Niederwil
Mit Musik geht auch im Reusspark alles besser

Der Reusspark beteiligte sich an einer Studie der Uni Zürich. Diese zeigt auf, dass Klänge, die an positive Erlebnisse geknüpft sind, sich positiv auf das Wohlbefinden von Dementen auswirken.

Nathalie Wolgensinger
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Gemeinsam auf Spurensuche: Demenzkranke und Pfleger schwelgen in musikalischen Erinnerungen.

Gemeinsam auf Spurensuche: Demenzkranke und Pfleger schwelgen in musikalischen Erinnerungen.

Bild: Jos Schmid

Musik ist bei einigen Demenzkranken der Schlüssel zum Wohlbefinden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Gerontologie der Universität Zürich. Der Reusspark hat sich daran beteiligt.

Dazu haben Pflegende und Angehörigen von Demenzkranken einen sogenannten Musikspiegel erstellt. Gemeinsam machte man sich auf die Suche nach bedeutsamen Erlebnissen und den damit assoziierten Geräuschen, Klängen oder Liedern. Daraufhin wurde für jeden Demenzkranken ein individueller «Musikspiegel» zusammengestellt und auf ein Tablet übertragen.

Weniger Medikamente Dank dem Musikspiegel

«Ist der Musikspiegel einmal erstellt, ist die Anwendung im Alltag niederschwellig und unkompliziert», sagt Andreas Egger, Leiter Gerontopsychiatrie im Reusspark. Auf neun Wohnbereichen, in denen vorwiegend Menschen mit Demenz betreut werden, ist der Musikspiegel eingeführt worden. Bei einigen Bewohnern hat er als Interventionsmethode bereits einen festen Platz in ihrem Alltag gefunden.

Beispielsweise bei jenem Bewohner, der oft die Körperpflege verweigerte. Wohnbereichsleiterin Susanna Lehmann sagt:

«Wenn wir den Musikspiegel anwenden, kommt er tanzend mit zur Dusche.»

Und Gesundheitsfachmann Patrick Lanz erzählt: «Wenn ich bei einer ehemaligen Gesangslehrerin den Musikspiegel einsetze, beginnt sie zu strahlen und singt mit.»

Der Chefarzt der Institution, Dr. René Kuhn, resümiert: «Insgesamt bewähren sich Musikspiegel als einfache, kurze Intervention, um die Stimmung demenzkranker Bewohnerinnen und Bewohner positiv zu beeinflussen.» In Einzelfällen sei es gar möglich gewesen, dank des Musikspiegels die Anzahl der Medikamente zu reduzieren.

Insgesamt 40 dieser individuellen Musikstücke sind derzeit im Reusspark im Einsatz. «Aufgrund der positiven Ergebnisse wenden wir den Musikspiegel auch nach Studienabschluss weiter an», zieht Andreas Egger eine positive Bilanz. Darüber hinaus ermutigen die gemachten Erfahrungen das gesamte Team, Musik im Alltag vermehrt und bewusst einzusetzen.