Start-Up

Das Erbsenpoulet dieses Wohlers gibt’s in über 550 Coop-Filialen – nicht nur Veganer als Zielgruppe

Der Wohler Eric Stirnemann ist Mitbegründer des Start-ups Planted, das Poulet aus Erbsenprotein herstellt.

«Schmeckt nach Poulet», sagt ein Mann, dem planted.chicken mit Güggeli-Marinade zum Probieren angeboten wird. Sein Kumpel warnt ihn jedoch: «Ja, das schon, aber weisst du, was da alles drin ist? Palmöl und Zucker und all das Zeug.» Falsch. Bei vielen Fleischersatzprodukten mag er Recht haben, nicht aber bei planted.chicken, dem Poulet aus Erbsen, das seit bereits in über 550 Coop-Filialen zu kaufen ist.

«Unsere Produkte haben, abgesehen von den Gewürzen in der Marinade, lediglich vier Inhaltsstoffe: Erbsenprotein, Erbsenfasern, Wasser und Rapsöl», sagt Mitbegründer Eric Stirnemann, der in Wohlen aufgewachsen ist. Auch auf Soja, Nüsse und andere Allergene verzichten sie. Auf der Website heisst es: «Keine Konservierungsmittel. Keine Zusatzstoffe. Kein Scheiss.»

Pflanzliches, das auch Fleischliebhabern schmeckt

Stirnemann ist in Wohlen aufgewachsen und hat nach der Kanti an der ETH Lebensmittelwissenschaften studiert. Als Masterarbeit nahm er sich der Frage an, wie aus pflanzlichen Inhaltsstoffen direkt Fleisch produziert werden kann, «ohne dass es durch ein Tier durch muss», fasst er bildhaft zusammen. Dem widmet er nun auch seine Doktorarbeit. «Im Studium haben wir gesehen, wo die Probleme im Lebensmittelbereich liegen.

Alles, was mit Tieren zu tun hat, braucht sehr viele Ressourcen. Ausserdem haben wir uns der Frage angenommen, wie bis im Jahr 2050 etwa 10 Milliarden Menschen auf der Welt ernährt werden sollen», berichtet der 31-Jährige. «Die Antwort: Wir müssen versuchen, Menschen, die sehr viel Fleisch essen, zum Umstellen auf pflanzliche Nahrung zu bewegen. Das wiederum schaffen wir nur, wenn wir pflanzliche Nahrungsmittel kreieren, die auch den Fleischliebhabern schmecken.» Schon war die Idee von Planted geboren.

«Pfanne fetten, Planeten retten»

Vor zwei Jahren haben sich die vier Gründer zusammengetan: Neben Stirnemann sind das ein weiterer Lebensmittelwissenschaftler, dessen Cousin, der in den USA auf das Thema pflanzenbasiertes Fleisch aufmerksam wurde sowie ein Finanzfachmann. Ihr Ziel steht schon auf den Verpackungen ihres Erbsen-Poulets: «Pfanne fetten, Planeten retten.»

«Wichtig ist bei pflanzenbasiertem Fleisch immer die Konsistenz. Tofu beispielsweise hat eine ganz andere Struktur als Fleischfasern. Um Fleischliebhaber vom Produkt überzeugen zu können, legen wir viel Forschungsaufwand in die Perfektionierung der Konsistenz», so Stirnemann. «Zudem soll es einfach sein, die Produkte zuzubereiten. Jeder soll von Anfang an ein Erfolgserlebnis haben.» Dies schaffen sie mittlerweile so gut, dass sie im grossen Stil expandieren können. Ihre Produkte, die immer als erstes von Profis aus der Gastronomie in der ganzen Schweiz getestet werden, finden auch über den eigenen Webshop (www.planted.ch) und Coop riesigen Absatz. Nun können sie ihre eigene Produktionsstätte bauen, die spätestens im Herbst eröffnet werden soll. Sie wird sich im ehemaligen Maggi-Areal in Kemptthal befinden. «Wie bei Schaukäsereien werden dort auch Rundgänge und Führungen stattfinden.»

Zielgruppe sind nicht Vegetarier und Veganer

Die Topköche des vegetarischen Restaurants Hiltl in Zürich sind so angetan von Planted, dass sie spezifische Kochkurse anbieten. Mit den drei Produkten, die Planted im Sortiment hat, also dem Nature-Chicken, jenem mit BBQ-Marinade und einem mit Güggeli-Marinade, sind die Ideen der vier Gründer aber noch längst nicht ausgeschöpft. «Derzeit versuchen wir, ein rein pflanzliches Pulled Pork herzustellen. Allerdings werden wir das erst auf den Markt bringen, wenn es uns absolut überzeugt. Denn es soll ja auch die Fleischesser überzeugen.»

Er betont, dass ihre Zielgruppe, entgegen der Erwartungen vieler, nicht nur Vegetarier oder Veganer sind, sondern auch Fleischesser, denn nur wenn diese ihre Ernährung anpassen, entsteht ein echter Effekt auf die Umwelt. «Das beste Kompliment, das wir von Veganern bekommen haben, ist, dass sie es nicht essen, weil es zu sehr nach Fleisch schmeckt», sagt er lachend. «Ziel ist es, eine schmackhafte Alternative zu Fleisch zu bieten, damit auf der Welt weniger tierisches Fleisch gegessen wird.» Zur Erklärung sagt er: «Für ein Kilo Poulet braucht es fünf Kilo pflanzliche Proteine. Bei der Herstellung von planted.chicken bleiben 100% des verwendeten pflanzlichen Proteins im Produkt, das ist somit viel effizienter. So einfach ist das.»

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