Wohlen
Grosse Mengen an Sonnenenergie liegen noch brach

Mit Riesenschritten peilen die Industriellen Betriebe Wohlen AG eine sonnige Energiezukunft an: IBW-Geschäftsleiter Peter Lehmann gab an einem Energieforum das ehrgeizige Ziel aus, dass bis 2050 die Hälfte der Hausdächer in Wohlen mit Solaranlagen bestückt sein sollten.

Jörg Baumann
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Bis 2050 sollen die Hälfte der Hausdächer in Wohlen mit Solaranlagen bestückt sein. (Symbolbild, Archiv)

Bis 2050 sollen die Hälfte der Hausdächer in Wohlen mit Solaranlagen bestückt sein. (Symbolbild, Archiv)

Keystone

Tipps für Solarstromfreunde

Welche Liegenschaft ist in Wohlen geeignet, um mit einer Solaranlage ausgerüstet zu werden? Diese Frage kann beantwortet werden - mit dem Solarkataster. Der Kataster auf der Homepage www.ibw.ag (Link Kompetenzzentrum/Solarkataster) gibt per Mausklick (kein Doppelklick) auf die gewählte Liegenschaft alle notwendigen Daten frei. (BA)

Theoretisch genug Sonnenstrom

Theoretisch könnte Wohlen 30 Prozent mehr Strom produzieren, als in der Gemeinde verbraucht wird. Aber der Teufel steckt im Detail: Im Sommer fällt die grösste Solarstrommenge an, im Winter dagegen ist sie viel kleiner. Deshalb müsse der Stromverbrauch flexibler werden, sagte Lehmann. Dieser müsse sich dem schwankenden Solarstromangebot anpassen. Vor 20 Jahren installierten die IBW auf dem Dach des Werkgebäudes die erste Solaranlage eines Gemeindebetriebes. Das Angebot wurde mit weiteren Anlagen laufend ausgebaut. Seit zehn Jahren verkaufen die IBW Ökostrom, wie Konrad Gfeller, Bereichsleiter Energievertrieb, bekannt gab. «Heute setzen wir sechs Prozent Ökostrom ab. Damit stehen die IBW erfolgreich in der Energielandschaft.»

Strom tagsüber teurer?

Lehmann dachte laut darüber nach, dass der Strom in Zukunft tagsüber günstiger und in der Nacht teurer werden könnte - also genau umgekehrt wie heute. Tagsüber könnte es auch mehrere Strompreise geben. Mit intelligenten Haushaltgeräten und Stromzählern könnte man auch in Wohlen den Verbrauch steuern. Bis 2020 sollen alle Haushaltungen im Dorf mit solchen neuen Stromzählern, sogenannten Smart-Meters, ausgerüstet sein. «Die Zähler werden nun periodisch ausgewechselt», teilte Lehmann mit. Noch nicht marktreif seien leistungsstarke Stromspeicher, die die elektrische Energie so lange aufbewahren können, bis sie gebraucht würde. Auf diesem Gebiet müsse noch viel geforscht werden. Von entscheidender Bedeutung werde auch sein, dass der Strom in Zukunft vermehrt dezentral produziert und gespeichert werde, erklärte der IBW-Geschäftsleiter.

Lehmann forderte von der Politik «rechtlich klare und verbindliche Rahmenbedingungen und Zielsetzungen, die nicht im Rhythmus von Wahlperioden geändert werden können». Er wehrte sich auch gegen Überregulierungen und für den Abbau der Bürokratie im Energiegeschäft und verlangte genügend finanzielle Mittel für Investitionen in Produktion, Netze und Speicherung. Die Energieversorgung dürfe nicht «als Objekte für die Sanierung von Finanzhaushalten» missbraucht werden - dies an die Adresse des Gemeinderates, der von den IBW ständig hohe Dividenden, Steuern und Konzessionsgebühren fordert.

45 Milliarden für den Umstieg

«Bei der Photovoltaik geht nun die Post ab», versprach Walter Steinmann, der Direktor des Bundesamtes für Energie. Die Schweiz war auf diesem Gebiet früher Spitzenreiter gewesen, liegt aber nun weit im Rückstand. Die Forschung auf dem Gebiet der Stromspeicherung müsse vorangetrieben werden. Die Gesamtkosten für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 schätzt Steinmann auf 45 Milliarden Franken. Das sei volkswirtschaftlich verkraftbar.

Die Erdwärme sei heute erst ein Versprechen, müsse aber weiter gefördert werden, erklärte Werner Leuthard, Chef der kantonalen Abteilung Energie. «Bis wir die Erdwärme effizient nutzen können, werden noch Jahre verstreichen.» Mit dem neuen Energiegesetz will der Kanton Aargau die Gemeinden auffordern, eigene Energieplanungen zu erstellen. Fossile Heizungsanlagen sollen nur noch dann gestattet werden, wenn kein Alternativsystem für die Anwendung genügt, effizienter ist und einen geringeren CO2-Ausstoss hat. Elektrische Widerstandsheizungen werden ganz verboten. Besonders Grossverbraucher werden verpflichtet, ihren Energieverbrauch zu optimieren.