Muri
«Corona braucht Kultur»: Das Kino Mansarde eröffnet nach dem Lockdown mit Abstand und gleich zwei Premieren

Früher als erwartet darf der Filmklub Muri sein Kino wiedereröffnen. Doch an neue Filme heranzukommen, ist gar nicht so einfach. Kinoleiter Reto Holzgang erzählt von den Herausforderungen, die jetzt auf ihn und sein Team zukommen.

Pascal Bruhin
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Coronasitzordnung im Kino Mansarde in Muri: Mit Abstand und neu auch mit Maske, aber ohne Pause ist Filmgenuss bald wieder möglich.

Coronasitzordnung im Kino Mansarde in Muri: Mit Abstand und neu auch mit Maske, aber ohne Pause ist Filmgenuss bald wieder möglich.

zvg (22. August 2020)

Seit 19 Wochen ist das Kino Mansarde im Ostflügels des Klosters Muri nun lockdownbedingt geschlossen. Dass der Bundesrat am Mittwoch trotz kontroverser Coronazahlen Kinobesuche ab Montag wieder erlauben will, hat das Team des Filmklubs Muri, das das Kino betreibt, sehr überrascht. Heiss läuft denn auch das Telefon von Vereinspräsident und Kinoleiter Reto Holzgang seit Bekanntgabe der Wiederöffnung.

Kino Mansarde macht wieder auf: «Wir sind das unserem Publikum schuldig»

Reto Holzgang ist Präsident des Filmklubs Muri und Leiter des Kinos Mansarde.

Reto Holzgang ist Präsident des Filmklubs Muri und Leiter des Kinos Mansarde.

Eddy Schambron (2016)

«Ich habe persönlich nicht mehr daran geglaubt», sagt Holzgang. «Wir haben alle nicht damit gerechnet, dass es jetzt schon zu Lockerungen kommt.» Entsprechend viel gilt es nun zu organisieren, denn eines ist sicher: Das Kino Mansarde wird seine Tore wieder öffnen. Holzgang bekräftigt:

«Wir finden, Corona braucht Kultur. Und auch wenn es nicht rentiert: Wir sind das unserem Publikum schuldig.»

Jeweils von September bis Ende Mai zeigt der Verein alle zwei Wochen donnerstags und freitags Arthouseproduktionen und Kinderfilme. Im blau bestuhlten Dachtheater haben normalerweise 150 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz. Mit der Kapazitätsbegrenzung sind es nun noch deren 50. Die Erfahrungen vom letzten Herbst hätten jedoch gezeigt, dass dieses Schutzkonzept gut umsetzbar sei.

Das Dachtheater bietet normalerweise Platz für 150 Zuschauer.

Das Dachtheater bietet normalerweise Platz für 150 Zuschauer.

zvg

Kino Mansarde zeigte Filme schon immer ohne Pause

Neu dabei ist nun lediglich, dass auch die Bewirtung der Gäste untersagt ist und dass die Filme möglichst ohne Pause gezeigt werden sollen. «Für uns ist das aber keine Umstellung», sagt Holzgang. «Aus cineastischen Gründen haben wir schon immer auf eine Unterbrechung während des Films verzichtet.»

Was sich aber im letzten Herbst auch gezeigt habe, sei, dass viele der älteren Zuschauer aus Angst vor einer Ansteckung nicht ins Kino kämen. Die verfügbaren Plätze waren selten alle besetzt. Dies führte zu zusätzlichen Mindereinnahmen. Holzgang ordnet ein:

«Als Verein muss der Filmklub zwar keinen Gewinn erwirtschaften, aber die Fixkosten sollten bestenfalls gedeckt sein.»

Er hofft denn auch, dass sich die Cineasten nun trotz der Massnahmen wieder ins Kino wagen.

