Frühgeschichte

Die Kantonsarchäologie will 6 der 21 Grabhügel im Sarmenstorfer Wald richtig konservieren

Die Aargauer Kantonsarchäologie korrigiert 100-jährige Fehler. Die Grabhügel sollen so besser erlebbar gemacht werden.

Die Wintersonne scheint golden aufs Zigiholz. Sie lässt die uralten Grabhügel unter den Nadelbäumen und Buchen beinahe mystisch wirken. Doch was viele Besucher, die die uralte Kultstätte besuchen, nicht wissen: Die aufgeschütteten runden Wälle aus Erdmaterial, die man für die Grabhügel halten könnte, sind nicht prähistorisch.

Im Gegenteil, sie sind sozusagen das Negativ der Grabhügel: Als die damaligen Forscher die Gräber zwischen 1925 und 1928 ausgruben, liessen sie das Aushubmaterial rund um die Grabhügel liegen. Dieses bildet bis heute die Erdringe, die bei einigen Gräbern – im Gegensatz zu den eigentlichen Grabstellen dazwischen – sehr gut erkennbar sind.

Diese unklare Situation will die Kantonsarchäologie nun beheben. Noch dieses Jahr, wenn alles gut läuft. Das Baugesuch dafür liegt seit Freitag bei der Gemeinde Sarmenstorf auf.

«Die Wissenschaft ist heute eben weiter als vor 100 Jahren»

Die Grabanlage im Sarmenstorfer Zigiholz ist eine von nur drei grossen Grabhügelnekropolen von nationaler Bedeutung im Aargau. Die anderen beiden sind Unterlunkhofen-Bärhau und Elfingen-March. Das Zigiholz steht nicht nur unter kantonalem Denkmalschutz, sondern ist im nationalen Kulturgüter-Inventar auch als A-Objekt klassifiziert.

Das bedeutet, dass es sich um eine Fundstelle handelt, die für das kulturelle Erbe der Völker von grosser Bedeutung ist. Aus diesem Grund möchte die Kantonsarchäologie die Stätte den Besuchern so zeigen, wie sie einst war, bevor sie vor rund 100 Jahren ausgegraben wurde.

«Man hat sich damals schon Gedanken gemacht, wie man die Gräber den Besuchern präsentieren möchte. Aber die Wissenschaft ist eben heute weiter als damals», erklärt Georg Matter, Leiter der Kantonsarchäologie.

Abgesehen von der besseren Erlebbarkeit sind der Kantonsarchäologie zwei Dinge wichtig: Sie will die Gräber richtig konservieren, damit sie nicht noch weiter beschädigt werden, sowie dafür sorgen, dass nicht alle paar Jahre Unterhaltsarbeiten an den Gräbern vorgenommen werden müssen.

Dafür sollen die Hügel 1 bis 6 in den Zustand von 1925 zurückversetzt werden. Die Strukturen sollen durch ein Geotextil und Sand geschützt und wieder durch Erdhügel zugedeckt werden. Ausserdem soll ein Rundweg 7 der 21 Grabhügel im Ortsbürgerwald verbinden. Die Arbeiten kosten rund 20000 Franken.

Neue Infotafel soll falsche alte Annahmen korrigieren

Nicht nur die ringförmigen Aufhäufungen leiten die Besucher in die Irre, sondern auch die sichel-, respektive hufeisenförmigen Steinhaufen, sogenannte Steinpackungen, die Überreste der eigentlichen Gräber.

«Die Ausgräber vor 100 Jahren dachten, die speziellen Formen der Steinpackungen hätte eine besondere Bedeutung. Heute wissen wir, dass sie wohl durch Raubgrabungen entstanden sind. Ursprünglich waren sie ziemlich sicher rund oder allenfalls rechteckig.»

Weitere Fehler soll eine neue Infotafel beheben. «Die jetzige Tafel aus den 90er-Jahren ist aus heutiger wissenschaftlicher Sicht bereits nicht mehr auf dem neuesten Stand.» Beispielsweise liest man von jungsteinzeitlichen Grabhügeln (um 2800 bis 2400 v. Chr.).

Heute geht man davon aus, dass die Gräber aus der Bronzezeit (1500 bis 1300 v. Chr.) stammen und die einzelne jungsteinzeitliche Tonscherbe, die in der Hügelerde gefunden wurden, per Zufall mitverbaut wurde. «Sie stammt wohl von einer älteren Siedlung in der Nähe.» Noch dieses Jahr sollen die Grabhügel in historisch korrekterem Licht erstrahlen.

Auch in Unterlunkhofen ist eine Verbesserung geplant. «Dort müssen wir keine Hügel aufschütten», so der Kantonsarchäologe. «Aber der Wald ist sehr dicht, sodass die Grabhügel schwer erkennbar sind. Das wollen wir ändern, denn immerhin handelt es sich mit über 60 Grabhügeln um die grösste Grabhügelnekropole der Schweiz.» In Absprache mit den Ortsbürgern Unterlunkhofen, Eigentümer des Landes, wurde eine Projektstudie erstellt, welche diesen Frühling präsentiert wird.§

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