Architekturführer
Architektur für Murianer Aufbahrungshalle wird geadelt

Ein Bauwerk von Freiämter Architekten ist im ersten Architekturführer der Schweiz porträtiert. Ihr Name steht neben illustren Grössen wie Herzog & de Meuron, Botta und Zumthor.

Lina Giusto
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Das Architektenteam Merten, Kolb und Hegi (von links) diskutiert über das geehrte Bauwerk.

Das Architektenteam Merten, Kolb und Hegi (von links) diskutiert über das geehrte Bauwerk.

Lina Giusto

Die Überraschung für die drei Architekten von Hegi Koch Kolb und Partner war gross, als sie im Frühling vom Verlag Callwey kontaktiert wurden. Dieser bat um die Genehmigung, die Aufbahrungshalle in Muri, ein Konzept von Kurt Kolb, in den ersten Architekturführer der Schweiz aufzunehmen. «Ich habe mich sehr darüber gefreut», sagt Kolb. «Es ehrt uns natürlich», sagt sein Partner Stefan Hegi. Auch Matthias Merten, der dritte Partner des Architekturbüros, freut sich: «Die Aufnahme des Bauwerks in das Buch ist ein Ansporn.»

Das Wohler Architekturbüro ist hauptsächlich regional tätig, geniesst aber einen guten Ruf weit über das Freiamt hinaus. Bereits mehrfach waren Bauten der drei Architekten an den schweizweiten Tagen der offenen Türen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins vertreten. Auch das Aufbahrungsgebäude in Muri, das im kürzlich erschienenen Nachschlagewerk «Architekturführer Schweiz» aufgenommen ist, reiht sich in die illustren Bauten der Wohler Bürogemeinschaft ein.

Das Aufbahrungsgebäude auf dem Friedhof in Muri zeichnet sich durch eine saubere und klare Struktur aus. Das Konzept hat Kurt Kolb im Rahmen des Wettbewerbs «Körper und Seele» 2005 gezeichnet. Zwei Jahre später wurde sein Vorschlag dann umgesetzt. «Beim Bau blieb die Reinheit des Konzepts bis zum Schluss beibehalten», erklärt Kolb. Der geschlossene Andachtsraum bildet den inneren Kubus und ist versetzt zur offenen Halle, die den zweiten Kubus bildet. Die geschlossene Halle geht fliessend in den offenen Abdankungsort mit den Säulen über. «Es versinnbildlicht eine Verflüchtigung vom Körper zur Seele», erklärt Kolb die versetzte Struktur der beiden Elemente.

Die Übergangsschicht stellt die Verschmelzung von Normalwelt und jenem speziellen Ort des Abschiedes dar. Da der Übergang fliessend ist, hat man die Säulenelemente gewählt und auf eine Aussenwand für den Abdankungsort verzichtet. Dies verleiht dem Gebäude einen archaischen Charakter. Den tempelartigen Charakter mit den eckigen Säulen habe Kolb bewusst gewählt. In allen Kulturkreisen und Religionen seien sakrale Orte oftmals Stützbauten, erklärt der Architekt. «Das Ziel war, einen würdigen Ort zu schaffen, an dem sich alle Kulturen aufgehoben fühlen», sagt Kolb. Zudem soll das Bauwerk auch der gängigen Firmenphilosophie von Hegi Koch Kolb und Partner genügen: Gute Gebäude bauen, die über Jahrzehnte Bestand haben.

Damit wird Klar, weshalb das einzigartige Bauwerk auf dem Murianer Friedhof Eingang in den ersten Architekturführer der Schweiz gefunden hat. Das Nachschlagewerk vereint Bauten aus der ganzen Schweiz mit Unikat-Charakter und architektonischer Gültigkeit. Bei der Zusammenstellung der 200 Bauwerke wurden keine architektonischen Modeerscheinungen abgebildet, sondern darauf geachtet, minimalistische, oft skulpturale und zeitlos einzigartige Bauten zusammenzutragen.

Zum Architekturführer Der Autor Alexander Hosch und der Callwey Verlag haben mit Fotos, Plänen, Beschreibungen und GPS-Daten zusammengetragen, wie sich gestalterischer Mut, nachhaltige Bauweise und die Beziehung zur Natur vereinen. Das im Juli erstmals erschienene Buch umfasst 200 Bauwerke der Schweizer Gegenwartsarchitektur. Werke von Le Corbusier, Luigi Snozzi, Mario Botta, Herzog & de Meuron oder Peter Zumthor sind vertreten. Von Museen bis hin zu Kuhställen, Kieswerken und Sesselliften sind verschiedenste Bauten gleichermassen porträtiert. (LGI)

Zum Architekturführer Der Autor Alexander Hosch und der Callwey Verlag haben mit Fotos, Plänen, Beschreibungen und GPS-Daten zusammengetragen, wie sich gestalterischer Mut, nachhaltige Bauweise und die Beziehung zur Natur vereinen. Das im Juli erstmals erschienene Buch umfasst 200 Bauwerke der Schweizer Gegenwartsarchitektur. Werke von Le Corbusier, Luigi Snozzi, Mario Botta, Herzog & de Meuron oder Peter Zumthor sind vertreten. Von Museen bis hin zu Kuhställen, Kieswerken und Sesselliften sind verschiedenste Bauten gleichermassen porträtiert. (LGI)

Lina Giusto