Der Angeklagte schloss eine Metzgerlehre ab und arbeitete mehrere Jahre als Metzger. Zeitweise war er Geschäftsleiter von Betrieben. Laut eigener Aussage war er buchhalterisch schlecht und arbeitete mit den falschen Leuten zusammen: «Ich war zu grossmütig. Darum wurde ich mehrmals über den Tisch gezogen.» So häuften sich Schulden an. Der 43-Jährige kann sich nicht mehr daran erinnern, wie hoch diese waren.

Der Angeklagte lebt in dritter Ehe. Er hat aus zwei Beziehungen vier Kinder. Um die Schulden zu tilgen und seinen Kindern einen sicheren Lebensunterhalt zu ermöglichen, sah der Metzger nur noch eine Lösung: Raubüberfälle.

Immer das gleiche Schema

Da er bereits in Volg-Filialen in der Metzgerabteilung gearbeitet hatte, kannte sich der Seoner mit den Geschäften aus. Er fuhr somit in der Deutschschweiz umher und rekognoszierte, wo er eine Volg-Filiale überfallen könnte. Hatte er eine gefunden, die ohne Überwachungskamera auskam, ging er fast immer auf dieselbe Weise vor.

Er kaufte sich etwas im Laden und überzeugt sich, dass die Angestellten alleine im Geschäft waren. Dann bedrohte er die Verkäuferinnen mit einer Softair-Pistole. «Ich habe nie auf den Kopf der Frauen gezielt. Ich wollte nicht, dass sie merken, dass die Pistole eine Attrappe war», sagte der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Kulm. Die Verteidigung machte zudem geltend, dass der Angeklagte selber Angst hatte bei den Überfällen und unter dem Einfluss von Schmerzmitteln handelte.

Der Metzger forderte die Angestellten auf, den Laden abzuschliessen. Dann sollten sie das Geld rausrücken und den Tresor öffnen. Danach sperrte er die Verkäuferinnen jeweils in den Kühl- oder Tresorraum ein und flüchtete.

50 000 Franken erbeutet

So überfiel der 43-Jährige von April bis Juli 2009 acht Volg-Filialen und einen Coop in den Kantonen Aargau, Zürich, St. Gallen und Baselland. Dabei blieb es zweimal beim Raubversuch, da die Angestellten sich wehrten. Insgesamt ergaunerte der Angeklagte einen Gesamtdeliktbetrag von knapp 50 000 Franken. Hinzu kamen die Vorwürfe des Betrugsversuchs und der Urkundenfälschung im Zuge der Raubhandlungen.

Der Staatsanwalt forderte 4,5 Jahre Haft. Die Verteidigung machte geltend, dass der Angeklagte geständig und einsichtig war und dass keine Rückfallgefahr bestehe. Daher würden zwei Jahre reichen.

Dies sah das Bezirksgericht anders. Da der Angeklagte bereits über mehrere Vorstrafen verfügte - unter anderem wegen Betrugs und Urkundenfälschung -, sich von diesen aber nicht abschrecken liess und das Gericht eine «hohe kriminelle Energie» beim Angeklagten sah, wurde er zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.