Muri
«Die Schulsozialarbeit spart Steuergeld»

Das Kompetenzzentrum für Schulsozialarbeit steht auch kleinen Schulen zur Verfügung. Leiter Martin Schneider über die Schwierigkeit, die Wirksamkeit der Dienste aufzuzeigen.

Eddy Schambron
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Martin Schneider leitet das Kompetenzzentrum Schulsozialarbeit in Muri. Eddy Schambron

Martin Schneider leitet das Kompetenzzentrum Schulsozialarbeit in Muri. Eddy Schambron

Eddy Schambron

Was bringt die Schulsozialarbeit wirklich? Buttwil hat in einer Abstimmung ihre definitive Einführung auf das Schuljahr 2016/2017 deutlich abgelehnt, andere Schulen und Gemeinden sind froh, sie zu haben beziehungsweise bald einführen zu können. Der Leiter des Kompetenzzentrums Schulsozialarbeit in Muri, Martin Schneider, weiss um die Schwierigkeit, die Arbeit seines Teams aufzuzeigen. «Es ist nicht möglich, die Wirksamkeit von Schulsozialarbeit schwarz auf weiss zu beweisen», räumt er ein. Einerseits lässt die Schweigepflicht keine Offenlegung der Fälle zu, andererseits sind die Auswirkungen von konkreten Massnahmen kaum objektiv messbar. Aber Rückmeldungen – von Lehrpersonen, von Schulleitungen und anderen Institutionen wie der Jugend-, Ehe- und Familienberatung oder dem Sozialamt – zeigen ihm und seinem Team: «Wir werden gebraucht, wir bewirken etwas.» Und die Schulsozialarbeit spart der öffentlichen Hand auch Steuergeld, ist Schneider überzeugt: «Kürzlich konnten wir beispielsweise mit einer relativ kurzen Intervention eine schwierige Situation retten, bei der die Heimeinweisung eines Schülers drohte. Eine Heimunterbringung hätte etwa 500 Franken am Tag gekostet.» Muri und andere Gemeinden würden nicht in die Schulsozialarbeit investieren, wenn sie nicht überzeugt wären, dass sich dieses Engagement auch finanziell lohnt.

Scharnierfunktion

Fallzahlen sozusagen als Leistungsausweis steht Schneider skeptisch gegenüber. «Ein Gespräch dauert mal eine halbe Stunde, mal begleiten wir einen Klienten über Wochen», relativiert er die Zahlen, die er aber künftig den Gemeinden auch vorlegen wird. «Wichtiger scheint mir die Haltung zu sein: Wie viel wollen wir für unsere Kinder tun, welche Grundlagen wollen wir den Lehrpersonen für ihre anspruchsvolle Arbeit bieten, wie viel Vertrauen bringen wir auf, dass auch bei der Schulsozialarbeit Menschen verantwortungsvoll und engagiert ihren Job machen?» Die Schulsozialarbeitenden werden bei Problemen einerseits von den Kindern direkt kontaktiert oder aber über Lehrpersonen auf sie aufmerksam gemacht. «Wir haben einen anderen Zugang zu den Schülerinnen und Schülern», schildert Schneider eine Art Scharnierfunktion seines Zentrums. Umgekehrt sind Lehrpersonen froh, eine Anlaufstelle zu haben. «Wir können Lehrpersonen beraten und unterstützen und so manche schwierige Situationen entspannen, bevor sie sich ausweiten.» Die Zusammenarbeit beziehungsweise die Abgrenzung zu anderen sozialen Institutionen funktioniere problemlos. «Wir wissen, wo welche Fälle hingehören. Wir haben mit allen Stellen ein gutes Einvernehmen.»

Gesamtpaket bei jedem Pensum

Werbebotschaft in eigener Sache? Nein, unterstreicht Schneider. «Tatsache ist, dass praktisch alle Gemeinden, die die Schulsozialarbeit eingeführt haben, sie nicht mehr missen möchten. Und je länger die Sozialarbeit bereits besteht, desto weniger will eine Gemeinde davon Abstand nehmen.» Diese Wertschätzung sei denn auch eine grosse Motivation und Verpflichtung. Die Kosten von 14 000 Franken für ein 10-Prozent-Pensum seien nicht zu hoch. Dieser Betrag setze sich nicht nur aus dem Lohn des Schulsozialarbeiters, ungefähr in der Höhe einer Primarlehrperson, zusammen, sondern beinhalte auch die Arbeitgeberbeiträge in die Vorsorgeversicherungen, Weiterbildung für die Angestellten, Supervision, Administration usw. «Die Gemeinde erhält selbst bei einem niedrigen Pensum von unserem Kompetenzzentrum ein Gesamtpaket mit einer Erreichbarkeit von Montag bis Freitag.» Umgekehrt bietet das Kompetenzzentrum für die Sozialarbeitenden gute Arbeitsbedingungen: «Wir sind ein Team, wir können uns austauschen, einander unterstützen», sagt Schneider. Gerade deshalb sei es nie schwierig, eine Stelle zu besetzen. Schneider selbst ist seit zehn Jahren Schulsozialarbeiter in Muri und hat das Kompetenzzentrum mit aufgebaut.

An der Wand von Schneiders Büro hängt ein grosses Foto von einem Leuchtturm im tosenden Meer. Er hat es von einer ehemaligen Schulsekretärin und heutigen Gemeinderätin geschenkt erhalten, weil sie fand, es passe ganz gut ins Büro des Schulsozialarbeiters.

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