Bremgarten
«Cafferino»: Dieses Fotostudio ist auch ein Café

Silvano De Matteis hat ein ganz eigenes Konzept, wie er als Fotograf überlebt.Dabei wird klar: auf die Ideenvielfalt kommt es an.

Dominic Kobelt
Merken
Drucken
Teilen
Silvano De Matteis wohnt und arbeitet in seinem Haus am Kornhausplatz. kob

Silvano De Matteis wohnt und arbeitet in seinem Haus am Kornhausplatz. kob

Im Fotoatelier von Silvano De Matteis beim Kornhausplatz in Bremgarten gibt es hervorragenden Kaffee. Wie kommt ein Fotograf dazu, vor seinem Atelier Kaffee zu servieren? «Ich musste eine Kaffeemaschine in verschiedenen Landschaften fotografieren und wurde gefragt, ob ich die Maschine als Teil des Honorars akzeptieren würde – das habe ich gemacht.» Mit dem «Cafferino» möchte De Matteis zudem mehr Laufkundschaft generieren. «Es geht mir aber auch darum, den Kornhausplatz wiederzubeleben, mit einem kulturellen Touch.» Der Biker, Wanderer, Unternehmer, der am Geschäft vorbei kommt, soll so eine Möglichkeit haben, zu verweilen. Gleichzeitig entstehe persönlicher Kontakt, der extrem wichtig sei: «Jeder, der ein Foto will, offenbart sich ein Stück weit, und das braucht Vertrauen. Der Kunde muss wissen, dass ich das umsetze, was er gerne möchte.»

Anlass_DSC_8231
6 Bilder
silvano028
DSC_0423
DSC_0348
DSC_0585
DSC_0674

Anlass_DSC_8231

Silvano De Matteis (zvg)

Viele Leute hätten nach einer Kaffeeecke gefragt, und deshalb sei das Umnutzungsgesuch ein logischer Schritt gewesen. Im letzten Jahr lief ein Testbetrieb, der von Kunden und Nachbarn mit Wohlwollen begrüsst wurde. Auch dieses Jahr hat der Fotograf die Bewilligung bekommen, das Cafferino zu eröffnen. So stehen vor dem Atelier Tische und Sofas aus Paletten, die De Matteis zusammengebaut hat – die Idee dazu stammt von seiner Tochter. «Ich wollte keine aus China importierten Rattan-Imitate», sagt er. Und auch die PET-Flaschen will er auf ein Minimum reduzieren, deshalb ist die Limonade im Cafferino selbst gemacht.

Eigenes Konzept

«Ich arbeite schon lange nicht mehr», sagt De Matteis. Das heisst aber nicht, dass der Fotograf auf der faulen Haut liegen würde. «Ich lebe meine Arbeit.» Dass das nicht nur eine leere Floskel ist, wird einem rasch klar, wenn man das Haus betritt, in dem er wohnt und arbeitet. «Als Fotograf reicht es heute nicht mehr, sich einen Raum zu mieten und das Schaufenster zu dekorieren.» Das Geschäftskonzept, das De Matteis verfolgt, ist eigen. Früher hatte er für die UBS und die Swisscom gearbeitet, bis er sich entschloss, seine Lebensart zu verändern. «Ich wollte das Leben erleben.» Also machte er sich als Fotograf selbstständig und kaufte ein Haus beim Kornhausplatz. «Ich wollte möglichst tiefe Fixkosten», erklärt er.

Wo heute ein heimeliger Aufenthaltsraum für die Kunden ist, war früher eine Gerümpelkammer. Ohne Fenster, ohne Bodenbelag. Was er selber renovieren konnte, machte er selber. «Das Gebäude wuchs und gedieh wie eine Pflanze», so De Matteis. Heute gibt es Wohn- und Büroräume und ein Fotostudio von 75 m. «Das reicht, bei vielen Kunden bin ich vor Ort», sagt der Fotograf, der hauptsächlich für Gewerbe- und Industriebetriebe arbeitet. Sein Arbeitsgebiet umfasst nicht nur Architektur- und Gebäudefotos, sondern erstreckt sich von Bewerbungsfotos bis zu Kunstreproduktionen. Ebenfalls im Angebot sind verschiedene Fotografiekurse.

Ist denn das Leben und Arbeiten als Fotograf schwieriger geworden in den letzten Jahren? De Matteis überlegt. «Nein. Die Technik ist eines. Das Flair und das Auge für ein Foto zu haben, ist etwas anderes, und das zeichnet einen Fotografen aus.» Zweifellos gebe es aber viele gute Fotografen. «Der heutige Fotograf lebt vom Ideenreichtum.»