Das Freiamt boomt. Das zeigt die Bevölkerungsstatistik vom ersten Halbjahr 2013. Der Bezirk Muri weist mit 0.98 % die höchste relative Wachstumsrate im ganzen Kanton auf. Der Bezirk Bremgarten folgt direkt darauf mit 0.92 %.

Beide Bezirke liegen weit über dem kantonalen Durchschnitt. Rund 4000 Personen mehr leben im Aargau im Vergleich zu 2012. Laut Statistik ist die Zunahme grösstenteils auf die Zuwanderung zurückzuführen.

Das ist auch der Hauptgrund für die überdurchschnittliche Wachstumszunahme im Freiamt.

Die Zuwanderer sind vor allem Leute aus dem Kanton Zug und Zürich, die aus finanziellen Gründen in den Aargau ziehen. «Die Hochpreislagen in den angrenzenden Kantonen haben eine Sogwirkung», sagt Tobias von Monkiewitsch, Immobilienmakler bei Remax.

Auch die Wohnungspreise in den angrenzenden Agglomerationen sind vergleichsweise hoch. Der Kanton Aargau bietet billiges Bauland und tiefe Steuern. Ein solches Angebot lassen sich viele nicht entgehen.

Vor allem, wenn die Möglichkeit besteht, als Pendler trotzdem noch in der Stadt zu arbeiten und den grossen Batzen zu verdienen. «Viele möchten schön wohnen, aber die Annehmlichkeiten der Stadt wie das kulturelle Angebot und den hohen Lohn nicht missen», sagt Tobias von Monkiewitsch. Dies bestätigte auch Ruedi Steiner von Statistik Aargau.

Nur halb so teuer

«Wir haben eine hohe Bautätigkeit mit vielen neuen Wohnungen», so Steiner. Das Wachstum in der Gemeinde Sins zum Beispiel ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Um ganze 150 % ist die Gemeinde gewachsen.

Für Arbeitende aus Zug ist die Lage mit guten Verkehrswegen optimal. Zudem kostet in Sins ein erstklassiges Einfamilienhaus 1,19 Mio. Franken, in Zug mit 2,58 Mio. mehr als doppelt so viel.

Kein Wunder, dass die Nachfrage steigt. Vor allem Familien sind interessiert. Im Aargau können sie sich ein Eigenheim leisten und die Kinder in einer sicheren und ländlichen Umgebung aufwachsen lassen.

Viele schätzen auch die Grünflächen als Erholungsgebiet. «Wir verkaufen viele Häuser an Familien mit Kindern, aber auch an Ausländer», sagt von Monkiewitsch.

Deutsche und Österreicher hätten – im Gegensatz zu manchen Schweizern – keine Vorurteile gegenüber dem Aargau und erfüllten sich hier ihr Traum vom Eigenheim. Mehr als ein Drittel der Immobilienkäufe würden von Ausländern getätigt.

Trend nimmt weiter zu

Im Freiamt zu wohnen, bietet viele Vorteile. Wird es nun zur Agglomeration von Zürich und Zug? «Die Preise werden aufgrund der Nachfrage irgendwann steigen», so von Monkiewitsch.

Es werde aber immer Leute geben, die lieber in der Stadt wohnen oder aufgrund von Vorurteilen nicht in den Aargau ziehen möchten. Eine definitive Prognose für die Zukunft wagt er nicht. Klar ist, dass der Wachstumstrend schon länger andauert und auch in nächster Zeit voraussichtlich weiter ansteigen wird.