Alain Maître
Der neue Gemeindeammann von Oberlunkhofen: «Ich will keinen Kasernenhofton»

Alain Maître hat als neu gewählter Gemeindeammann von Oberlunkhofen klare Vorstellungen und Ziele.

Christian Breitschmid
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317 Stimmen waren nötig, um als Gemeindeammann von Oberlunkhofen gewählt zu werden. Genau 317 Stimmen hat er am 24. September erhalten, Alain Maître, der gebürtige Oberlunkhofer, der sein Engagement für die Gemeinde schon seit 2008 als Gemeinderat und seit zwölf Jahren als Aktuar der Feuerwehr unter Beweis stellt. «Ich bin ein Vereinsmensch», sagt der 42-Jährige, «weil ich sehr gesellig bin und aktiv am Dorfleben teilnehme, eben zum Beispiel im Feuerwehrverein oder im Schützenverein.» Darum treffe man ihn auch mal am Stammtisch, denn «da sind die Leute so, wie sie sind, und reden geradeheraus. Ich glaube, wenn sich die Menschen früher an einen Stammtisch setzen würden, dann könnte das in vielen Fällen den Psychiater ersetzen.»

Anonymes in runden Ordner

Hand in Hand mit der Geselligkeit geht für Maître der Begriff Tradition. Darum richtet er sich politisch auch an der CVP aus, welche ihm als «gut bürgerlichem Kommunalpolitiker», wie er selber sagt, die Bodenhaftung verleiht. Allerdings nicht in blindem Gehorsam: «Ich bin nicht mit allem einverstanden, was die CVP auf Bundesebene macht. Mir macht es Angst, dass die CVP auf Bundes- aber auch auf Kantonsebene etwas sehr linkslastig ist.»

Umso zufriedener ist er mit seiner Partei im 2000-Seelen-Dorf Oberlunkhofen, wo die bürgerliche Mitte noch trägt und wo man sich noch grüsst im Dorf. «Das ist mir ungeheuer wichtig, dass man sich ‹guten Morgen!› sagt, wenn man sich trifft. Das hat mit gegenseitigem Respekt zu tun und mit einer offenen Haltung.» Diese Einstellung hat Maître der Bevölkerung Oberlunkhofens gegenüber, erwartet sie aber auch von den Bürgern: «Lasst uns nicht anonym werden. Kommuniziert aktiv und tragt zur Lösungsfindung bei. Nehmt am Dorfleben teil und meldet euch, wenn es darum geht, Ämter und Kommissionen zu besetzen.»

Der Austausch mit den Einwohnern Oberlunkhofens liegt dem gelernten Kaufmann mit Handelsdiplom und Weiterbildungen im Exportgeschäft und in Personalführung sehr am Herzen. «Mir ist klar, dass man es nie allen recht machen kann, aber jeder muss angehört werden.» Auch mit Kritik kann Maître durchaus umgehen: «Es braucht manchmal schon einen breiten Rücken, das habe ich gelernt. Wenn aber anonyme Angriffe oder gar Beschimpfungen zu mir kommen, dann landen die im runden Ordner.»

Auch im Gemeinderat schätzt Maître die kollegialen Umgangsformen. Es werde wohl manchmal heftig um einzelne Entscheide gerungen, und die verschiedenen Meinungen würden klar auf den Tisch gelegt, aber immer mit Anstand und Respekt. Genau so möchte er als Gemeindeammann den Gemeinderat weiter pflegen, ein «kollegiales, geeintes Gremium, das Freude hat an seinem Amt, zusammen mit einer kundenorientierten Verwaltung. Mit Freude entstehen gute Ergebnisse. Ich werde keinen Kasernenhofton im Gemeinderat akzeptieren.»

Endlich Zeit für die Liebe

Die Wahl zum Gemeindeammann kam für Maître im richtigen Moment. Durch seine beruflichen und gesellschaftlichen Engagements während Jahren fest eingespannt, hat er sich ganz bewusst eine Auszeit genommen, um sich neu zu orientieren. In diese Zeit fiel auch der Wahlkampf. Nun, da die Entscheidung gefallen ist, kann er gezielt eine neue Stelle suchen und dabei auf sein Amt und sein Privatleben Rücksicht nehmen. «Ich bin erst seit drei Jahren in einer festen Beziehung. Oder vielleicht sollte ich sagen ‹schon›, denn vorher liess mir mein Terminkalender einfach keine Zeit dafür.»

An Herausforderungen wird es dem designierten Gemeindeammann nicht fehlen. Mit einem «partizipativen und kommunikativen Führungsstil» will er die laufenden Geschäfte der Gemeinde zu Ende bringen: die Errichtung von Alterswohnungen auf Land Andermatt und die Annahme der Bau- und Nutzungsordnung im kommenden Jahr. Ausserdem ist die Pensionierung von Gemeindeschreiber Erwin Eichenberger absehbar. «Ersatz zu finden für diese 30 Jahre Erfahrung und Können, das wird eine grosse Herausforderung», sagt Maître. Ein grosses Anliegen ist ihm die Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinderäten im Kelleramt.

Er werde seine Ratskollegen dazu anhalten, ganz bewusst den Austausch mit ihren Amtskollegen zu pflegen. In diesem Zusammenhang erinnert er auch an den Fondueplausch der Kellerämter Gemeinderäte, den er vor acht Jahren initiiert hat. Nach jeder Gesamterneuerungswahl sollte ein solcher Plausch stattfinden. Oberlunkhofen und Oberwil-Lieli haben schon eingeladen. «Nun wäre es wieder soweit. Aber bisher hat sich noch keine Gemeinde gemeldet.»