Kongress
Experten sehen keine Immobilienblase im Aargau

Die Preisexplosion am Schweizer Immobilienmarkt bereitet den Experten Kopfzerbrechen. Im Aargau droht aber keine Immobilienblase zu platzen. Zu dieser Erkenntnis kommen die Teilnehmer des Aargauer Bau- und Immobilienkongresses.

Urs Moser
Merken
Drucken
Teilen
Wirtschaftsredaktor Matthias Niklowitz (auf dem Sofa) im Gespräch mit Marcel Koller, Anton Affentranger, Ansgar Gmür, René Chopard, Peter Beyeler und Donato Scognamiglio (v.l.). Chris Iseli

Wirtschaftsredaktor Matthias Niklowitz (auf dem Sofa) im Gespräch mit Marcel Koller, Anton Affentranger, Ansgar Gmür, René Chopard, Peter Beyeler und Donato Scognamiglio (v.l.). Chris Iseli

Exponenten der Bauwirtschaft trafen sich am in Aarau zum zweiten Aargauer Bau- und Immobilienkongress, veranstaltet von der Aargauischen Kantonalbank und «bauenaargau», der Dachorganisation der Branche. Wer baut, entscheide sich langfristig, die Bautätigkeit in einer Volkswirtschaft sei somit wichtiger Konjunkturindikator und auch ein Gradmesser für das Vertrauen in die Zukunft, so die Organisatoren.

Das Themenspektrum am Bau- und Immobilienkongress reichte von der europäischen Schuldenkrise über die Zweitwohnungsinitiative bis zur Vision von der 200-Watt-Gesellschaft. Entsprechend schwierig war es, so etwas wie einen allgemeinen Tenor aus den Botschaften der verschiedenen Referenten herauszuhören. Sicher wichtig für den Aargau, seine Einwohner, seine Wirtschaft im Allgemeinen und die Baubranche im Besonderen: Kantonalbank-Chefökonom Marcel Koller geht bei allen Unwägbarkeiten der internationalen Entwicklungen davon aus, dass:

  • wir im nächsten Jahr vor allem dank einer nach wie vor hohen Binnennachfrage ein solides Wirtschaftswachstum von etwa 1,5 Prozent haben werden,
  • die Bauinvestitionen weiterhin einen massgeblichen Beitrag dazu leisten werden, auch wenn sich das Wachstum hier etwas abgeflacht hat,
  • das Zinsniveau noch einige Zeit auf dem aktuell tiefen Stand bleiben wird.

Was den Immobilienmarkt betrifft, so hat Experte Donato Scognamiglio angesichts einer schweizweit zu beobachtenden Preisexplosion in den letzten Jahren ein ungutes Gefühl: Mangels alternativen Anlagemöglichkeiten werde in zu teure Objekte investiert. Die Hypothekarverschuldung nehme laufend zu. «Das Geld kostet nichts, das ist ein Riesenproblem», so Scognamiglio.

Denn steige dereinst das Zinsniveau wieder, sei das zum Nachteil der Hauseigentümer, da der massgebliche Referenzzinssatz und somit die Mietzinsen die Marktentwicklung mit Verzögerung nachvollziehen. Spezifisch im Aargau sieht er aber – im Einklang mit den Vertretern der stark im Hypothekargeschäft engagierten Kantonalbank – keine Immobilienblase, die zu platzen droht.

Die Nachfrage ist da, das Preisniveau im landesweiten Vergleich immer noch moderat. Alles in allem also einigermassen beruhigende Aussichten. Zur Freude von Regierungsrat Peter Beyeler, denn: «Der Immobilienmarkt ist massgeblich für die Entwicklung des Kantons», so der Baudirektor.

Für diese Entwicklung gelte es Qualitätskriterien punkto Siedlungsgestaltung, verdichtetem Bauen und Energieeffizienz zu setzen. Darüber diskutierten Beyeler, Koller, Scognamiglio, Ansgar Gmür vom schweizerischen Hauseigentümerverband, René Chopard von der AKB-Geschäftsleitung und Implenia-Chef Anton Affentranger, moderiert von Matthias Niklowitz, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft der Aargauer Zeitung, auf dem Podium vor gut gefüllten Rängen im Aarauer Kultur- und Kongresshaus.