Oberwil-Lieli
Freestyle-Aerials-Nachwuchs: «In der Badi sind wir die, die coole Sprünge können»

Oberwil-Lieli bringt gleich drei Freestyle-Aerials-Talente hervor: Nina, Andrin und Fabian trainieren zwei- bis viermal wöchentlich. Das Ziel? Profisport.

Natasha Hähni
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Nina Lehmann (12), Andrin Läber (9) und Fabian Bader (13, von links) gehören zum Regionalkader der Freestyle Aerials. Natasha Hähni

Nina Lehmann (12), Andrin Läber (9) und Fabian Bader (13, von links) gehören zum Regionalkader der Freestyle Aerials. Natasha Hähni

Natasha Hähni

Neben der riesigen Wasserschanze in Mettmenstetten ist ein weisses Zelt aufgestellt. Was von aussen aussieht wie ein Festzelt, ist eine komplett ausgestattete Trainingsanlage mit zwei grossen Trampolinen auf zwei verschiedenen Ebenen, einer Akrobatikbahn, zahlreichen Matten und weiteren Trainingsgeräten. Unter der Leitung von Manuela Müller und Tobias Krähenbühl trainiert hier das Regionalkader der Freestyle Aerials zwei- bis viermal wöchentlich. In der Wintersaison, die in zwei Wochen endet, finden die Trainings im Zelt statt. Hier üben die jungen Sportler neue Sprünge, arbeiten an der Technik und machen Kraftübungen. Immer wieder hört man Ausrufe wie «Spannung!» und «Kopf nach rechts!», die von Trainer Fabian Kern kommen. Er gehört zum Schweizer Nationalkader der Freestyle Aerials. Wegen einer Verletzung kann er jedoch selber nicht trainieren. Die Kinder freuen sich umso mehr über die prominente Unterstützung.

Im Sommer trainieren die Sprung-Spezialisten draussen. «Die Trainings sind so aufgebaut, dass wir zuerst aufwärmen und dann zwei bis drei Stunden an der Wasserschanze trainieren und an der Technik feilen», erklärt Trainer Tobias Krähenbühl. Bei Gewitter im Sommer wird das Training ins nahegelegene Hallenbad verlegt. Die Sprünge werden dann ab den Sprungtürmen geübt. Der 9-jährige Andrin Läber erklärt schmunzelnd: «In der Badi sind wir die, die coole Sprünge können!»

Ziel: Profisport

Das Regionalkader besteht aus 13 Nachwuchssportlern, gleich drei davon wohnen in Oberwil-Lieli. Für den ungewöhnlichen Sport haben sie sich aber unabhängig voneinander entschieden: Nina Lehmann (12) wurde der Sport sozusagen in die Wiege gelegt. Schon ihre Mutter war im Freestyle-Aerials-Team. So ist sie dabei, seit sie acht Jahre alt war. Karriere will Nina jedoch im Ski alpin machen, genau wie ihr Vorbild Lindsey Vonn. Auch Andrin bekam den Tipp von Ninas Mutter: Sie wusste, dass er überaus gern Trampolin springt. Der damals 7-Jährige fand in der actionreichen neuen Beschäftigung schnell seine Leidenschaft.

Fabian Bader (13), der dritte im Bunde, trainiert seit vier Jahren mit dem Team. Nachdem er mit Fussball aufgehört hatte, schlugen ihm ein paar Freunde den Sport vor. Schnell war die Begeisterung für die Sprünge da. Sein Ziel: einmal vom Profisport zu leben. Um es zu erreichen, opfert er viel. Mit vier Trainings pro Woche bleibt ihm nicht viel Freizeit. «Für meine Freunde finde ich trotzdem immer Zeit», lacht Bader.

Verletzungen sind im Trainingszelt selten: Die Nachwuchstalente springen nur unter Beobachtung. Die Unfälle passieren meist ausserhalb des Trainings. Das erlebte auch Fabian Bader: Im Training lernte er den Rückwärtssalto. An einem Jugi-Treff wiederholte er den gewagten Sprung von einem Sofa aus: Was als Showeinlage begann, endete mit einem Mittelfussknochenbruch. Glücklicherweise ist dem Jungtalent von dieser Verletzung nichts mehr anzumerken.

Sind alle Springer anwesend, so zählt das Regionalkader 13 Jungen und Mädchen. Sie kommen aus der ganzen Nordwestschweiz: Das war nicht immer so: «Früher kannte man den Sport nur in den Dörfern rund um die Schanze in Mettmenstetten. Heute kommen die Athleten auch von weiter her», erklärt Krähenbühl.