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Coronakrise
René Rindlisbacher: «Jeder, der eine Katze oder einen Hund zuhause hat, ist heute ein Online-Komiker»

Kulturschaffende haben es besonders schwer während der Coronapandemie. Der Aargauer Komiker René Rindlisbacher stand vor 14 Monaten zuletzt auf der Bühne. Im TV-Talk bei Tele M1 sprach er über Geld, den digitalen Auftritt und das Aufhören.

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(smo)

Was er gemacht habe in den letzten Monaten? «Eine Mulde bestellt und das Haus auseinander genommen», sagt René Rindlisbacher. Und er koche viel, die Coronakrise habe ja nicht nur negative Seiten, so viel Zeit zu haben zum Räumen, das sei «grossartig».

Künstlerisch gearbeitet habe er hingegen nicht.

«Laura und ich haben unser aktuelles Programm erst ein Jahr lang gespielt und ich wäre froh, wir könnten es noch zwei, drei Jahre spielen. Ein neues Programm macht keinen Sinn.»

Rindlisbacher, zuhause auf dem Mutschellen, war am Dienstagabend zu Gast in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 und sprach darüber, was es für einen Komiker bedeutet, nicht auftreten zu können.

Im Dezember 2019 ist der Komiker zum letzten Mal mit seiner Tochter und dem aktuellen Programm auf der Bühne gestanden, das sind 14 Monate ohne Einkommen. Rindlisbacher rechnet seine Ausfälle vor: Zwei Tourneen, eine im Frühling und eine im Herbst, waren wegen der Pandemie nicht möglich, das seien 40 bis 50 Vorstellungen vor je 400 Zuschauern.

Er hat Geld vom Kanton erhalten, aber ...

Im Sommer habe er alles zusammengestellt und eingereicht beim Kanton - acht Seiten. Ob er daraufhin Geld vom Kanton bekommen habe? Im 2020 habe er rund 18'000 Franken bekommen. Doch davon ein Jahr lang zu leben, «das wird schwierig».

«Ich habe keinen Verdienst», so Rindlisbachers Bilanz. Er habe seiner Frau gesagt, «es wäre schon noch cool, wenn du deinen Job noch nicht aufgeben würdest.»

Rindlisbacher digital? Funktioniert nicht

Ob er nicht einfach ins Internet ausweichen könne, fragt der Moderator. Dass das funktionieren könnte, bezweifelt Rindlisbacher. «Die Leute zuhause werden überhäuft. Jeder, der eine Katze oder einen Hund hat, macht ja heute Komik und stellt das ins Netz.» Für sich selbst stellt er klar:

«Ich spiele lieber vor 200 Leuten, die Lachen, als vor 10'000, die nur 50 Rappen bezahlen für das, was sie zu sehen bekommen.»

René Rindlisbacher ist 57 Jahre alt. Hat er in letzter Zeit nicht auch daran gedacht, dass die Coronakrise das Ende seiner Karriere bedeuten könnte? «Ja, moll», gibt Rindlisbacher zu. «Denn diese Pandemie verunsichert uns alle und es ist nicht möglich, zu planen.»

Er plädiert aber für Pragmatismus. Das Leben sei halt nicht nur Ponyhof. Und: «Jetzt müssen wir alle schauen, dass wir da miteinander durchkommen. Und dieses Miteinander wird wohl schwieriger als die Pandemie selbst.»

Die Sendung «TalkTäglich» mit René Rindlisbacher in voller Länge:

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