Hundegesetz

Es waren keine Pudel, die ein Kind zerfleischten

Es gibt gefährliche Hunde, das wird niemand bestreiten. Und es gibt einen Anspruch der Bevölkerung, vor Angriffen gefährlicher Hunde geschützt zu werden, schreibt Urs Moser, Ressortleiter Aargau, zur Abstimmung über das neue Hundegesetz.

Im Lauf der Entstehungsgeschichte des neuen Hundegesetzes wurde eine ganze Reihe von Argumenten vorgebracht, weshalb ein solches Gesetz gar nicht nötig sein soll oder weshalb die vorliegende Regelung in die falsche Richtung ziele. Zum Beispiel, dass eine falsche Sicherheit vor bissigen Hunden suggeriert werde. Oder dass es falsch sei, den Fokus auf bestimmte Hunderassen (im Volksmund Kampfhunde genannt) zu richten, da das Problem eigentlich immer der Hundehalter und nicht ein bestimmter Hundetyp sei.

Das ist nicht ganz falsch. Nur taugt es für die Diskussion etwa gleich viel, wie wenn man den Führerausweis auf Probe wieder abschaffen wollte, weil er auch keine Garantie bringt, dass 19-Jährige keine Raserunfälle bauen. Und wer hätte den Magen, so etwas den Eltern des kleinen Jungen ins Gesicht zu sagen, der 2005 im zürcherischen Oberglatt getötet wurde? Es mag statistisch noch so erhärtet sein, dass Sennenhunde öfter zubeissen: Ihr Kind wurde von drei Pitbulls zerfleischt.

«Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial»

Es gibt gefährliche Hunde, das wird niemand bestreiten. Und es gibt einen Anspruch der Bevölkerung, vor Angriffen gefährlicher Hunde geschützt zu werden. Nicht absolut, aber besser als das heute der Fall ist. Welche Hunde von wem, warum und wie zu gefährlichen Hunden gemacht werden, ist dabei gar nicht die entscheidende Frage. Es ist nun aber einmal so, dass es nicht Pudel sind, von denen über zig Generationen hinweg die kräftigsten, ausdauerndsten und mutigsten Exemplare zur Zucht ausgesucht wurden, um sie für Tierkämpfe oder den Kampf gegen den Menschen zu halten und abzurichten.

Daher ist es durchaus nachvollziehbar, dass der Gesetzgeber bei bestimmten Rassen von «Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial» spricht und für den Umgang mit ihnen spezifische Regelungen erlässt. Das Hundegesetz, über das am Wochenende abgestimmt wird, sieht dazu eine Bewilligungspflicht für das Halten solcher Hunde vor. Bedingung für eine Haltebewilligung ist zum Beispiel ein einwandfreier Leumund und der Nachweis einer erfolgreich absolvierten Hundeerziehungs-Ausbildung.

Eidgenössische Regelung wurde verpasst

Es mutet merkwürdig an, dass nun selbst ernannte Tierfreunde und Experten ein Zeter und Mordio über diskriminierende Rassenlisten und diskriminierte Hundehalter loslassen. Die Pflicht, Hunde so zu halten, dass sie Menschen und andere Tiere nicht gefährden, gilt für sämtliche Hundehalter. Ebenso wie die Regelungen für behördliches Eingreifen bei Anzeichen auf eine Gefährdung für sämtliche Hunde(rassen) gelten. Richtig ist, dass in Zukunft besondere Ansprüche an die Leute gestellt werden, die einen besonders anspruchsvollen Hund halten wollen. Das ist auch gut so. Und das Gesetz setzt damit genau wie es verlangt wird an jenem Ende der Leine an, wo in der Regel die Ursache zu suchen ist, wenn es Probleme mit Hunden gibt.

Schade ist tatsächlich, dass es nicht gelungen ist, eine einheitliche eidgenössische Regelung zu treffen. Eine solche hätte mehr Sinn gemacht als der nun weiter herrschende Hunde-Föderalismus. Das ist aber kein Grund, nichts zu tun, im Gegenteil. Die Tatsache, dass die umliegenden Kantone bereits Hundegesetze mit besonderen Vorschriften für so genannte Kampfhunde erlassen haben, bringt den Aargau in Zugzwang. Es kann nicht im Interesse der Aargauer Stimmbürger sein, dass der Kanton zum Magnet für zweifelhafte Subjekte wird, die in ihren Heimatkantonen keine Erlaubnis für das Halten eines (Kampf-)Hunds bekommen. Auch wenn man nicht bestimmte Hunderassen verteufeln soll: Die Tatsache, dass die Population von Pitbulls und Konsorten im Aargau innert einem Jahr um 13 Prozent zugenommen hat, wirkt nicht gerade beruhigend.

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