Dringliche Motion
Starkstromleitung durchs Reusstal: Freiämter Grossräte fordern Regierung auf nötigenfalls beim Bund zu intervenieren

Bald präsentiert das Bundesamt für Energie dem Bundesrat den Vorschlag zur Festsetzung des Planungskorridors der Starkstromleitung Niederwil – Obfelden. Freiämter Grossräte fordern den Regierungsrat auf, ein Bereinigungsverfahren zu verlangen, wenn der Antrag nicht der Aargauer Forderung einer Vollverkabelung entspricht.

Marc Ribolla
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Eine Starkstromleitung führt über die Dächer der Einfamilienhäuser von Niederwil.

Eine Starkstromleitung führt über die Dächer der Einfamilienhäuser von Niederwil.

Alex Spichale (2019)

Die geplante Starkstromleitung (380 kV) der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid durchs Reusstal zwischen Niederwil und dem zürcherischen Obfelden beschäftigt die Gemüter in der Region seit vielen Jahren. Der Widerstand in den Gemeinden und Verbänden gegen die offene Linienführung ist gross.

Die Freileitung über den Wagenrain zwischen Wohlen und Bremgarten mit Masten bis 80 Meter Höhe stösst auf breite Ablehnung. Auch der Regierungsrat des Kanton Aargau forderte in seiner Vernehmlassungsstellungnahme vor einem Jahr eine Vollverkabelung der rund 17 Kilometer langen Leitung. Was seither passiert ist, ist offen. Allerdings drängt die Zeit.

Deshalb werden nun Freiämter Grossräte aktiv. 16 von ihnen aus dem ganzen Parteienspektrum reichen nächsten Dienstag eine dringliche Motion im Grossen Rat ein, als Sprecher fungiert Arsène Perroud (Wohlen).

Bedenken der Bevölkerung sollen berücksichtigt werden

«Der vom Bundesamt für Energie (BFE) kommunizierte Zeitplan sieht vor, dass das BFE im ersten Quartal 2021 dem Bundesrat den Antrag auf Festsetzung des Planungskorridors unterbreitet», heisst es in der Motion. Allerdings sei nicht bekannt, wie der Antrag des BFE lauten werde, respektive ob das BFE die Bedenken des Aargauer Regierungsrats und der Bevölkerung angemessen beachtet.

Die Grossräte fordern deshalb den Regierungsrat auf, das Bereinigungsverfahren zu verlangen, wenn der Antrag des BFE an den Bundesrat nicht der Forderung des Kantons Aargau entspricht und keine Vollverkabelung im Sachplan vorgeschlagen wird.

Dieses Bereinigungsverfahren solle insbesondere dazu dienen, dass alternative Kabeltechnologien, Bauverfahren und Trasseevarianten unabhängig auf ihre Machbarkeit überprüft werden müssen. «Unverständlich ist, dass nach der Vernehmlassung auf die Einwendungen und konstruktiven Vorschläge von Betroffenen sowie von Kabelexperten bisher nicht eingetreten wurde. Offensichtlich will das BFE ein Präjudiz verhindern und sträubt sich deshalb vehement gegen eine Vollverkabelung im Reusstal», schreibt Perroud.