Wohlen
IBW und Gemeinderat balancieren gemeinsam

Wohlen In der neuen Eigen-tümerstrategie für die IBW verpflichtet sich der Gemeinderat, die unternehmerische Freiheit des lokalen Energieversorgers zu respektieren. Damit grenzt er sich klar gegen politischeEinflüsse auf die Firma ab.

Fabian Hägler
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«E gueti Sach»: IBW-Verwaltungsratspräsident Hanspeter Weisshaupt (links) und Gemeindeammann Walter Dubler mit der Broschüre zur Verselbstständigung der IBW 2001 und der neuen Eigentümerstrategie. fh

«E gueti Sach»: IBW-Verwaltungsratspräsident Hanspeter Weisshaupt (links) und Gemeindeammann Walter Dubler mit der Broschüre zur Verselbstständigung der IBW 2001 und der neuen Eigentümerstrategie. fh

Nur zwei Tage, nachdem die IB Wohlen AG im Einwohnerrat kontrovers diskutiert worden war (az berichtete), präsentierten Gemeindeammann Walter Dubler und IBW-Verwaltungsratspräsident Hanspeter Weisshaupt gestern Mittwoch die neue Eigentümerstrategie für das Unternehmen.

Der lokale Energieversorger ist zwar seit über zehn Jahren eine selbstständige Aktiengesellschaft, steht aber zu 100 Prozent im Besitz der Einwohnergemeinde Wohlen.

«Der wichtigste Punkt ist aus meiner Sicht, dass der Gemeinderat als Vertreter des Alleinaktionärs unsere unternehmerische Freiheit respektiert», sagte Weisshaupt. Konkret verpflichtet sich der Gemeinderat, dem IBW-Verwaltungsrat bei der Firmenstrategie freie Hand zu lassen.

Balance mit drei Eckpunkten

Dennoch sind auch die Erwartungen des Gemeinderats an die IBW-Führung formuliert. Neben der zuverlässigen Versorgung mit Strom, Gas und Wasser wird «die Erwirtschaftung und Abgabe einer jährlich angemessenen Dividende» gefordert. Ausserdem soll die IBW genügend Eigenmittel erwirtschaften, um künftige Investitionen selber zu finanzieren.

Gemeindeammann Walter Dubler betonte, es gelte eine Balance zu finden zwischen moderaten Strompreisen, einer angemessenen Dividende und genügend Eigenmitteln.

Anhand der Dividende, deren Höhe in der Vergangenheit für einige Diskussionen gesorgt hatte, erklärte Dubler das Prinzip . «Einmal wollte die IBW eine sehr tiefe Dividende zahlen, weil sie hohe Rückstellungen machte. Das hat der Gemeinderat nicht akzeptiert», blickte er zurück.

Andererseits wollte der Einwohnerrat vor zwei Jahren die Dividende verdoppeln – der Antrag wurde mit Stichentscheid des damaligen Ratspräsidenten und heutigen Gemeinderats Arsène Perroud (SP) abgelehnt.

Dubler hielt fest: «Wir hätten einen Beschluss, wobei der Einwohnerrat irgendwelche Fantasiezahlen für die Dividende der IBW ins Budget schreibt, nicht umgesetzt.»

Eigenkapital nicht unter 40 Prozent

Das vierseitige Papier enthält konkrete Vorgaben zu den wirtschaftlichen Zielen. So basiert die Dividende auf einer Verzinsung des Unternehmenswerts von 27 Mio. Franken und wird von Gemeinderat und IBW-Verwaltungsrat gemeinsam festgelegt. «Derzeit liegt die Verzinsung bei rund 3,6 Prozent», erklärte Weisshaupt.

Zudem darf die Eigenkapitalisierung der IBW nicht unter 40 Prozent fallen. «Heute stehen wir bei 60 Prozent, die Bilanzsumme beträgt 37 Millionen, davon sind 22 Millionen Eigenkapital», rechnete Weisshaupt vor.