Bremgarten
Historischer Charme zurück in der Unterstadt: Statt öden Asphalts gibt es jetzt wieder Pflastersteine wie früher

Nach knapp zwei Jahren Bauzeit ist die Sanierung der Gassen und der Werkleitungen in der Bremgarter Unterstadt vollendet. Das Sechs-Millionen-Projekt verleiht der Umgebung wieder ein historisches Flair. Gleichzeitig profitieren die Hausbesitzer vom Anschluss an den AEW-Fernwärmeverbund.

Marc Ribolla
Merken
Drucken
Teilen
Zufrieden mit dem Kopfsteinpflaster (hier in der Schodolergasse): André Matzinger (AEW), Stefano Righetti (Leiter Tiefbau Stadt Bremgarten), Daniel Sommerhalder (Stadtrat Bremgarten) und Gazmend Hasani (Firma Leuthard, von links).

Zufrieden mit dem Kopfsteinpflaster (hier in der Schodolergasse): André Matzinger (AEW), Stefano Righetti (Leiter Tiefbau Stadt Bremgarten), Daniel Sommerhalder (Stadtrat Bremgarten) und Gazmend Hasani (Firma Leuthard, von links).

Marc Ribolla

Bei einem aktuellen Spaziergang durch die Bremgarter Unterstadt fühlt man sich wieder um einige Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückversetzt. Ob in der Schodolergasse, der Spiegelgasse oder der Reussgasse: Der bisherige hässliche, öde Asphaltbelag ist verschwunden. Stattdessen glänzt das Gebiet wieder mit Kopfsteinpflaster wie früher.

Doch nicht nur der Belag in den Gassen ist komplett neu. Auch im Untergrund hat sich einiges getan. In den vergangenen knapp zwei Jahren sind gleichzeitig auch die Werkleitungen ersetzt und das Gebiet an den in der Oberstadt bestehenden Fernwärmeverbund der AEW angeschlossen worden.

Blick auf die mit grosser Handwerkskunst verlegten Pflastersteine bei der Gabelung Schodoler- und Kirchgasse.

Blick auf die mit grosser Handwerkskunst verlegten Pflastersteine bei der Gabelung Schodoler- und Kirchgasse.

Marc Ribolla

Nun sind die Bauarbeiten, die von Mai 2019 bis März 2021 dauerten, offiziell vollendet. «Die Altstadt sieht mit der neuen Pflasterung sehr schön aus. Ursprünglich wollten wir das Projektende mit einem Fest feiern, doch daraus wird nun aus bekannten Gründen vorläufig nichts», sagt Stadtrat Daniel Sommerhalder.

Werkleitungen stammten noch aus dem Jahr 1907

Auslöser der ganzen Unterstadt-Umgestaltung war ein grosser Wasserleitungsbruch im März 2017 in der Nähe des Kreuzplatzes, der das Wasser sprudeln liess. «Dieser Vorfall brachte das Fass zum Überlaufen», blickt Sommerhalder zurück. Die Stadt entschied sich, wie schon zuvor in der Oberstadt, den Asphalt durch Kopfsteinpflaster zu ersetzen und gleichzeitig die Werkleitungen zu sanieren. Der grösste Teil der Leitungen in jenem Stadtgebiet stammte noch aus dem Jahr 1907. Gleichzeitig holte man auch die AEW mit ins Boot.

Im Juni 2018 genehmigte die Sommergemeindeversammlung den Baukredit in Höhe von 6,075 Millionen Franken. Im Zuge des Prozesses kam es auch zu Diskussionen und Einwänden von Anwohnern rund um den Kornhausplatz. «Wir konnten aber alles gütlich regeln», blickt Sommerhalder zurück.

Geschätzte 730'000 Steine wurden neu verlegt

Das neue Kopfsteinpflaster stammt vom renommierten Produzenten Guber. Von seinen Eigenschaften her unterscheidet es sich – abgesehen von der Optik – fast nicht vom bisherigen Asphalt. Stefano Righetti, Leiter Tiefbau der Stadt, sagt:

«Die Oberfläche ist sehr flach. Zudem ist der Belag sehr lärmarm.»

Der Unterschied in der Nivellierung bei den einzelnen Steinen beträgt maximal drei Millimeter, damit das Pflaster auch hindernisfrei mit Rollstühlen oder Rollatoren problemlos zu begehen ist.

Auch die Pfarrgasse ist neu wieder mit Kopfsteinpflaster versehen.

Auch die Pfarrgasse ist neu wieder mit Kopfsteinpflaster versehen.

Marc Ribolla

Insgesamt wurden 7300 Quadratmeter Kopfsteinpflaster neu verlegt, was rund 730'000 Steinen entspricht. Gazmend Hasani von der ausführenden Firma Leuthard lobt die gute Koordination der Bauarbeiten mit der Stadt und den Anwohnern:

«Wir hatten vergleichsweise ausserordentlich wenige Reklamationen.»

Righetti betont seinerseits, dass es für Bremgarten ein sehr grosses Infrastrukturprojekt gewesen sei, das innert nur vier Jahren sehr schnell realisiert wurde. Zudem wurde aus der Tempo-30-Zone eine Begegnungszone.

AEW konnte 95 neue Fernwärmeanschlüsse bauen

Zufrieden zeigt sich auch André Matzinger, Leiter Fernwärme der AEW. Es habe alles reibungslos geklappt. «Wir konnten 1,7 Kilometer Leitungen neu verlegen und 95 neue Anschlüsse an die Liegenschaften bauen, knapp die Hälfte davon noch als Blindanschlüsse», resümiert er. Bei jenen Liegenschaften funktionieren die Heizungen noch, sie können aber später bei einer Erneuerung auf nachhaltige Fernwärme umgerüstet werden.

Nach der Sanierung ist aber auch vor der Sanierung. Das nächste Projekt in der Unterstadt betrifft voraussichtlich die Werkleitungen in der Friedhofstrasse, die wohl ab 2024/25 aufgefrischt werden.