Das Risiko einer kurzfristigen Absage der Reise aufgrund eines positiven Resultats sei ihnen schlicht zu gross.

Das, was ihre Kunde am meisten abschrecke, sei dabei auch eine allfällige Quarantäne im Ferienland. Für Därendinger wird sich die Thematik in naher Zukunft nicht ändern. Allenfalls könne die Impfung mittelfristig Abhilfe schaffen. Das Problem sieht die Patronin allerdings in der mangelnden Impfbereitschaft. Andererseits sagt sie:

«Das Klientel, das jetzt reisen will, sind die Jungen. Und die seien noch lange nicht dran mit der Impfung.»

Ursula Kistler vom Reisebüro Philomena in Berikon fügt hinzu: «Die Leute wollen zwar ans Meer und an die Wärme, aber der grosse Boom ist es nicht.» Lediglich zwei Buchungen hat sie für ihre Kunden über Ostern und die Frühlingsferien bislang tätigen können. Die Unsicherheit bei den Kunden sei nach wie vor gross. Was Kistler aber auffällt, ist, dass derzeit vermehrt sehr kurzfristig gebucht wird. So könne es sein, dass nächste Woche noch Buchungen eintreffen würden.

Reisebranche macht zwei Drittel des Umsatzes in der ersten Jahreshälfte

Das hofft auch Daniel Riner, Geschäftsführer des Reisebüros EuroShuttle in Muri. Wirklich daran glauben tut er allerdings nicht:

«Der Genickbruch für die Reisebranche war die Testpflicht, kombiniert mit der Quarantäneliste.»

Er fügt hinzu: «Wir haben zwar vereinzelte Buchungen, aber das ist ein Tropfen auf den heissen Stein.» Dabei seien die ersten Monate des Jahres jeweils ausschlaggebend für den gesamten Jahresumsatz. «Normalerweise machen wir im ersten halben Jahr zwei Drittel des Jahresumsatzes.» Riner geht sogar noch weiter: «Im Moment sieht es so aus, dass das Jahr 2021 schlechter wird als das zuvor.» Dies, weil im Coronajahr noch bis zum Lockdown Mitte März Reisen gebucht worden waren.

Auch bei Carreisen ist keine vermehrte Nachfrage zu spüren, wie Werner Brumann, Firmeninhaber der Brumann Reisen AG in Jonen, ernüchtert bestätigt. «Wir haben praktisch keine Buchungen.» Reisen nach Spanien oder Portugal hat das Unternehmen seit Ausbruch der Pandemie aus dem Sortiment genommen. «Was derzeit noch ein wenig läuft, ist Österreich. Aber auch da ist die Durchführung der Reisen mit den steigenden Zahlen ungewiss.»

Alle befragten Unternehmen hoffen, dass mit der anstehenden Durchimpfung nicht nur die Reiselust, sondern auch der Mut zur Buchung der Freiämter wieder zunimmt.