Unterbrochene Saison wird am 29. April turnusgemäss fortgesetzt

Nicht am nächsten Montag, sondern erst am Donnerstag, dem 29. April, wird das Kino Mansarde im üblichen Turnus seinen Saal für das Publikum öffnen. Aufwarten kann das Team des Filmklubs mit gleich zwei Premieren: dem deutsch-mongolischen Familienfilm «Die Adern der Welt» und dem Schweizer Drama «Von Fischen und Menschen». Wann diese jedoch genau gezeigt werden, ist noch offen.

Nach dem Saison-Unterbruch kann es am 29. April wieder losgehen.

Nach dem Saison-Unterbruch kann es am 29. April wieder losgehen.

zvg

Denn an neue Filme zu gelangen, sei derzeit alles andere als einfach, sagt Holzgang. «Alle Filme, auf die wir warten, sind noch nicht verfügbar.» Dies, weil die Filmverleiher bis heute ihre Produktionen zurückhalten würden. Der Kinoleiter führt aus:

«Es gibt nur sehr wenige Filme, die derzeit überhaupt auf dem Markt erhältlich sind.»

Dies erschwere die Programmplanung enorm und erfordere auch von den Zuschauern Flexibilität, da die Startzeiten variieren könnten. Das provisorische Programm wird jedoch in den nächsten Tagen auf der Website des Kinos (www.kinomansarde.ch) publiziert.

Filmklub Bremgarten hat die Saison bereits beendet

Vorderhand nicht betroffen von den Öffnungen ist der Filmclub Bremgarten. Im Kellertheater veranstaltet der Verein jeweils in den Wintermonaten Filmvorführungen. Saisonende ist jeweils Ende März. Präsident Bernhard Greber sagt auf Anfrage:

«Unser Programm wäre jetzt sowieso vorbei. Im Sommer herrscht bei uns Funktstille.»

Die Saison 2020/21 konnte man beim Filmklub bis auf zwei Filme Anfang des zweiten Lockdowns nicht durchführen.

Greber zeigt sich nun überrascht über die unerwartete Öffnung der Kinosäle. Im Kellertheater, das Platz für 150 Personen bietet, dürften mit den Corona-Abständen noch 50 Zuschauer Platz nehmen. «Das würde genau passen», meint Greber und überlegt jetzt, ob allenfalls in diesem Sommer doch auch Veranstaltungen des Filmklubs stattfinden werden. Dies sei allerdings erst eine Idee und noch nicht konkretisiert.

Nach Lockerungen plant der Filmklub Wohlen einen dritten Pop-Up-Abend

Auch der Filmklub Wohlen hat seine Saison bereits beendet, wie Präsident Daniel Renggli auf Anfrage bestätigt. Die Öffnungen kommen ihm aber dennoch mehr als gelegen. Denn da der Filmklub mit dem Umbau des Kino Rex ja bekanntlich momentan heimatlos ist, entwickelte der Verein ein Pop-Up-Konzept. Zwei Filme konnten je in Zusammenarbeit mit dem Kantiforum und dem Sternensaal bis zum zweiten Lockdown gezeigt werden.

Nach den Lockerungen soll nun ein dritter Film am Berufsbildungszentrum in Wohlen gezeigt werden. "Danach verabschiedet sich der Filmklub in die Sommerpause. Renggli sagt:

«Gegen den Frühling hin nehmen die Zuschauerzahlen immer ab.»

Nun ein Sommerprogramm für den Filmklub auf die Beine zu stellen, mache auch finanziell keinen Sinn. Man arbeite aber jeweils mit dem Team des Open Air Kino Wohlen zusammen und mache Filmvorschläge. Im Herbst, so hofft Renggli, soll aber das Cine Freiamt am Standort des ehemaligen Kino Rex fertiggestellt sein und der Filmklub darin wieder eine feste Bleibe erhalten.

Die Vorfreude sei gross, aber der finanzielle Verlust bleibe bestehen, sagt Edna Epelbaum, Präsidentin des Schweizerischen Kino-Verbandes, im Interview mit Keystone-SDA.