Niederwil
Korbflechten: Einst eine Tradition, heute fast exotisch

Im Pflege- und Betreuungszentrum Reusspark in Niederwil gastierten die zwei Korbflecht-Gestalterinnen Ursula Probst und Simone Rüppel.

Jürg Baumann
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So gehts: Simone Rüppel bietet Einblick ins Herstellen von Körben aus Weidenruten.BA

So gehts: Simone Rüppel bietet Einblick ins Herstellen von Körben aus Weidenruten.BA

Früher sah man die Korber auch noch im Freiamt. Besonders in der Landwirtschaft war man auf ihre Dienste angewiesen.

An diese Zeiten erinnerten sich die älteren unter den Besuchern, als die beiden Korbgeflechtgestalterinnen Ursula Probst aus Beringen und Simone Rüppel aus Laupen (ZH) im Pflegezentrum Reusspark im Gnadenthal ihre Kenntnisse über das traditionelle Handwerk vorstellten.

«Für das Korbflechten braucht man sicher ein Paar geschickte Hände», sagt Ursula Probst. Das Gleiche galt früher auch in der Freiämter Strohgeflechtindustrie, für die Tausende Freiämterinnen und Freiämter prächtige Kunstwerke herstellten.

Nur haben es die Korbgeflechtgestalterinnen heute mit eindeutig gröberem Material als dem feinen Roggenstroh zu tun, das im Freiamt verarbeitet wurde. Die Weiden, die man beim Korben braucht, müssen hauptsächlich aus Frankreich und Spanien importiert werden, ausser man zieht sie daheim selber auf.

Die Korbgeflechtgestalterinnen können sich auf eine uralte Tradition abstützen. Funde aus dem Nahen Osten belegen, dass schon vor zehntausend Jahren Körbe hergestellt wurden und sich das Handwerk über das Römische Reich auch in Europa ausbreitete.

In der Schweiz entwickelte sich die Korbflechterei zu einer Industrie. Diese fiel aber mangels Aufträgen nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Lange schien es, als ob das Handwerk aussterben würde.

Aber traditionsbewusste Frauen und Männer sorgten dafür, dass dem Beruf neues Leben eingehaucht wurde. Inzwischen wollen sich auch wieder einige junge Leute zur Korbflechtgestalterin ausbilden, können sie doch die dreijährige Lehre mit einem eidgenössisch anerkannten Diplom abschliessen. In der Berufsschule in Brienz absolvieren derzeit vier Lernende diese Berufsausbildung.

Vor allem Frauen haben sich das alte Handwerk zum Hobby oder zum Beruf gemacht. Wer aber als beruflich Selbstständige davon leben wolle, müsse ständig am Ball bleiben, Kurse geben und sich häufig an Märkten mit seinen Produkten zeigen, sagten Simone Rüppel und Ursula Probst.

Es gebe durchaus Kundinnen und Kunden, die einen von Hand geflochtenen Korb oder einen Dekorationsartikel und eine geflochtene Stuhlsitzfläche einem industriell hergestellten Produkt vorzögen, erklärten die beiden Fachfrauen.

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