Dottikon
Kehrausprogramm zwischen Barock und Musical

Vor über 20 Jahren gründeten Christine Urand und Daniel Polentarutti den Dottiker Konzertkreis. Eine ganz besondere Jubiläumsmatinee war Abschluss und letzter Höhepunkt.

Walter-Karl Walde
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Das Flyer Klassik-Trio mit Maya Schaufelbühl (Querflöte), Christina Reburg (Piano) und Gunhard Mattes (Oboe) trat beim letzten Konzert des Konzertkreises Dottikon auf.

Das Flyer Klassik-Trio mit Maya Schaufelbühl (Querflöte), Christina Reburg (Piano) und Gunhard Mattes (Oboe) trat beim letzten Konzert des Konzertkreises Dottikon auf.

Urs Schmassmann

Zwanzig Jahre lang hat der Dottiker Konzertkreis anspruchsvolle Konzerte im Dorf ermöglicht, mit vielen freiwilligen Helfern, wie dies der Mitbegründer Daniel Polentarutti (zusammen mit Christine Urand) in der Einleitung zum letzten Konzert erklärte.

Nach zwanzig Jahren und über fünfzig Konzerten ist jetzt Schluss. Aber Polentarutti hat sich die Solisten für diese letzte Veranstaltung im Risi-Lichthof gezielt ausgewählt.

Mit Maya Schaufelbühl engagierte er eine Solistin, die sein Lieblingsinstrument, die Querflöte, meisterhaft beherrscht, und der Oboist und Dirigent Gunhard Mattes ist sein eigener Nachfolger als musikalischer Leiter des Dottiker Orchestervereins.

Schade, dass es keine Dottiker Konzertreihe mehr geben wird. Gunhard Mattes ist jetzt gefordert, die Lücke zu schliessen.

Mit drei Sonaten (Antonio Vivaldi, Anna Bon und W. A. Mozart) startete das Programm ganz klassisch.

Über die technische Perfektion der Solisten braucht sich der Berichterstatter nicht zu äussern, Maya Schaufelbühl ist eine ausgewiesene Flötistin, sie überzeugt vor allem auch in den langsamen Phrasen durch ihre kontrollierte Atemtechnik.

Gunhard Matthes, der mit wohltuend kurzen Informationen durchs Programm führte, ist ein technisch brillanter Oboist, das Zwiegespräch zwischen Flöte und Oboe in den ersten zwei Sonaten waren erfüllt von Harmonie und musikalisch-stilistischer Übereinstimmung.

In der zeitgenössischen Komposition des Engländers Richard Rodney Bennet (1936–2012) kam diese Qualität des Zusammenspiels besonders zur Geltung. Die Pianistin Christina Reburg war nicht nur eine einfühlsame Begleiterin, sondern überzeugte auch als Sängerin, sich selbst auf dem Flügel begleitend, mit zwei italienischen Arien.

Die Auflösung einer Tradition (der Dottiker Konzertkreis war nie ein Verein, funktioniert hat es trotzdem immer) ist so etwas wie ein «lebender Untergang». Deshalb wohl hat sich das von Gunhard Mattes gegründete Flyer Klassik-Trio entschieden, im zweiten Teil des Konzerts voll auf bestbekannte Melodien aus Oper, Operette und Musical zu setzen.

«Musikalische Leckerbissen», wie dies auf dem Programmzettel angekündigt wurde. Von Rossini über Puccini bis zu Carl Zeller («Schenkt man sich Rosen im Tirol») bis hin zu Franz Léhar («Lippen schweigen») oder einem Schlager der Operettenliteratur («Vilja, oh Vilja») wurde hier nichts ausgelassen.

Musical-Melodien, das Konzertpublikum wurde aufgefordert, mitzusummen, bildeten den Abschluss. Daniel Polentarutti und seinen Helfern gehört ein grosses Dankeschön.

Sein Konzertkreis hat es geschafft, Klassik ins Dorf zu bringen, der Gemeinderat bedankte sich mit einem Apéro für eine kommunale Institution, die eigentlich eine Fortsetzung verdienen würde.