Wohlen
Gemeinderat rechnet weiter mit einem Steuerfuss von 120 Prozent ab 2026

Der Gemeinderat Wohlen präsentiert den aktualisierten Finanzplan für die Jahre 2022–2031. Die anstehenden Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe würden eine Steuerfusserhöhung ab Mitte des Jahrzehnts unumgänglich machen.

Marc Ribolla
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Die Gemeinde Wohlen plant mit hohen Investitionen.

Die Gemeinde Wohlen plant mit hohen Investitionen.

Chris Iseli (20.4.2020)

Nur knapp viereinhalb Monate nach dem jüngsten Finanzplan 2021–2030 präsentiert der Gemeinderat Wohlen schon seinen nächsten Finanzplan mit dem Zeithorizont 2022–2031. Dies hat seinen Grund. Die Exekutive hat beschlossen, ab diesem Jahr den Finanzplan jeweils schon im ersten Quartal dem Einwohnerrat vorzulegen. Dies soll in der Sitzung vom 22. März der Fall sein.

Gemeinderätin und Finanzministerin Ariane Gregor sagt zur AZ: «Mit der früheren Publikation können wir zum Beispiel sicherstellen, dass für die Erstellung des Budgets die entsprechenden Zahlen dem Einwohnerrat und damit der Politik bereits frühzeitig bekannt sind. So läuft es transparenter ab.»

Gemeinderat hält weiterhin an Steuererhöhung fest

Im Vergleich zur letzten Version zeigt der neue Finanzplan keine grösseren Veränderungen auf. Die Entwicklung der Wohler Gemeindefinanzen in den kommenden zehn Jahren ist geprägt von einer Investitionssumme von rund 150 Mio. Franken. Die Summe der geplanten Projekte umfasst dabei 126 Millionen. Dazu gehören unter anderem der Neubau der Dreifachturnhalle Hofmatten oder der Schulhauskomplex Halde sowie Strassenprojekte.

Für den Gemeinderat ist weiterhin klar, dass mit den Investitionen auch der Steuerfuss erhöht werden muss. Er hält im Finanzplan wie angekündigt an einer Erhöhung von 113 auf 115 Prozent ab dem Jahr 2023 fest und rechnet ab 2026 mit 120 Prozent.

Steuerfuss Gemeinde Wohlen bis 2030

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Trotz geplanter Steuerfusserhöhung wird mit den Investitionen, die noch vom Souverän genehmigt werden müssen, die Verschuldung stark ansteigen. Gemäss Prognose wird ab 2023 die Nettoschuld pro Einwohner die Marke von 5000 Franken überschreiten. Dies entspricht einer sehr hohen Verschuldung. Der kantonale Richtwert liegt bei nur 2500 Franken.

Zusätzliche 1,7 Mio. Mindereinnahmen bei kantonaler Steuerreform

Noch nicht im Finanzplan enthalten sind die Auswirkungen des angepassten Aargauer Steuergesetzes, über das der Grosse Rat erst dieses Jahr befinden wird. Die geplante Reduktion der Gewinnsteuersätze für juristische Personen und die Erhöhung der Abzüge für Krankenkassen und Sparkapitalien bei den natürlichen Personen würden in Wohlen geschätzte jährliche Mindereinnahmen von 1,7 Mio. Franken ausmachen.

Finanzministerin Gregor hofft, dass diese Revision nicht auf dem Buckel der Gemeinden ausgetragen wird. «Ich finde es eine Frechheit, was der Kanton hier machen will», meint sie. Die 1,7 Mio. Mindereinnahmen würden in Wohlen rund 4 bis 5 Steuerprozente ausmachen. Noch nicht absehbar sind ebenso wenig auf den langen Zeithorizont die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Steuererträge Wohlens.