Der Weltenbummler ist im Oederlin-Areal gelandet

Der Badener Dominique Wörndli kehrte wegen Corona von New York in die Heimat zurück und führt nun ein Start-up.

Ursula Burgherr
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«Hier ist es weniger hektisch». Dominique Wörndli in seiner Wohnung in seinem Büro im Oederlin-Areal.

«Hier ist es weniger hektisch». Dominique Wörndli in seiner Wohnung in seinem Büro im Oederlin-Areal.

Bild: Severin Bigler (28.12.2020)

Dominique Wörndli hat angefangen, Schlagzeug zu spielen, bevor er richtig gehen konnte. Er streicht sich durch seine langen Engelslocken. «Schon mit zwei schepperte ich bei meiner Grossmutter mit Kellen auf Töpfen rum.» Er lacht bei der Erinnerung an seine Kindheit. Als Dreijähriger bekam er sein erstes «Drummeli» geschenkt und promenierte damit stolz durch Baden. Im Kindergarten gab’s dann das erste Mini-Schlagzeug. Damit war die Karriere als Musiker sozusagen besiegelt. Und: «Ich wusste schon in der Primarschule, dass ich einmal nach New York auswandern will.»

Während frühkindliche Träume bei anderen Menschen oft wie Seifenblasen zerplatzen, schien sich bei Wörndli immer alles zu verwirklichen. Wie schafft er das? «Keine Ahnung», meint er. «Sicher höre ich mehr auf mein Bauchgefühl als den Kopf. Und wenn ich etwas will, setzte ich alles dran, um es zu erreichen. Bisher hat das immer geklappt.» Seine Nonchalance ist beneidenswert und seine Lebensgeschichte klingt fast etwas märchenhaft.

Mit der Partnerin betreibt er eigenes Geschäft

Zum Interview öffnet der heute 38-Jährige die Türen zu seinem neuen Reich im Oederlin-Areal, im Obersiggenthaler Ortsteil Rieden, wo er mit seiner Partnerin Roxane unter dem Label «Marmara Studio» handgemachte biologisch abbaubare Seifen und nachhaltig produzierte Baumwolltücher verkauft. Seit drei Jahren sind die Zwei ein Paar. Die Schweizerin mit deutsch-türkischen Wurzeln studierte Politikwissenschaften in Paris; er war in New York als Immobilienmakler tätig und spielte Schlagzeug. Die anfängliche Fernbeziehung hielt den grossen Distanzen stand. Jetzt leben die beiden erstmals in Baden zusammen und führen ihr Start-up-Unternehmen gemeinsam. Die Waren, die sie online und in ausgewählten Geschäften verkaufen, stammen vorwiegend aus Istanbul, wo Roxanes Mutter geboren ist.

Die Eltern von Dominique Wörndli betrieben jahrzehntelang einen Coiffeursalon an der Rathausgasse in Baden. Seit ihrer Pensionierung 2016 befinden sie sich auf Weltreise. Auch den schlagzeugspielenden Junior zog es früh in die Ferne. Mit 16 machte er ein Austauschjahr in Amerika. Gerade mal 21, reiste er auf einem Töff monatelang durch Indien. Unterwegs verliebte er sich in eine Israelin und folgte ihr nach Tel Aviv.

«Die Beziehung hielt vier Monate, aber ich blieb», erzählt Wörndli und blickt auf das Strassenschild in hebräischer Schrift, das zur Erinnerung an diese Zeit an der Wand hängt. Er besuchte Kurse an der dortigen Jazzschule und führte eine alternative Bar in Strandnähe. «Daneben organisierte ich Reggae- und Soul-Konzerte», berichtet er und wieder so leichtfüssig, als ob es ihm in den Schoss gefallen wäre. Von Tel Aviv zog es den Weltenbummler zurück nach Minnesota. Er kaufte sich einen alten Bus und fuhr alleine auf der Route 66 durch Amerika und der Westküste Kaliforniens entlang. «Nach einem Besuch des Burning Man Festivals blieb ich auf dem Rückweg in San Francisco hängen und landete schliesslich in New York, das für mich zwölf Jahre lang zur neuen Heimat wurde.»

Wörndli bezeichnet die Metropole als «hartes Pflaster». «Dort hat niemand auf einen Schlagzeuger aus Baden gewartet.» Doch auch hier spielte ihm das Schicksal in die Hände. Mit seiner offenen Art knüpfte der geborene Kommunikator schnell Kontakte. Und weil er fliessend Hebräisch spricht, fasste er durch israelische Freunde auf dem Immobilienmarkt Fuss und schloss eine Ausbildung zum Makler ab.

Mit Beyoncé Weihnachten gefeiert

Nach und nach machte er auch mit seinen Schlagzeugkünsten von sich reden, arbeitete mit Studiomusikern zusammen und spielte Gigs in Jazzclubs. «In Baden kennst du die einheimische Szene schnell. In New York weisst du nie, wen du triffst», sagt er. «Eines der letzten Weihnachtsfeste habe ich mit Jay-Z und Beyoncé verbracht.»

Finanziell war Dominique Wörndli stets unabhängig und zeigte sich früh selbstbestimmt. «Autoritätspersonen über mir, wollte ich nie haben.» Dass ihn die Coronakrise von New York nach Baden zurückgespült hat, sieht er als Vorteil: «Ich lebe mit meiner grossen Liebe zusammen, habe eine neue Firma und bin so kreativ wie lange nicht mehr. New York war toll, aber auch laut und hektisch. Hier kann ich runterfahren und etwas Neues gestalten.» Und er ist festen Glaubens, dass alles gut kommt. «Life is a dance... Don’t stop moving» lautet sein Lebensmotto.