Wohlen
Die Perspektiven im Sozialwesen sind nicht rosig

161 neue Sozialfälle wurden 2015 registriert. «Die Perspektiven im Sozialwesen sind nicht rosig. Die Frage, wie lange wir uns dieses System noch leisten können, besorgt mich persönlich», sagt Urs Spillmann, Leiter Soziale Dienste in Wohlen.

Walter Christen
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Ebbe im Geldbeutel: Gang aufs Sozialamt unumgänglich.

Ebbe im Geldbeutel: Gang aufs Sozialamt unumgänglich.

Der Gang zum Sozialamt werde für immer mehr Menschen unumgänglich, heisst es im Geschäftsbericht 2015 der Gemeinde Wohlen. Liegt der Grund im stetigen Bevölkerungswachstum und gibt es deshalb immer mehr Sozialfälle? Oder verlieren die Leute generell immer mehr die Scheu vor dem Sozialamt? Vielleicht hängt die Zunahme aber nicht zuletzt auch damit zusammen, dass immer mehr Menschen auf sich alleine gestellt sind und nicht mehr in einem engen familiären Umfeld aufgefangen werden können, weil ihnen diese Kontakte schlichtweg fehlen.

Schlechte Grundausbildung

«Die Gründe sind vielfältig», sagt Urs Spillmann, Leiter der Sozialen Dienste der Gemeinde Wohlen, auf Anfrage der Aargauer Zeitung. «Einerseits führt die schlechte Grundausbildung von vorwiegend Ausländern wie auch mangelnde Ausbildung von Jugendlichen dazu, dass sie wirtschaftlich bedingt ihre Temporärtätigkeit verlieren und den Antrag auf Sozialhilfe stellen müssen», so Spillmann.

«Zudem, und wahrscheinlich noch vermehrt, werden die gesetzlichen Regulierungen – zum Beispiel bei der IV und der Individuellen Prämienverbilligung (IPV) – so weit erhöht, dass aus anderen Kassen Leistungen vom Gemeinwesen zu erbringen sind. Und das ist ja letztlich die Sozialhilfe», hielt der Wohler Sozialdienstleiter fest.

Weiter betonte Urs Spillmann: «Die Migrationsströmung, das heisst, der Zuzug von Ausländern, die kurz nach ihrer Einreise in die Schweiz den Antrag auf Sozialhilfe stellen, nimmt ebenfalls augenfällig zu.» Er bestätigte auch, dass das engmaschige Familiennetz tatsächlich weniger funktioniere und die Forderung nach Zahlungen vom Staat die Eigenverantwortung mindere.

424 Sozialhilfedossiers bearbeitet

Im Berichtsjahr 2015 haben die Sozialen Dienste Wohlen 424 (im Vorjahr 412) Sozialhilfedossiers bearbeitet. Finanziell unterstützt wurden insgesamt 724 Personen, im Jahr 2014 waren es deren 684. Die Wohler Sozialkommission hat voriges Jahr an 11 Sitzungen total 497 Fälle (im Vorjahr 470) besprochen. Thema in der Kommission waren unter anderem auch die Wiedereingliederung von ausgesteuerten Arbeitslosen sowie die Integration von Flüchtlingen.

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