Oberfreiamt
Besserer Schutz vor Reuss-Hochwasser: Kanton prüft verschiedene Möglichkeiten

Im Reusstal gibt es im Bereich zwischen Dietwil und Bremgarten nach wie vor Defizite beim Hochwasserschutz. Um diesen zu verbessern, läuft jetzt ein Prozess mit möglichen Varianten. Je nachdem werden die Kosten auf 35 bis 60 Millionen Franken geschätzt.

Marc Ribolla
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Das Reuss-Hochwasser im August 2005 bei der ARA Merenschwand aus der Luft.

Das Reuss-Hochwasser im August 2005 bei der ARA Merenschwand aus der Luft.

Toni Widmer (22.8. 2005)

«Land unter» hiess es vor knapp 16 Jahren in weiten Teilen des Reusstals. Das Hochwasser im August 2005 überflutete zahlreiche Orte und zerstörte Hektaren von Kulturland. Der Schaden betrug im ganzen Kanton Aargau rund 30 Millionen Franken.

Die über die Ufer tretende Reuss zeigte damals schonungslos auf, wo die Schwachstellen in dieser Region im Hochwasserschutz liegen. Seit dem Grossereignis sind an den wichtigsten Stellen, beispielsweise in Bremgarten oder auch in Windisch, die Wohngebiete besser geschützt worden. Ausserdem wurde auch ein kritischer Dammabschnitt in Mühlau verstärkt.

Allerdings gibt es trotzdem noch heikle Stellen besonders im oberen Reusstal im Abschnitt zwischen Dietwil und Bremgarten, welcher längere Dammstrecken beinhaltet. Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt schreibt in einer Mitteilung:

«Im heutigen Zustand ist bei einem Hochwasserereignis wie im Jahr 2005 mit Dammbrüchen mit grösseren Ausuferungen in die Reussebene zu rechnen.»

Zudem sei im Abschnitt Dietwil-Oberrüti der 80 bis 100 Jahre alte Reussdamm in einem sanierungsbedürftigen Zustand.

Auch andere Kantone sind involviert

Nun sollen verschiedene Massnahmen geprüft werden. Involviert sind nebst dem Kanton Aargau unter anderen auch die weiteren Reussanrainerkantone Zug, Zürich und Luzern sowie Gemeinden, Regionalplanungsverbände, Umweltvertreter oder die AEW.

Ziele des Planungsprozesses

  • Hochwasserschutz sicherstellen
  • Stabilität der Reussdämme verbessern
  • Reduktion von extremen Abflussspitzen durch Hochwasserrückhalt
  • Ökologische Aufwertung der Flusslandschaft
«Land unter» im Oberfreiamt – das Hochwasser zerstörte 2005 viel Kulturland.

«Land unter» im Oberfreiamt – das Hochwasser zerstörte 2005 viel Kulturland.

Toni Widmer (22.8.2005)

Bei sehr grossen Wasserabflüssen soll ein Teil des Wassers kontrolliert in Rückhalteräume in der Reussebene ausgeleitet werden. «Es zeigte sich, dass die möglichen Rückhalteräume nördlich von Mühlau besser geeignet sind für die Reduktion der extremen Abflussspitzen. Zur Vereinfachung des Variantenstudiums wurde daraufhin der Projektperimeter Oberes Reusstal aufgeteilt in einen Abschnitt Süd von Dietwil bis Oberrüti und einen Abschnitt Nord von Sins bis Bremgarten», heisst es in der Mitteilung weiter.

Höherer Damm, breitere Reuss und verschiedene Rückhalteräume

Im Bereich Süd wurden zwei Varianten verglichen: eine mit neuem, höherem Damm und eine mit Verbreiterung der Reuss durch eine Rückverlegung des Damms. Die einzelnen Varianten im Abschnitt Nord umfassen Dammerhöhungen und -verstärkungen und unterscheiden sich durch unterschiedliche Rückhalteräume.

Die Kosten für den verbesserten Hochwasserschutz an der Reuss betragen in einer ersten Schätzung je nach Variantenkombination 35 bis 60 Millionen Franken. Bis wann ein Entscheid bezüglich einer Variante gefallen sein wird, ist noch offen. «Diese Abklärungen werden weiterhin unter Einbezug der Begleitgremien fortgeführt», teilt der Kanton Aargau mit.