Jonen
Alte, junge, dicke und dünne: Eine Verjüngungs-Kur für den Wald

Wegen trockenen Sommers und Pilzbefall müssen viele Bäume gefällt werden – tragisch ist das aber nicht.

Dominic Kobelt
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Der Vollernter, der die Stämme durchtrennt, von Ästen befreit und in gleich lange Stücke zersägt, arbeitet unermüdlich. Dominic Kobelt

Der Vollernter, der die Stämme durchtrennt, von Ästen befreit und in gleich lange Stücke zersägt, arbeitet unermüdlich. Dominic Kobelt

Die Lizistrasse, die Jonen mit Hedingen verbindet, ist in dieser Woche gesperrt. Der Verkehr wird via Ottenbach, in die andere Richtung via Oberlunkhofen-Arni geführt – bis Mitte nächster Woche wird sie wieder befahrbar sein. Grund für die Sperrung sind Holzerntearbeiten: Rund einen Kilometer entlang der Strasse werden Bäume gefällt.

Dabei entfernt der Forstbetrieb Kelleramt nicht nur einzelne Eschen, Buchen oder Tannen, die sonst auf die Strasse kippen könnten, wie Revierförster Urs Huber erklärt: «Für die nächsten 20 Jahre müssen wir hier voraussichtlich keine grösseren Bäume mehr fällen – so kann sich eine Naturverjüngung entwickeln.» Der grosse Holzschlag macht auch deshalb Sinn, weil es nicht möglich ist, die Strasse zu befahren, wenn Bäume gefällt werden. Es werde aber nicht mehr geholzt, als auch nachwachse. Der sogenannte Hiebsatz gibt dabei vor, wie viele Bäume entfernt werden können, ohne das Nachhaltigkeitsprinzip zu verletzen.

Neue Bäume wachsen von alleine

Huber bestimmt, welche Bäume gefällt und welche stehen gelassen werden. Manche markanten Baumriesen dürfen bleiben, einerseits aus ästhetischen Gründen, andererseits ist das Ziel auch ein «Dauerwald». «Das heisst, dass der Wald durchmischt ist; es sollen alte, junge, dicke und dünne Bäume Platz haben», erklärt Huber. Für die Verjüngung ist entscheidend, dass an den kahlen Stellen genug Licht zum Boden kommt – durch die Wärme können neue Pflanzen wachsen. So muss beispielsweise eine gut hundertjährige Buche Platz machen. Neue Bäume müssen nicht gepflanzt werden, sie kommen ganz von selbst. «Der Lothar-Sturm hat hier damals eine Schneise herausgeschlagen», sagt Huber und zeigt auf ein Stück Wald mit jungen Bäumen. In den letzten 16 Jahren hat sich der Abschnitt sehr gut von den Schäden erholt. «Hier sieht man, dass die Natur vieles selber macht. Wir müssen sie nur begleiten.» Jede Pflanzenart hat bestimmte Ansprüche an Bodeneigenschaften. Der Förster entscheidet, welche Arten gefördert werden.

Warum aber werden gerade jetzt diese aufwendigen Arbeiten ausgeführt? «Es gab hier viele Eschen, die Eschenwelke hatten, ein Pilz, der die Pflanzen zum Absterben bringt. Zudem hat die Trockenheit im Sommer vielen Bäumen zugesetzt.» Deshalb würden sie gefällt, bevor sie Schaden anrichten. Ausserdem können sie, wenn sie dürr werden, nur noch als Hackholz verwendet werden.

Rentabel dank guter Bedingungen

Die Arbeiter kommen in dem Waldstück unheimlich schnell voran. Die Holzstämme werden unermüdlich in die Höhe gestapelt. Kleinere Ast-Hügel werden liegengelassen, hier können Käfer und andere Tiere Unterschlupf finden. Besonders der Vollernter, der die Stämme durchtrennt, von Ästen befreit und in gleich lange Stücke zersägt, arbeitet unermüdlich. Danach ist der Forwarder zur Stelle, der das Holz abfuhrbereit an die Strasse stapelt. «Wenn ein Vollernter zum Einsatz kommt, dann muss er auch Arbeit haben, sonst lohnt es sich nicht», erklärt Huber. Sind die Arbeiten denn bei den heutigen Holzpreisen überhaupt rentabel? «Ja, in diesem Fall wohl schon, weil die Bedingungen optimal sind und wir sehr effizient arbeiten können.» Vier Arbeiter sind im Wald im Einsatz, zwei auf Maschinen. Aus dem grössten Teil der Ernte wird Hackholz, aus dem Rest Brennholz und Bauholz. Die Zeiten, in denen man im Sommer den Wald pflegen und im Winter Holz ernten konnte, um damit die Sommerarbeiten zu finanzieren, sind aber schon lange vorbei. Der Forstbetrieb Kelleramt bewirtschaftet deshalb nicht nur die Wälder von Jonen, Oberlunkhofen und Arni (insgesamt 277 Hektaren), sondern erledigt für die Gemeinden das ganze Jahr verschiedene Bauamtsarbeiten.